Aus dem Kulturausschuss der Stadt Mindelheim

Hat Mindelheim Platz für eine alternative Kultur?

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"Baustelle" Mindelheim: Geht es nach den Erhebungen von Markus Putz, hat die Kreisstadt in Sachen Kulturangebote für junge Leute noch Nachholbedarf.

Mindelheim – In der jüngsten Sitzung des Jugend-, Kultur-, und Sozialausschusses konnte vor allem eine Person begeistern: der Journalist und Mindelheimer Markus Putz. Er stellte den Stadträten Ergebnisse und Erkenntnisse zum Thema „junge und alternative Kultur“ in Mindelheim vor. Unter dem Titel „RemmideMNi“ möchte er den Ausschuss, aber auch die Stadt dazu anregen, gemeinsam ein Projekt dazu voranzubringen.

Als Markus Putz in jungen Jahren in Mindelheim lebte, war alles anders, erzählte er. Es gab ein Kino, Diskotheken, Flohmärkte und vieles mehr. Wo er einst seine Jugend verbrachte, sind heute Wohnungen, Spielotheken, Parkplätze und Hallen der Grob-Werke. Putz zog nach München, studierte Journalismus und kam an einem Abend auf die Idee, seinen Kollegen aus München Mindelheim zu zeigen. Allein – es war nichts los. Die geplante Kneippentour endete schneller als gedacht, wegen verschlossener Türen oder menschenleerer Räumlichkeiten. 

Als der Mindelheimer mit seiner Familie wieder zurück in seine liebenswerte Heimatstadt zog, wurde ihm bewusst, dass man was ändern muss, erzählte er. Also hat er das Gespräch gesucht: Mit der betroffenen Altersgruppe von 18 bis 35 Jahren, Gastronomen und Eigentümern von Leerstandsimmobilien. An einem Freitagabend gegen 22 Uhr begab sich Markus Putz zu einem örtlichen Fastfoodrestaurant, um spontan junge Leute zu befragen. Dies filmte er und präsentierte das Video den Stadträten und Bürgermeister Dr. Stephan Winter. 

Man halte sich hier auf, da man nicht wüsste, wo man hin soll, sagte eine junge Frau. Meistens würden sie nach Kaufbeuren oder auch Bad Wörishofen fahren, da es dort mehr Möglichkeiten gäbe. Auch tagsüber wird kaum was geboten, erzählte eine weitere junge Frau. Zum Kegeln oder Kartfahren müsse man nach Memmingen, Landsberg oder Kaufering. Zum Ende des Films richteten sie ihren Wunsch direkt an die Stadträte: Weniger Spielotheken und mehr Bars, Gebäude in Diskotheken umbauen und für mehr Unterhaltung sorgen. 

Nach den Gesprächen wurde Putz bewusst, dass sich junge Menschen in Mindelheim nicht so wohl fühlen, wie er zu seiner Zeit. Es fehlen Anlaufstellen für junge Erwachsene, es gibt Leerstandsgebäude, die man als Zwischenlösung nutzen könnte und die Stadt müsse dabei finanziell, aber auch moralisch helfen – dies seien die Herausforderungen, betonte er. 

Dilemma, Lösungen, Bitten 

Da diese Altersgruppe nicht mehr Zielgruppe des Kreisjugendrings und noch nicht Zielgruppe des Kulturamts sei, gäbe es kaum Angebote und Unterstützung, erklärte Markus Putz. „Man wird nicht ernst genommen“, „Angst vor Lärm, Dreck und Ärger“ und „Ein Anwohner kann den Spaß verhinden“ – diese Zitate und weitere zeigten auf, wie verzweifelt diejenigen sind, die bereits versucht haben, Leben nach Mindelheim zu bringen. Aus diesen Aussagen folgerte Putz, dass Veranstaltungsorte, die Offenheit der Stadt und Bürger, ein Stadtmarketing und eine Kontaktstelle fehlen. 

Nach der Präsentation zeigten sich sowohl Bürgermeister Dr. Stephan Winter, Kulturamtsleiter Christian Schedler als auch Sachgebietsleiterin Ute Bergmaier äußerst angetan. Bereits zu Beginn des kommenden Jahres werde man ein weiteres Zusammentreffen mit Markus Putz ansetzen, um genauer planen und umsetzen zu können, versprachen sie dem engagierten Mindelheimer. 

von Antonela Kelava

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