»Die wilde Ehe ist beendet«

Mindelheim: VHS und Stadtbücherei verstärken Zusammenarbeit durch Kooperationsvertrag

+
Leiterin der Volkshochschulen im Landkreis Unterallgäu e.V. Renate Deffner (links) und Bürgermeister Dr. Stephan Winter (/mitte) unterschreiben die Kooperationsvereinbarung zwischen den Volkshochschulen im Landkreis Unterallgäu e.V. und der Stadt Mindelheim, da die Stadtbücherei städtisch ist. Vertreten wird diese durch Leiterin Inge Haggenmüller (rechts).

Mindelheim – „Die wilde Ehe ist beendet und das Ganze mit einem echten Trauschein besiegelt“, sagte Bürgermeister Dr. Stephan Winter gestern Vormittag beim Unterschreiben der Kooperationsvereinbarung in der Stadtbücherei zwischen den Volkshochschulen (VHS) im Landkreis Unterallgäu e.V. und der Stadt Mindelheim. Die „zwei klassischen Bildungseinrichtungen“ konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich, weshalb die Zusammenarbeit zwischen der VHS und der Stadtbücherei künftig noch verstärkt werden soll.

Die VHS Unterallgäu, die es seit 73 Jahren gibt, und die Stadtbücherei haben „mannigfache Berührungspunkte“, so Winter. Die Bücherei betreibt Bildungsarbeit mit Büchern, die VHS mit Kursen – beide haben also das gleiche Klientel.

Früher war das Volkshochschulbüro im gleichen Gebäude wie die Bücherei, heute ist es im schräg gegenüberliegenden Haus zusammen mit der Sing- und Musikschule untergebracht, berichtet Inge Haggenmüller, Leiterin der Stadtbücherei. 2006 schloss die VHS dann einen Bildungspakt mit den Gemeinden, sodass diese sie finanziell und mit Räumlichkeiten unterstützen. Angefangen hat die Bücherei 1848 mit 3.168 Büchern, mittlerweile hat sie ihr Spektrum auf 30.000 Medien, vom klassischen Buch bis zur DVD, erweitert, die letztes Jahr 76.000 Mal – online oder vor Ort – verliehen wurden.

1.600 Veranstaltungen

Geschäftsführerin der Volkshochschulen im Landkreis Unterallgäu Renate Deffner spricht von einer „natürlichen Ergänzung“ zwischen den beiden Einrichtungen. In den zehn Unterallgäuer Standorten wurden letztes Jahr 1.600 Veranstaltungen angeboten, die man aus dem VHS- oder Familienprogramm entnehmen konnte, wodurch rund 10.000 Bürger erreicht wurden. Die Schwerpunkte liegen auf Gesundheit, Berufsberatung, Kultur und Sprache.

Der Bayerische Volkshochschulverband und der Bibliotheksverband haben sich für eine Kooperationsempfehlung, beginnend vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2022, ausgesprochen, um einen „verstärkten Nutzen für die Bürger“ und Orte der Begegnung zu schaffen, so Deffner. Die Bücherei biete dabei den Zugang zu den Informationen und die VHS den Zugang zum Wissen, wobei es auch Überschneidungen gibt. Daher wollen die beiden Einrichtungen einen gemeinsamen Zugang zu „Bildung und Wissen für alle“ ermöglichen.

Gemeinsam wollen sie dafür werben und Angebote bekannter machen. Darüber hinaus werden Teilnehmende der VHS-Kurse für Integration, Alphabetisierung und Orientierung mit dem Angebot der Bibliothek bekannt gemacht. Bereits jetzt schon arbeite man zusammen, so Deffner: Kinder besuchen mit der VHS die Bücherei, damit sie ans Lesen herangeführt werden. Dort gibt es dann Vorlesestunden, oder sie können sich Informationen holen, diese verstehen und kritisch bewerten. Zudem gibt es auch kostenfreie Angebote, damit „jeder dabei sein kann“, sagt die Leiterin der VHS Unterallgäu. In Zukunft wollen sie auch generationsübergreifende (digitale) Spiele ausprobieren.

Bald mit Lerncafé?

Auch eine Art Lerncafé können sie sich vorstellen – einen Ort, um gemeinsam lesen und lernen zu können sowie in Genuss von Kunst, Literatur und Musik zu kommen. Kurse, die die Technik wie beispielsweise die Onleihe oder ein Tablet und E-Book-Reader erklären, sind ebenfalls angedacht.

Im Rahmen der Stadtentwicklung werde Raum für Bildung geschaffen, ergänzt Winter. Dabei werden die drei Einrichtungen – Stadtbücherei, VHS und die Sing- und Musikschule – neu strukturiert. „Die Einrichtungen sind in die Jahre gekommen“, räumt Winter ein. Das Mindelheimer Architekturbüro Holl + Partner habe bereits damit begonnen, dieses Gebiet zu untersuchen, damit man die drei Eckpfeiler „neu sortieren kann“. Momentan schaffe man die Grundlage für Diskussionen, so der Bürgermeister. Öffnungszeiten auch am Samstag wären bürgerfreundlich, weil da die Leute in die Stadt kommen. „Viele Synergieeffekte sind möglich“, sagt Winter und spricht von einer „Zukunftsaufgabe“.

„Hier verdichtet sich Kultur und Lernen“, meint auch Deffner. Diese Einrichtungen – die Musikschule hat allein über 500 Fächerbelegungen – bringen die Leute in die Innenstadt, wenn beispielsweise eine Mutter ihr Kind zur Musikschule bringt und sich währenddessen die Zeit in Cafés, Geschäften oder eben in der Bibliothek vertreibt. „Wir wollen uns bemühen, dass die Menschen in der Stadt bleiben“ und dort verweilen, so Winter. 

Julia Böcken

Auch interessant

Meistgelesen

Achtmal Traumnote am Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasium
MINDELHEIM
Achtmal Traumnote am Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasium
Achtmal Traumnote am Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasium
Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
MINDELHEIM
Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
Raucherpause mit Folgen: Zigarette löst Garagenbrand in Mindelheim aus
Krönungsball der Narrwangia: Pfadfinder auf die Probe gestellt
MINDELHEIM
Krönungsball der Narrwangia: Pfadfinder auf die Probe gestellt
Krönungsball der Narrwangia: Pfadfinder auf die Probe gestellt
Bad Wörishofens Kurdirektorin Petra Nocker stellt Kneipp in China vor
MINDELHEIM
Bad Wörishofens Kurdirektorin Petra Nocker stellt Kneipp in China vor
Bad Wörishofens Kurdirektorin Petra Nocker stellt Kneipp in China vor

Kommentare