Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Marktfest in Kirchheim: Zurück ins Jahr 1490

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Kirchheim – Nach fünf Jahren ist es endlich wieder soweit: Kirchheim feiert sein Historisches Marktfest! 1490 bekam Kirchheim das Marktrecht verliehen. Vom 12. bis zum 14. Juli herrscht im Ortskern eine andere Zeit: Händler bieten im historischen Treiben auf dem Bauern- und Handwerkermarkt ihre Ware an, Kinder lachen auf dem mittelalterlichen Jahrmarkt und am Sonntag können die Besucher an einem Festgottesdienst teilnehmen.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es wird gesägt, gehämmert und geschleppt. Auf den Straßen schrauben die Vereine Holzbretter aneinander, die am Ende eine Hütte formen. Requisiten und Holzschilder stehen rum, bereit, um in Szene gesetzt und genagelt zu werden. Die Habichtsburg am Eingang steht schon, der letzte Feinschliff vollzogen. 

Der Theaterverein Harmonie Kirchheim probt schon seit vier Wochen fleißig auf der Bühne beim Lotto. Zuvor gab es einige Leseproben. Gerhard Reichle, Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner, Karl Scheifele und 1.Vorsitzender des Theatervereins, Tobias Dannhart, übten am Mittwoch das Stück "Der Wöchner", das am Freitag um 22 Uhr, am Samstag um 18 Uhr und 22 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr und um 21 Uhr aufgeführt wird. Daneben gibt es noch zwei weitere Theaterstücke, "Der gestohlene Fastnachtshahn" und "Der Bauernknecht zweimal fiel in Brunnen", die ebenfalls jeweils fünf Mal am Wochenende vorgetragen werden.

Für eine Woche ist Kirchheim im Ausnahmezustand, denn schon mehrere Tage vorher werden die Straßen rund um den Marktplatz gesperrt. „Uns ist es wichtig, dass das Fest sehr authentisch ist“, sagt Zweiter Bürgermeister des Marktes Kirchheim, Werner Welser. Die Marktwache geht auf Patrouille und sorgt für Ordnung.

Die wichtigste Regel bei dieser Veranstaltung lautet: So zu leben wie im Jahr 1490. Blechdächer und jegliche Nutzung von Plastik sind tabu. Die Familie Striebel hat extra eine Nähstube eingerichtet, damit sogar die Kleider passend zu der damaligen Zeit angefertigt werden.

Doch natürlich gelten auch noch andere Gesetze, die in der Marktordnung von 1490 festgehalten sind. „Wer sich daneben benimmt, wird in den Kerker gesperrt“, erzählt Welser. Dort muss der Gefangene mit Schmalzbrot und Bier ausharren, bis ihn jemand mit einer Ablöse freikauft. „Das ist eine Verhandlungssache, wie lange er drin bleibt.“

Vor der Bevölkerung wird öffentlich die Anklageschrift vorgelesen, bevor u.a. Bürgermeister, Geschäftsleute und Vereinsvorstände in den Kerker geschlossen werden. „Entkommen kann der Marktwache keiner.“ Heuer verwandelt sich Kirchheim bereits zum sechsten Mal in ein mittelalterliches Fuggerdorf. 1990 fing alles an.

Damals feierte das Dorf im Unterallgäu sein 500-jähriges Marktrecht. 1994 war der Grund für das Marktfest das 450-jährige Jubiläum des Wappens, 2001 feierte man 450 Jahre Fugger, 2007 den Todestag von Landsknechtsführer Hans Walther von Hürnheim. 2014 und dieses Jahr gibt es keinen konkreten Anlass zur Feier. Doch eines ist ab jetzt klar: „Um eine gewisse Kontinuität für die Vereine reinzubringen“, verkündet der Zweite Bürgermeister, werde das Fest künftig alle fünf Jahre ausgetragen. Bei anderen Festen, wie beim Marcktfest in Markt Wald, ist ein Verein der Träger. Anders in Kirchheim: Die gesamte Organisation trägt der Markt.

Nur fünf Prozent des Umsatzes müssen die Vereine an die Gemeinde abtragen, die dabei selber nichts verdient, denn der Eintritt ist frei. Die Vorbereitungen laufen schon seit mehreren Monaten. Überwacht wird das Fest von einem eigenen Sicherheitsdienst. Um 1.30 Uhr ist Ausschank-Ende, um 2 Uhr „muss alles ruhig sein“, so Welser. „Der Markt legt die Kosten fest.“ Wichtig auch: Jeder Verein, der Durst und Hunger der Besucher stillt, muss auch mindestens eine Attraktion anbieten, wie zum Beispiel Spiele mit den Kindern, Chor oder Tanz.

Mit Betonpollern, die in einer S-Form aufgestellt sind, sichert die Freiwillige Feuerwehr die Zufahrten ab. „Wir haben schon gewisse Erfahrungen von den vorherigen Festen, aber heuer ein anderes Sicherheitskonzept. Früher wurde das Konzept im kleineren Rahmen umgesetzt“, erklärt Welser.

Einen Ausweichtermin gibt es nicht. Ein Gremium, bestehend aus Bürgermeistern sowie Sicherheits- und Einsatzkräften, entscheidet im extremen Witterungsfall, mit beispielsweise Sturm und Hagel, darüber, ob das Fest stattfindet oder nicht. „Bis jetzt haben wir aber immer Glück gehabt, dass wir wunderbares Wetter hatten.“ Ein Highlight ist der Zugang in den Weinkeller, der nur zum Marktfest seine Tore für die Besucher öffnet.

Er versteckt sich im Gewölbe unter dem Fugger-Gebäude und wird mit Fanfaren feierlich eröffnet, bevor man sich dort Wein einschenken lassen kann. Doch es erwarten die Besucher noch reichlich andere Attraktionen. Mit einem Holzpferd auf Schienen kann man Ringe stechen oder aus Weiden und Haselnuss Schwegelpfeifen basteln.

Für Kinder stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung. Daneben gibt es Töpferhandwerk zu bestaunen. Spengler, Drechsler, Seifenmacher, Steinmetz, Messer- und Schmuckhersteller bieten ihre Waren an.

Auch ein Glaser ist mit von der Partie, ein anderer fertigt Holzspielzeuge. Beim Schlendern über den Markt trifft man außerdem auf eine Goldschmiedin, eine Spinnerin und auf viele andere, die ihre Handwerkskunst zeigen. „Über die Schulter schauen“ kann man einem Maler, der auch seine Gemälde verkauft. Lederwaren und Fischgerichte dürfen natürlich im Mittelalter auch nicht fehlen.

Beim Schützenverein kann man sich im Armbrustschießen oder auf der Kegelbahn messen. Im Innenhof des Fugger-Areals können Kinder Kühe, Schafe, Ziegen, Lamas, Hühner und Hasen streicheln und zusehen, wie Pferde vom Schmied beschlagen werden.

Der Musikverein tritt im Innenhof der Domänenverwaltung auf. Der Theaterverein zeigt in der Haselbacher Straße seine Stücke. Der TSV Kirchheim wird mit seinem Landsknechtlager am Marktplatz vertreten sein und am Stand der Genossenschaftsbank hantiert man nicht mit echtem Geld, nämlich mit Münzen aus Zinn, die man sich mit dem Bild von Bischof Ziegler prägen lassen oder selber prägen kann. Stockbrot am Abend und die Bewirtung durch verschiedene Vereine ergänzen das Angebot und machen einen Abstecher ins mittelalterliche Leben zur Pflicht.

Julia Böcken

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