Ort der Kunst und Kultur in der Georgenstraße

Mindelheim: Vom ehemaligen Fabrikgelände zum kreativen Zentrum

+
Musik, Fotografie oder auch Kochkurse: In der geplanten Kulturfabrik soll jeder seinen Platz finden, erklärte Markus Putz (links) den Stadträten bei einer Führung durch das Gebäude.

Mindelheim – In den letzten Monaten hat der Mindelheimer Stadtrat nach tatkräftiger Mithilfe von Markus Putz von „remmideMNi“ festgestellt, dass das kulturelle Angebot für junge Menschen zwischen 20 und 40 zu wünschen übrig lässt. Doch das soll sich nun in einer Kulturfabrik in der Georgenstraße ändern – wenn die Stadt Mindelheim dem Projekt finanziell unter die Arme greift.

Mindelheim biete als Stadt der Kultur und Lebensfreude ein großes kulturelles Angebot, wie Museen, Konzerte, Kabarett und Vorträge, so Initiator Markus Putz. Auch für Künstler gäbe es im Salon ein Zuhause. Die Kinder Mindelheims können im Café Frox ihre Zeit verbringen und Jugendliche im Jugendhaus „JiM“. Auch die Senioren haben mit dem Seniorenbeirat eine Anlaufstelle.

Wer leer ausgeht, so Markus Putz, sind die 20 bis 40-Jährigen und alle, „die auf alternative Kultur stehen“. Diese Lücke soll die Kulturfabrik füllen. Auch das Miele-Museum, das seit dem Frühjahr 2018 eine neue Bleibe sucht, könne in der Kulturfabrik einen Platz finden, erklärte Putz den Stadträten während einer Führung durch das ehemalige Fabrikgelände von Planeta/Rudh Haushaltsgeräte.

Kreativ und alternativ

Die Kulturfabrik soll ein kreatives Zentrum mit alternativer Kultur als Ergänzung zum bestehenden Angebot werden, erläuterte Markus Putz. „Wir möchten keine Konkurrenz werden.“ Im Laufe der Jahre solle die Kulturfabrik zu einer Art Wohngemeinschaft umfunktioniert werden, indem immer wieder neue Leute zu dem Projekt dazustoßen. Man solle sich im besten Fall inspirieren, zusammen feiern und kreativ sein.

Im Erdgeschoss des Gebäudes soll das Miele-Museum seine Türen mit einem neuen Konzept öffnen. Die Räume sollen nach den Jahrzehnten von 50er bis 90er aufgeteilt werden und zeigen, wie im jeweiligen Jahrzehnt gewaschen wurde, erklärte Christoph Reß vom Miele-Museum. Zudem gäbe es im Erdgeschoss einen kleinen Veranstaltungsraum, der sich für Kleinkunst besonders gut eignen würde. Travestieshows, kleine Aufführungen, Theaterstücke, Lesungen oder auch Ausstellungen könnten hier stattfinden. Dank der Barrierefreiheit könnten auch Rollstuhlfahrer an den Veranstaltungen teilnehmen oder das Miele-Museum besuchen.

Im Obergeschoss stehen sechs Räume für junge Künstler, Musiker und sonstige Kreative zur Verfügung. „Je bunter die Mischung, desto besser“, findet Putz. Möglich sei alles: ein eingerichtetes Atelier für Ausstellungen oder auch eine einmalige Lesung, Podiumsdiskussionen oder weitere kreative Veranstaltungen. Ein Zimmer soll ein gemütlicher Treffpunkt für die „Bewohner“ und Besucher werden, in dem man sich austauschen kann. Zu dem Konzept gehören auch gemeinsame Veranstaltungen wie ein alternativer Weihnachtsmarkt, ein Sommerfest, ein Künstlermarkt, ein Flohmarkt, Public Viewing, Kino-Openair und viele weitere spannende Veranstaltungen, die für Abwechslung sorgen sollen. Dazu kann bei Bedarf auch die gegenüberliegende 1.000 Quadratmeter große Lagerhalle gemietet werden. Auch soziale Veranstaltungen sollen in der Kulturfabrik ihren Platz finden. Themen könnten die Wahlen, Umwelt oder Medien sein.

Mieter wird der gemeinnützige Miele-Museums-Verein sein. Für den Betrieb im Erdgeschoss zeichnet Vereinsvorsitzender Christoph Reß verantwortlich, fürs Obergeschoss Putz mit „remmideMNi“. Beide würden diese Funktion ehrenamtlich ausüben und seien deshalb auf Unterstützung der Stadt angewiesen, erklärten Reß und Putz während der Führung. Da das Gebäude lange leer stand und die Technik, Elektrik und Sanitäranlagen nicht mehr dem gesetzlichen Standard entsprechen, sind Renovierungsarbeiten nötig. Geplant sei aber natürlich keine Luxussanierung, stellt Putz klar, der am industriellen Charme festhalten will. Auch Miete und Nebenkosten müssten von der Stadt solange getragen werden, bis das Projekt anläuft und sich Sponsoren finden.

Das gesamte Projekt sei als Zwischennutzung auf fünf Jahre angelegt. Wie es für die Kulturfabrik weitergeht, hängt von der Entscheidung des Stadtrates ab, der sich in einer nichtöffentlichen Sitzung beraten wird. Erst, wenn die Räte grünes Licht geben, geht es mit Ausgestaltung, Detail-Konzeption und Vermietung weiter.

In den Ausbauprozess und die Namensfindung sollen auch die Mindelheimer Bürger involviert sein. Reß und Putz betonten derweil noch einmal, dass Kunst und Kultur bedauerlicherweise keine Selbstläufer seien, jedoch sehr wichtig für das Lebensgefühl und die Attraktivität einer Stadt. Denn junge Familien, die in Mindelheim arbeiten und wohnen, sollten auch in der Kreisstadt ihre Freizeit verbringen können.

Antonela Kelava

Auch interessant

Meistgelesen

Bürger gefragt: Wie stehen die Menschen zu Bad Wörishofen?
Bürger gefragt: Wie stehen die Menschen zu Bad Wörishofen?
Kino unterm Sternenhimmel im Türkheimer Schlosshof
Kino unterm Sternenhimmel im Türkheimer Schlosshof
70 Jahre Sportgeschichte: TSV Zaisertshofen lädt am Wochenende ins Festzelt ein
70 Jahre Sportgeschichte: TSV Zaisertshofen lädt am Wochenende ins Festzelt ein
Stadt gibt neue Mindelheimer Blühflächen bekannt
Stadt gibt neue Mindelheimer Blühflächen bekannt

Kommentare