Abnehmende Übernachtungszahlen

Bad Wörishofen sucht Schlüssel zur Trendwende

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Wie lassen sich die Stadt Bad Wörishofen und das Thema „Kneipp“ besser vermarkten? Geht es nach den Grünen, braucht es einen neuen Experten fürs Marketing.

Bad Wörishofen – Die Übernachtungszahlen haben sich in Bad Wörishofen negativ entwickelt. Es sei daher aus Sicht der Fraktion der Grünen sowie der SPD dringend geboten, dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Daher sei es unerlässlich, professionelles Know-How an Bord zu holen und zu nutzen, reklamieren die Antragsteller, wobei es Daniel Pflügl für die Grünen übernahm, den Antrag vorzutragen – und dabei die Schaffung einer zeitlich befristeten Projektstelle für einen Marketingmanager mit den vorrangigen Aufgaben touristische Strategie, Destinationsmarketing und Produktentwicklung forderte. Diesem Ansinnen erteilte der Wörishofer Stadtrat, auch nach einem leidenschaftlichen Plädoyer der Tourismusdirektorin, eine Absage.

Man wolle, so Daniel Pflügl, im Pool der Mitarbeiter der Kurverwaltung eine Person etablieren, die aus dem Bereich des professionellen Marketings komme. Das sei keine Kritik an der Arbeit der Kurdirektorin, versicherte sich der Stadtrat. „Wir sehen, dass Sie sich engagieren“, so heißt es im Antrag der Grünen weiter. „Aber natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten“. Und diesen wolle man erweitern. Denn man habe in Bad Wörishofen einen Schatz, nach dem sich andere Tourismusdestinationen alle zehn Finger abschlecken würden, so Pflügl. Ein Schatz aber, auf dem eine Staubschicht liege. Dieser Schatz aber müsse glänzen, man müsse darstellen, dass Kneipp in das Jahr 2018 passe, in die moderne Medizin. Ergo müsse man das Produkt Kneipp zeitgemäß präsentieren und vermarkten. Angesichts einer derzeit nicht besetzten Stelle in der Kurverwaltung wäre es möglich, stellen sich Hofer und Pflügl vor, eine Marketingstelle, zeitlich befristet, zu schaffen, mit der Aussicht auf Beförderung und Übernahme.

Glaube an die Zukunft

Möglicherweise, so der diplomierte Verwaltungswirt, müsse man irgendwann die Produktbeschreibung und die Marketingstrategie neu, durch ein externes Unternehmen, beauftragen. Aber das Marketing werde in der Kurverwaltung „performed“, heißt es im Antrag weiter. Deshalb sei es der erste Schritt, die Kurverwaltung personell professionell und schlagkräftig auszustatten. Man dürfe bei aller Euphorie für das zweite Standbein Industrie und Gewerbe, das erste nicht vergessen, beendete Pflügl seinen Antrag. Mit Schaffung dieser Stelle würde man ein Signal geben, „dass wir auf Kneipp setzen und an die Zukunft glauben“.

Eine Aussage, die kaum einer der Stadträte und auch die Kurdirektorin so unwidersprochen stehen lassen wollte. Zwar könne er die Idee und Zielrichtung zu 100 Prozent unterschreiben, so Stefan Welzel. Nur, so der CSU-Stadtrat: „Wie kommen wir zu der Zielrichtung angesichts unserer Ressourcen?“ Aber er sehe eher Bedarf, externen Input einzukaufen, so Welzel, vor allem hätten Agenturen mehr Kontakte als ein Marketingmanager. Andererseits, wie sehr identifiziere sich ein Marketingmanager mit dem Ort. Es sei die Frage, ob man Kanonenkugeln einkaufen müsse oder Kanoniere. Für Wolfgang Hützler stellte sich vielmehr die Frage, ob man das Produkt „Kneipp“ überhaupt im Griff habe oder ob nicht vielmehr die Kneippwerke dieses nutzten. Seitens der Kommunalpolitik habe man alles getan, was möglich sei. Doch man könne sich einfach nicht mit anderen Destinationen vergleichen. Und müsse auch andere Faktoren betrachten, die für die Abnahme der Übernachtungszahlen mit verantwortlich seien, etwa die fehlenden Krankenkassenzuschüsse. Oder das generell geänderte Urlaubsverhalten. „Wir können weder Sonne Strand und Meer bieten“, so Hützler, noch einen Aktivurlaub“. Wenn man sich mit Ärzten unterhalte, bekomme man folgenden Vergleich: Vor zehn Jahren hatte sie mehr als 100 Kurpatienten pro Quartal“, heute seien es oft nicht mehr als ein Dutzend im Vierteljahr.

Ibel erwartet Vorschläge

Alwin Götzfried machte auch darauf aufmerksam, dass es um das Marketing gehe. Doch in welcher Beziehung stünde denn die Marke Kneipp zur Bettenbelegung, wollte Hützlers Fraktionskollege von den Grünen wissen. Und hakte nach: „Was wollen wir denn?“ Man rede über Übernachtungszahlen und steigende Gästeankünfte und müsse auch die betriebswirtschaftlichen Aufgaben des Kur- und Tourismusbetriebes sehen. Wenn man die Jahresrechnung sehe und die Einkünfte der Kurverwaltung, so würden die längst nicht alle Ausgaben mehr decken. Eine Diskussion, die darin gipfelte, dass Stefan Ibel die Kur für tot erklärte und meinte, wenn man nichts anzubieten habe, brauche man auch nicht zu tun. Man müsse auch nicht über Ziele diskutieren, sondern es brauche eine Expertise für das Marketing. Entsprechend erwarte er Vorschläge, über die man diskutieren und abstimmen könne.

Marion Böhmer-Kistler unterstrich angesichts der doch emotionalen Diskussion, dass Bad Wörishofen Kneipp- und Heilbad bleiben solle. Doch gerade der Begriff Kneipp sei nebulös, „er hat uns etwas hinterlassen, mit dem wir arbeiten können, nämlich das Naturheilverfahren“. Und mit dem Jubiläumsjahr 2021 habe man eine große Chance, damit Aufmerksamkeit zu erhalten. Mit Blick auf die Diskussion merkte Bürgermeister Paul Gruschka an, dass die fehlende Zielsetzung nicht erkennbar sei. Denn man habe eine Verantwortung für mehr als 100 Beherbergungsbetriebe im Ort, daher sei die Zielsetzung klar. Nachdem auch die Kurdirektorin Petra Nocker ihre Erklärung abgegeben hatte, stimmten 16 der 23 Stadträte gegen den Antrag der Grünen-Fraktion. 

Oliver Sommer

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