Geschäftsführung des Klinikverbundes äußert sich im Stadtrat 

Mindelheim: Klinik räumt Kommunikationsdefizit ein

Notaufnahme Klinik Mindelheim
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Die Notaufnahme soll, anders als der Klinikverbund in Gerüchten gehört hatte, nicht vom Standort Mindelheim abgezogen werden. Hier stünden vielmehr „Strukturverbesserungen und Investitionen“ bevor, um eine bessere Patientenzuführung zu erreichen, heißt es vom Klinikverbund.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Durch die Fusion der Unterallgäuer Kreiskliniken mit den Krankenhäusern in Kempten-Oberallgäu zum „Klinikverbund Allgäu“ hatten sich spätestens ab dem Vollzug im November 2019 große Entwicklungspotenziale und Herausforderungen ergeben. Genau in diese Zeit der Veränderung fiel dann auch die Corona-Pandemie, die auch die Mindelheimer Klinik noch heute massiv fordert. Weil zuletzt nicht nur aus Mitarbeiterkreisen immer wieder Kritik laut wurde, sondern die Mindelheimer Klinik, wie berichtet, auch vor baulichen Veränderungen steht, sah es Bürgermeister Dr. Stephan Winter als sinnvoll an, die Geschäftsführung des Klinikverbunds im Stadtrat für Aufklärung sorgen zu lassen.

Michael Osberghaus und Florian Glück, beide Geschäftsführer des Klinikverbundes, waren zusammen mit Mindelheims Klinik-Chefarzt Dr. Manfred Nuscheler in der jüngsten Stadtratssitzung zu Gast, um zunächst über die Pläne und die Situation an der Mindelheimer Klinik zu informieren. Für Florian Glück war der Besuch auch mit seiner Vorstellung verbunden: Der 46-Jährige wechselte zum Beginn des neuen Jahres als Nachfolger von Franz Huber in die Geschäftsführung und wird künftig die Geschicke an den Kliniken in Mindelheim und Ottobeuren leiten.

Osberghaus, der die Pläne der Geschäftsführung vorstellte, erklärte zunächst, man wolle in Mindelheim die Grund- und Regelversorgung weiter ausbauen, spezifizieren und stärken – und damit letztlich auf ein höheres Niveau heben. So wolle man es schaffen, Patienten langfristig „im Allgäu zu halten“. Und generell, so hatte der Geschäftsführer auch im Unterallgäuer Kreistag jüngst erklärt, wolle der Klinikverbund „alle Standorte zu einem Gesundheitscampus entwickeln“.

Klinik sucht Partner

Warum dieser die Zukunft in der Gesundheitsversorgung ist? „Wir benötigen einen zentralen Anlaufpunkt“, erklärt Osberghaus. Zum einen sei das wichtig für die Nachwuchsfindung niedergelassener Ärzte, zum anderen könne man sich so auf kurzem Weg unter Kollegen austauschen. Bis ein Ärztehaus gebaut wird, dürften aber noch ein paar Jahre vergehen. In einem Schreiben an den Stadtrat zum Sachstand heißt es von Geschäftsführung und Chefärzten: „Die Planungen für das Ärztehaus laufen bereits, auch wurde die Suche nach Kooperationspartnern für die dort entstehenden Praxisräume begonnen.“ Problematisch, so erklärte Osberg­haus, gestalte sich dabei, dass einige der potenziellen Partner noch an langfristige Mietverträge in ihren Räumlichkeiten gebunden seien. Als Positiv-Beispiel nannte er derweil die Praxis des Bad Wörishofer Arztes Dr. Dr. med. Josef Junggeburth, die der Klinikverbund im September gekauft und im Januar integriert habe. Die Praxis bleibe als Zweigstelle in Bad Wörishofen, die Mitarbeiter wurden übernommen.

Zudem müsse vor dem Bau des neuen Ärztehauses noch über ein Parkraumkonzept zusammen mit Stadt und Landratsamt debattiert werden. Denn die Parksituation sei schon jetzt „beengt“ und würde „mit dem Ärztehaus noch deutlich verschärft“, so Osberghaus.

Den Beginn „größerer Bauwerke“, zu denen er auch das Ärztehaus zählt, schätzt Osberghaus erst auf 2024 bis 2025. Ebenfalls zu diesen Maßnahmen gehört, wie bereits ausführlich berichtet, der Bau des Funktionstraktes (Beginn voraussichtlich schon 2022). Nachdem dieser bezogen wurde, soll das Bettenhaus neu errichtet werden – dann mit 155 Betten statt der bisherigen 199. Den Abriss des bisherigen Bettentraktes stellte Roland Ahne (SPD) in Frage. Osberghaus begründete diese Planung mit niedrigeren Gesamtkosten im Vergleich zur Renovierung sowie damit, dass eine jahrelange Renovierung den laufenden Betrieb beeinträchtigen würde. Dass die geplanten Neubaustrukturen sinnvoll seien, habe auch das Ministerium in München bestätigt, so der Geschäftsführer des Klinikverbundes.

Umbauten laufen

Einige Umbaumaßnahmen laufen heuer an, so etwa die Einrichtung einer neuen „Chest Pain Unit“, um die Überwachung und Behandlung herzkranker Patienten zu verbessern. Auch im Bereich der Intensivstation und im Aufwachraum wird bereits umgebaut: Die vorhandenen acht Intensiv-Behandlungsplätze werden bis Juni um drei weitere Intensivbetten erweitert. Die Bedeutung der Intensivkapazität werde gerade durch Corona „jedem deutlich vor Augen geführt“, teilt der Klinikverbund in einem Infobrief vom Januar mit. Zum Wochenanfang wurden in der Mindelheimer Klinik 15 Coronapatienten betreut, einer von ihnen auf der Intensivstation.

Eine der Folgen durch Corona auch: Hygienebedingt sei es laut Klinikverbund zu Einschränkungen bei der Überwachung im Aufwachraum gekommen, weshalb nun auch hier kurzfristig eine bauliche Erweiterung realisiert werde.

Insgesamt seien „Corona­patienten deutlich aufwendiger zu betreuen“, erklärte Osberg­haus den Stadträten. Die Arbeit sei „kräftezehrend“ und die Mindelheimer Klinik durch Corona „mehr als ordentlich“ ausgelastet. Auch bei der Mitarbeiterplanung bereite die Pandemie bzw. die Quarantäne Probleme: „Man weiß zum Teil nicht, wie viele Mitarbeiter am nächsten Tag kommen“, so Osberghaus. Und Dr. Nuscheler ergänzte, dass am Montag kaum ein Team in der Besetzung arbeite, wie es am Freitag ins Wochenende gegangen ist.

Ich vermisse die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Mitarbeitern!

Roland Ahne, Dritter Bürgermeister

Nuscheler und Osberghaus nahmen dabei auch Bezug auf die Kritik von Roland Ahne, der polterte: „Was auf der Strecke bleibt, ist die Mitarbeiterschaft.“ Die Kommunikation den Angestellten gegenüber sei „schlecht“, Ahne vermisse „die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Mitarbeitern“. Die „Existenzängste“ der Mitarbeiter, die Mindelheims Dritter Bürgermeister angesichts ständiger Veränderungen unterstellte, wies Osberghaus zurück – diese könne er nicht nachvollziehen. In puncto Kommunikation räumte der Geschäftsführer jedoch ein, insbesondere 2020 „vielleicht zu wenig gemacht“ zu haben. Den mangelhaften Austausch führt Osberghaus unter anderem auf „andere Rahmenbedingungen durch Corona“ zurück. Klar sei aber, dass eine Fusion mit Veränderungen verbunden ist. Inzwischen verschicke man immerhin Newsletter per E-Mail und halte Betriebsversammlungen über Video ab.

„Covid ist eine abartige Belastung“

Auch Chefarzt Nuscheler äußerte sich: „Schlechte Kommunikation? Ja, das kann man so sagen.“ Und dass durch die permanenten, kurzfristigen Veränderungen Existenzängste geschürt würden, sei „verständlich“, so Nuscheler. „Covid ist eine abartige Belastung.“ Geschuldet sei das aber auch Anordnungen der Regierung, die angesichts von Corona ständig kurzfristige Änderungen vorschreibe. Diese stets in der Kürze der Zeit aufs Neue zu meistern, sei eine „Höchstleistung, für die ich mir Respekt für meine Mitarbeiter wünsche.“

Dass speziell bei der Strukturveränderung des Labors die Kommunikation versäumt wurde, wie Ahne beispielhaft ausgeführt hatte, glaubt Nuscheler nicht. In dem Infobrief vom Januar, der in ähnlicher Form auch an die Mitarbeiter verschickt wurde, heißt es: „Gerüchte, dass das Labor der Klinik Mindelheim und gar die ganze Notaufnahme vom Standort abgezogen würden, sind falsch.“ Ab April werde das Labor lediglich outgesourct und an das Labor Gärtner übertragen. So ändere sich zwar der Arbeitgeber, aber laut der Klinikverbunds-Verantwortlichen sei dieser Schritt weder mit finanziellen Einbußen noch einem Standortwechsel für die Mitarbeiter verbunden. Weitere Bereiche outzusourcen, sei in naher Zukunft nicht geplant, erklärte Osberghaus auf Nachfrage von Mehmet Yesil (SPD). „Aber man kann nicht sagen, was in drei bis vier Jahren ist“, so der Geschäftsführer.

Keine Antwort zur Küche

Lob gab´s von der CSU. Frak­tionsvorsitzender Christoph Walter erklärte, „die Millioneninvestitionen gefallen mir gut“. Das spreche für die Zukunftsfähigkeit des Klinikstandortes. Auf Walters Frage nach dem Erhalt der Küche antwortete Osberghaus nur zum Teil – nämlich, dass die „Logistik entscheidend“ sei und regionale Aspekte in der Leistung beachtet würden.

Bürgermeister Winter bezeichnete die Klinikfusion abschließend als „ganz, ganz richtigen Schritt. Für ihn sei es beeindruckend, zu sehen, was Covid für eine Klinik bedeute. „Für viele ist es ein Spiel mit Zahlen, aber in der Klinik geht es um Menschen“, so Winter.

Marco Tobisch

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