Ein Geben und Nehmen

Mert Yüksel und Heidi Herold sind neue Leiter des Jugendzentrums in Kirchheim

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Mert Yüksel und Heidi Herold (von links) leiten das Kirchheimer Jugendzentrum.

Kirchheim – Das Kirchheimer Jugendzentrum (JuZe) wird seit März von Heidi Herold geleitet, ihr Stellvertreter Mert Yüksel ist seit letztem Sommer dabei. Was ihnen an der Arbeit besonders gut gefällt, welche Projekte und Unternehmungen sie mit den Kindern und Jugendlichen machen und was sie vor dem JuZe bereits in ihrer beruflichen Laufbahn erreicht haben, erzählen sie hier.

Das JuZe ist ein Rückzugsort, ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche gemeinsam die Nachmittage verbringen und zusammen Unternehmungen machen können. Dienstag, Donnerstag und Freitag hat das Jugendzentrum am Nachmittag bis zum frühen Abend geöffnet. 14 Kinder sind in dieser Zeit hier untergebracht, die Altersspanne reicht von neun bis 20 Jahre.

Yüksel und Herold stimmen das Programm nach den Wünschen der Kinder ab. „Wir haben viele Projekte, wo sie was bauen“, sagt Yüksel. Momentan arbeiten sie im Garten. Nach dem Umzug im letzten Sommer ins bis dato leerstehende Nebengebäude auf dem Schmiedberg sei der Garten sehr überwuchert gewesen, er muss nun erstmal freigeschnitten werden. „Es soll ein Entspannungsort werden“, so ­Yüksel. Die Sitzmöbel dazu bauen die Kinder mit den Leitern selbst. Die Räumlichkeiten im alten Gebäude seien dafür zu klein gewesen, erzählt Yüksel.

Neben Projekten wie diesen unternimmt die Gruppe auch viele Ausflüge, geht Schlittschuhlaufen, in den Skyline-Park, in den Kletterwald oder macht eine Shoppingtour. Die Vorschläge dazu kommen aber alle von den Kindern selbst.

Beruflicher Werdegang

Herold arbeitet seit zehn Jahren im sozialen Bereich, kommt aber ursprünglich von einem ganz anderen beruflichen Zweig: Nach einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin und einem langjährigen Job im Büro sei sie in den sozialen Bereich „reingerutscht“. In ihrer Anfangszeit hat sie als Integrationshelferin ein Kind in der Pfaffenhausener Grund- und Mittelschule betreut. Nun leitet die Thannhausenerin die offene Ganztagsschule in Kirchheim und fungiert weiterhin als Betreuerin – und ist nun auch ortskundig: „Einmal habe ich mich mal verfahren in Kirchheim und die Schule nicht gefunden“, lacht Herold.

Yüksel hat durch seine zweijährige Sozialpflegeausbildung schon erste Erfahrungen mit Kindern gesammelt. Der Mindelheimer hat schon zu dieser Zeit ehrenamtlich beim Kreisjugendring geholfen. Wie Herold kam auch er als Betreuer an die Grund- und Mittelschule nach Pfaffenhausen. „Das ist irgendwie von jedem der Startpunkt“, sagt der 20-Jährige. Dann kam er letztes Jahr nach Kirchheim. Neben seiner Arbeit im JuZe absolviert er eine Ausbildung zum Erzieher in der Fachakademie für Sozialpädagogik in Krumbach. Eigentlich würde die Ausbildung fünf Jahre gehen, doch dank seiner schulischen Ausbildung als Sozialpfleger kann er verkürzen. Jetzt hat er noch zwei Jahre vor sich. Der Arbeit mit Jugendlichen will ­Yüksel auch nach der Ausbildung treu bleiben. „Ich arbeite gerne mit Jugendlichen“, sagt er.

Für Herold ist die neue Stelle im JuZe etwas völlig Neues: „Es ist ein Unterschied, ob es frei gestaltet ist wie hier oder strukturiert wie in der Schule. Hier haben wir mehr Freiheiten.“ Durch die neuen Herausforderungen kommen auch neue Erfahrungen hinzu, die sie nun erst noch sammeln muss.

Vorbildfunktion

Pädagogisch halten sich die beiden zurück. Konflikte unter den Jugendlichen und Kindern gebe es immer. „Die Jugendlichen sind ganz fit, die Konflikte selbst zu regeln. Wenn‘s nicht klappt, vermitteln wir schon“, erzählt Yüksel. Das funktioniere immer, eskalieren würde es nie, denn der Umgang unter den Heranwachsenden sei familiär.

Die Leiter dienen als Vorbilder, vermitteln einen positiven Umgang und helfen den Kindern, die Problemlösungskompetenz zu verbessern. „Man ist Ansprechpartner in vielen Belangen“, weiß auch Herold. Die Selbstständigkeit fördert das Führungsteam durch gemeinsames Kochen oder Putzen. „Zum Teil können sie es auch schon und macht ihnen Spaß“, berichtet Herold. „Nach dem Putzen gibt es auch eine Belohnung wie Schoko-Fondue.“ „Crêpes oder Eis dienen auch als Anreiz zum Putzen“, fügt der Azubi hinzu. An ihrem ersten Arbeitstag kochten die Kinder und Jugendlichen von ganz alleine, sodass die 52-Jährige direkt ein leckeres Essen zubereitet bekam.

Warum die beiden nun darin ihre Berufung sehen? „Viele Freunde fragten schon, warum ich im sozialen Bereich arbeiten will. Man verdiene da doch gar nichts. Aber ich mag es, unter Menschen zu sein, wenn man ihnen etwas mitgeben kann. Mir gefällt es, die Erfolgserlebnisse der Kinder zu sehen“, erzählt Yüksel. Wegen des Geldes wähle man den Beruf nicht, sondern weil es einem Spaß mache.

Das bestätigt auch Herold: „Kinder geben einem viel mit und man kriegt auch wieder viel von ihnen zurück. Es ist schön, wenn man von ihnen akzeptiert wird.“

Julia Böcken

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