Neue Inszenierungen und ältestes Jesuskind der Welt

Mindelheim: Krippenmuseum eröffnet nach Sanierung

+
Ab morgen sind in Mindelheim wieder viele alte Krippen zu sehen. Hier dargestellt: Der Besuch der Königin von Saba bei König Salomon.

Mindelheim – Endlich geht´s wieder los: Im ehemaligen Jesuitenkolleg in Mindelheim ist nach mehrjähriger Bauzeit ein vollkommen neues Krippenmuseum bestückt mit einer großen Fülle an einzigartigen Objekten entstanden. Die Eröffnung ist morgen, 25. Oktober.

Ausgangspunkt ist die zweit­älteste, 1903 gegründete Krippensammlung Bayerns und Baden-Württembergs, die 1989 als Schwäbisches Krippenmuseum ein eigenes Museum erhielt. Zu den Glanzlichtern des neugestalteten Museums gehören das älteste Christkind der Welt, die Mindelheimer Jesuitenkrippe – sozusagen die „Ur-Krippe“ Schwabens, die Krippe der bayerischen Königsfamilie und viele weitere. Angesichts der Ausstrahlung und Pracht der ausgestellten Werke, die auf kleinen und großen „Bühnen“ in Szene gesetzt sind, wird die Schaulust der Besucher geweckt. Zudem wurde jeder Raum des neuen Museums als Hülle für seine Themenbereiche besonders gestaltet und mit eigenen Lichtstimmungen versehen. Die vielen Informationen zur Geschichte, Bedeutung und Symbolik der Krippen werden über Medien- und Mitmachstationen wie auch durch Filme vermittelt. Die Besucher treten auf diese Weise in einen Dialog mit den Exponaten. Eigene Angebote für Kinder geben die Inhalte spielerisch weiter.

Das älteste Jesuskind der Welt.

Das „Millionenbaby“ aus Ulm stammt aus dem 16. Jahrhundert, das älteste Jesukind der Welt aus dem 14. Jahrhundert. Aus einem Kloster in Leutkirch fand es den Weg nach Mindelheim, der Künstler ist nicht bekannt. Locker im Schneidersitz, eine Hand an der Fußsohle, einen Finger im Mund – so bewegt und kindlich dargestellt fällt es völlig aus seiner Zeit. „Denn erst ab dem Jahr 1500 verbreitet sich die Christkind-Verehrung in alle Welt bis nach Lateinamerika. Übrigens stammt die Idee, das Jesus-Kind aus der Krippe herauszulösen und einzeln zu verehren, aus schwäbischen Frauenklöstern“, erzählt Christian Schedler. Aus dieser Zeit stammt das zweite Prunkstück, ein stehendes Jesulein vom spätgotischen Bildschnitzer Michel Erhart aus Ulm. Schedler nennt es liebevoll sein „Millionenbaby“, denn sein Wert liegt deutlich über einer Millionen Euro.

40 figurenreiche Krippen

Von Ton und Papier bis Holz, von klassisch-alt bis abstrakt-modern, von Volkskunst bis zu hoher Kunst: 40 sehr unterschiedliche Krippen sind in ihrer ganzen Vielfalt und Pracht aufgebaut und zu bewundern, als Miniatur-Landschaften professionell ausgeleuchtet wie auf einer Mini-Theaterbühne. Zum Beispiel gibt es eine große Münchner Krippe aus dem Jahr 1910 oder auch die Krippe der Wittelsbacher. Das Adelsgeschlecht hatte seine Figuren im Exil eigenständig hergestellt. Wie das vonstatten ging, hören die Besucher per Knopfdruck, nacherzählt aus persönlichen Aufzeichnungen von Prinzessin Eleonore. In vielen Vitrinen rund herum sind einzelne Figuren und Kleingruppen herausgepickt und in Szene gesetzt, so dass sie richtig lebendig wirken. Ein Zeichentrickfilm eines russischen Künstlers und eine Art Cartoon eines Kölner Künstlers, dazu viel verschiedene Hör- und Mitmach-Stationen sowie Guck-Kästen, die den Besucher durch ihre räumliche Tiefe in den dargestellten Schauplatz hineinziehen.

Vitrinen von der Stange findet man nicht. „Das Museum wurde um die Exponate herumgebaut“, erklärt Friederike Haber. Die Leiterin des Krippenmuseums hat zusammen mit Christian Schedler viel Herzblut, Energie und Recherchen in dieses Projekt gesteckt. Eigens ist die Kunsthistorikerin auf Kirchendachböden herumgekrochen, um dort vergessene und verstaubte Krippenfiguren zu entdecken und sie in ihr Museum zu bringen. Das Schwäbische Krippenmuseum hat in Mindelheim seinen perfekten Platz. Denn hierher kamen vor 400 Jahren die Jesuiten, bauten das Kolleg und entdeckten die Krippe als Medium, um die Geburt Jesu zu verkünden. Von hier aus ging die Begeisterung für Krippen in alle Himmelsrichtungen. Noch immer wird jedes Jahr die älteste und größte Krippe Schwabens im Chorraum der benachbarten Jesuitenkirche aufgestellt, und zwar vom 1. Adventssonntag bis zu Lichtmess am 2. Februar. „Unser Museum ist in spannendem Sinne unübersichtlich. Es macht Spaß, sich darin zu verirren. Wer sich darauf einlässt, verbringt hier gut und gerne zwei Stunden“, meint Schedler. 

Simone Zehnpfennig

Auch interessant

Meistgelesen

Türkheim: Bei den Ritterspielen ging´s richtig zur Sache
Türkheim: Bei den Ritterspielen ging´s richtig zur Sache
Die Mindelheimer Mädle sind die Besten auf der Welt! Jetzt abstimmen und tolle Preise gewinnen!
Die Mindelheimer Mädle sind die Besten auf der Welt! Jetzt abstimmen und tolle Preise gewinnen!
Bad Wörishofer Hoteliers berichten über ihre Sorgen und Nöte
Bad Wörishofer Hoteliers berichten über ihre Sorgen und Nöte
Bad Wörishofen: Wegen Totschlags Angeklagte von weiteren Zeugen belastet
Bad Wörishofen: Wegen Totschlags Angeklagte von weiteren Zeugen belastet

Kommentare