Architektin Beate Kreutzer zu Gast im Mindelheimer Stadtrat

Mindelheim: So sehen die Pläne fürs künftige Holzbaur-Haus aus

Holzbaur-Haus Entwurf
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So sieht der Entwurf des künftigen Holzbaur-Hauses (Südseite, bzw. Frundsbergstraßen-Seite) von Architektin Beate Kreutzer aus. Dieser wurde kürzlich im Stadtrat vorgestellt.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Im Frühjahr war bekannt geworden, dass das Holzbaur-Haus einen neuen Besitzer gefunden hat. Der Käufer „ist gebürtiger Mindelheimer, hat Erwin Holzbaur selbst als Lehrer erlebt und hält sein Andenken aus diesem Grund besonders hoch. Gemeinsam mit seiner Architektin wird er mit größter Sensibilität an diese Sache herangehen“, hatte sich Bürgermeister Dr. Stephan Winter damals überzeugt gezeigt. In der jüngsten Stadtratssitzung durfte sich auch die Öffentlichkeit erstmals ein Bild von den Plänen machen, als Architektin Beate Kreutzer diese vorstellte – und die Stadträte über die Baugenehmigung abstimmen mussten.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte Bürgermeister Winter die Räte im März eingeweiht, dass das Holzbaur-Haus in neuen Händen ist – in „guten Händen“, wie auch die Bürgerinitiative „BiMi“ erklärte, die sich seit letztem Jahr intensiv – unter anderem mit einer Petition – für den Holzbaur-Garten eingesetzt hatte. Bürgermeister Winter erklärte kurz nach dem Verkauf: „Der Verwaltung und den Stadträten war es gerade beim Verkauf dieses sensiblen Objektes besonders wichtig, jemanden zu finden, der sich in denkmalpflegerischer Hinsicht bereits bewährt hat. Uns ist es ein Anliegen, dass das Erbe von Erwin Holzbaur gewahrt wird.“

Angesichts der Brisanz um das Grundstück erklärte nun Architektin Beate Kreutzer bei der jüngsten Vorstellung ihrer Pläne, der Stadtrat „kennt das Projekt ja bereits sehr gut“. Dennoch führte Kreutzer kurz durch die Geschichte des Hauses, die 1811 beginnt. Seinerzeit war es erstmals erlaubt, an die Stadtmauer anzubauen. Zunächst entstand laut Kreutzer an der Innenseite der Mauer das Haus des Tagelöhners Matthias Müller. Wenige Jahre später, 1835, folgte das Nachbarhaus von Gärtner Konrad Seif, das 1843 um ein Glashaus erweitert wurde. Xaver und Sophie Holzbaur, die 1875 nach Mindelheim kamen, errichteten schließlich auf der Südseite des Grundstücks eine Malerwerkstatt.

1889 folgte ein kleiner Durchbruch durch die Stadtmauer, über der Werkstatt konnte in zwei Obergeschossen gewohnt werden. Dazu wurde auch ein Treppenhaus errichtet. Außerdem, so Beate Kreutzer, habe das Haus eine „opulente, neobarocke Fassenbemalung“ erhalten, sodass das Holzbaur-Haus um die Jahrhundertwende ein „charmanter, italienisch anmutender Palazzo“ war.

1906 erbte Franz Xaver Holzbaur das Haus, das in dieser Zeit mit einem neuen Satteldach ausgestattet wurde und in Richtung Westen erweitert wurde. Auch das „schöne Treppenhaus“ stamme aus dieser Zeit, erklärte Kreutzer. Die letzte Veränderung am Haus wurde 1964 durch Erwin Holzbaur vorgenommen – mit einer neuen Fassadenbemalung.

Im Anschluss an die kurze Geschichtsstunde erklärte Beate Kreutzer, wie die Zukunft des weiter als Wohnhaus genutzten Objektes aussehen soll – bei dem die Architektin angetreten sei, um „die Schätze zu heben“, wie sie selbst sagt. Während im Obergeschoss, wo Küche, Schlaf- und Wohnräume zu finden sind, nur „marginale Eingriffe“ geplant sind, gebe es im Untergeschoss Probleme: „Das Kellermauerwerk ist als vollständig durchnässt eingestuft“, so Kreutzer. Dieses trocken zu kriegen, sei nun die Herausforderung.

Mehr Licht im Dach

Mit dem Landesamt für Denkmalschutz abgestimmt habe man sich beim Dach, wo neue Gauben geplant sind. Auf der Nordseite sind zwei kleine Gauben (etwa 1,20 Meter Breite) vorgesehen – auf der Südseite nur eine, die dafür doppelt so breit werden und für mehr Licht sorgen soll. Aus Sicht der Bauverwaltung solle man dahinter schnell einen Haken machen, erklärte deren Leiter Michael Egger, denn die Gestaltung des Gebäudes und des „Straßen- und Ortsbildes“ werde nicht beeinträchtigt.

Was den Bund Naturschutz und die Initiative „BiMi“ besonders freuen dürfte: Den Garten will die Architektin erhalten. „Wir haben kein Interesse, etwas zu versiegeln“, betonte Kreutzer. Und: „Wir wollen keine Autos im Gartengefüge.“ So stimmte der Stadtrat anschließend einstimmig zu, dass die drei Pkw-Stellplätze und vier Fahrradstellplätze, die eigentlich nachgewiesen werden müssen, abgelöst werden. Neben den Gauben und Stellplätzen genehmigten die Räte außerdem die Ausnahme, dass die Mülltonnen und Fahrradabstellplätze außerhalb der Baugrenze (laut Bebauungsplan) errichtet werden dürfen, denn die Abweichung sei städtebaulich vertretbar und Nachbarn würden nicht beeinträchtigt.

An anderer Stelle schoben Bauverwaltung und Stadtrat den Plänen der Architektin aber einen Riegel vor: Sie hatte an der Grundstückszufahrt von Süden (Frundsbergstraße) ein elektronisches Tor vorgesehen. Mit diesem sei aber wohl die „Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht mehr gewährleistet“, gab Egger zu bedenken. Er sieht vor allem das Ausbremsen des Zulieferverkehrs und Beeinträchtigungen an der Stern-Kreuzung als potenzielle Gefahr. Dass „beim Tor Vorsicht geboten“ ist, sahen auch die Stadträte so und lehnten dieses ab.

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