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Mindelheim: 950 „Spaziergänger“ – Gegendemo hört nach drei Veranstaltungen auf

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Von: Marco Tobisch

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Die Corona-Pandemie – insbesondere die Impffrage und die Maßnahmen der Politik – ziehen die Menschen in Mindelheim weiter auf die Straße. Die Polizei war auch am Montag sowie am Mittwoch vergangener Woche im Einsatz, beide Male verliefen die Einsätze ruhig und ohne Zwischenfall.
Die Corona-Pandemie – insbesondere die Impffrage und die Maßnahmen der Politik – ziehen die Menschen in Mindelheim weiter auf die Straße. Die Polizei war auch am Montag sowie am Mittwoch vergangener Woche im Einsatz, beide Male verliefen die Einsätze ruhig. © AOV

Mindelheim – Dreimal hat „Mindelheim ist verantwortungsbewusst“ nun bei einer Gegendemo Unterstützer um sich geschart. Ihr Ziel war es unter anderem, mehr Menschen für eine Corona-Schutz­impfung zu mobilisieren. Die Veranstaltung von letzter Woche wird vorerst die letzte gewesen sein, wie Initiator Roland Ahne erklärte. Unterdessen nahmen am gestrigen Montag nach Schätzung der Polizei circa 950 Menschen am „Spaziergang“ durch Mindelheim teil, um ihren Ärger gegenüber der Politik zum Ausdruck zu bringen.

Rund 230 Menschen trafen sich am Mittwoch letzter Woche im Rahmen der friedlichen Gegendemo auf dem Marienplatz. Als Gastredner war der Mindelheimer Peter Gorlitt zugegen: Er schilderte aus erster Hand, wie sich eine Coronaerkrankung auswirken kann. Denn Gorlitt selbst hatte, nachdem er sich angesteckt hatte, zehn Tage auf Intensivstation im Krankenhaus verbracht und hing am Sauerstoff. „Das hat er gut rübergebracht“, meinte Roland Ahne hinterher. Gorlitts Zimmerkamerad war sogar an Corona verstorben.

Die Veranstaltung dauerte rund 45 Minuten. Störungen gab es keine und die Auflagen des Landratsamtes seien eingehalten worden, bestätigt die Polizei. Für musikalische Begleitung sorgten Björn Lie und Fjolla Gashi.

Künftig werde es aber keine Mittwochsdemos mehr geben, erklärt Roland Ahne auf Nachfrage unserer Redaktion. Grund dafür seien die rasant gestiegenen und immer noch steigenden Inzidenzzahlen. Zum Wochenstart lag die Inzidenz im Landkreis Unterallgäu bei 1.637,9. „Unser Motto ist ja ‚Mindelheim ist verantwortungsbewusst‘, das wollen und müssen wir auch leben. Deshalb sind Veranstaltungen mit so vielen Besuchern ein Risiko für die Gesundheit. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden“, so Ahne. Zu den drei Veranstaltungen am Marienplatz zieht der Dritte Bürgermeister ein positives Fazit: „Es war wichtig, der Bevölkerung zu zeigen, dass es nicht nur Coronaverweiger, -leugner und sonstige Unzufriedene aber auch radikal Denkende gibt, sondern sehr viele besonnene und verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger, die eine andere Meinung haben.“

Für ihr Engagement hätten die Initiatoren viel Zuspruch erfahren, wenngleich es auch ein paar kritische Stimmen gegeben habe, so Ahne. „Trotzdem war es wichtig und richtig, dieses Zeichen zu setzen. Vielleicht ist es uns gelungen, dass Leute, die noch unschlüssig sind, sich impfen zu lassen, jetzt doch diesen Schritt machen.“

950 „Spaziergänger“ in Mindelheim

Gegen eine Impfung und gegen die Maßnahmen der Politik sprach sich derweil auch am gestrigen Montag wieder das Gros der Montagsspaziergänger aus. Wie die Polizei mitteilt, sei die Veranstaltung auch diesmal wieder friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Ein Rettungswageneinsatz in der Maximilianstraße zu Versammlungsbeginn aufgrund eines medizinischen Notfalls einer Anwohnerin konnte ohne Behinderung durchgeführt werden.

Das Landratsamt hatte im Vorfeld eine neue Allgemeinverfügung erlassen. Nachdem in der Woche zuvor der Start des Zugs von 18 auf 18.30 Uhr verschoben worden war, um die Belastungen für den Einzelhandel, den Straßenverkehr und die Bewohner der Innenstadt zu reduzieren, kam am Montag noch eine weitere Neuerung dazu: ein Hundeverbot. Eine Maskenpflicht für Spaziergänger, wie sie die Kreistagsfraktion von SPD/FDP gefordert hatte, ist auch weiterhin nicht Teil des Regelwerks.

Dass man die Allgemeinverfügung nur in diesem Punkt verändert habe, begründete das Landratsamt damit, dass sich die meisten „Spaziergänger“ an den späteren Beginn der Versammlung um 18.30 Uhr gehalten hätten und auch die Abstände laut Polizei dank neuer Streckenführung weitgehend eingehalten wurden. Was jedoch am Montag vergangener Woche aufgefallen sei: Mehrere Demonstranten hatten Hunde dabei. Das ist seit dieser Woche per Allgemeinverfügung verboten. „Allein durch die Erscheinung der Hunde fühlten sich einige Versammlungsteilnehmer unwohl und verängstigt. Auch beim Aufeinandertreffen verschiedener Hunde kam es immer wieder zu lautem Gebell, was bei den Teilnehmern zusätzlich Ängste hervorrief“, begründete das Landrats­amt in der Allgemeinverfügung. Weiter heißt es: „Außerdem stellen Hunde, insbesondere wenn fremde unbekannte und damit in ihrem Wesen nicht einschätzbare Hunde in größerer Anzahl zusammenkommen, regelmäßig eine Gefahr für die Sicherheit der Versammlungsteilnehmer, der Polizeikräfte und unbeteiligte Personen dar.“

Die Innenstadt wurde eine halbe Stunde vor Beginn gesperrt. Der Verlauf über die Maximilianstraße, Landsberger Straße, Brenner-, Ramminger-, Reichenwaller-, Teck- und Kornstraße habe sich laut Polizei und Landratsamt bewährt.

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