Mindelheim verabschiedet den Leiter der Staatlichen Berufsschule

Reinhard Vetter, ein Fachmann für viele Dinge

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Im Talk waren von links: Markus Schmölz (Schülersprecher), Landrat Hans-Joachim Weirather, Staatssekretär Franz Pschierer, Volker Zimmermann (Handwerkskammer), Oliver Heckemann (IHK) , Michael Neumann (Gesamtpersonalrat) und der neue Vizeschulleiter Sven Meyer-Huppmann.

Mindelheim – Mit einem Festakt im Forum Mindelheim ist der langjährige Leiter der staatlichen Berufsschule, Oberstudiendirektor Reinhard Vetter in den Ruhestand verabschiedet und gleichzeitig sein Nachfolger Georg Renner begrüßt worden. Während es für den Mindelheimer Georg Renner ein Zurück zu seinen Wurzeln ist, wurde deutlich, dass Vetter sehr viel mehr war als nur ein Schulleiter.

„Sie, Herr Vetter, sind ein Fachmann für viele Dinge“, resümierte Susanne Reif die Vita des Oberstudiendirektors. Für ihre Ansprache hatte sich die Leiterin des Bereichs Schulen der Regierung von Schwaben - und damit so etwas wie die höchste Vorgesetzte Vetters in Augsburg - mit dem Werdegang des gebürtigen Ottobeurers beschäftigt. Allein die Leitung einer gut gehenden Schule sei eine Herausforderung, so Reif. Doch Leiter der Berufsschule Mindelheim zu sein, mit ihren drei Standorten (neben Mindelheim noch die beiden Außenstellen in Wörishofen und Memmingen), den verschiedenen Schularten wie der namensgebenden, der Technikerschule und den Berufsfachschulen, das sei „eine noch größere Herausforderung“. Mit über 2.400 Schülern in 100 Klassen und 122 Lehrkräften ist Mindelheim eine der größten Berufsschulen im gesamten Regierungsbezirk Schwaben. Dabei müsse jede einzelne Einheit dieses großen Gebildes, die einzelnen Kollegen in den Blick genommen werden. Jede Schule habe eine eigene Kultur, ihre eigene Organisation und natürlich ihre ganz eigenen Schüler.

Daher sei es nicht leicht, eine Einheit zu schaffen, die diese Schule am Laufen erhält, meinte Reif mit Blick auf die Erfahrungen, die der nun scheidende Schulleiter sammeln durfte. „Es gilt, alle im Blick zu halten, Gemeinsamkeiten herzustellen sowie einheitliche Ziele zu formulieren und einen gemeinsamen Geist zu entwickeln. Über alle Standorte und Schularten hinweg“, betonte Susanne Reif. Als Nicht-Pädagoge musste man sich zwangsläufig etwas allein vorkommen im fast vollbesetzten Mindelheimer Stadttheater: Nur in der ersten Reihe saßen - neben dem scheidenden Berufsschulleiter mit seiner Gattin und seinem Nachfolger Georg Renner - „Zivilisten“, die beiden Bürgermeister Stephan Winter (Mindelheim) und Paul Gruschka (Bad Wörishofen), Landrat Hans-Joachim Weirather, Staatssekretär Franz Pschierer, Oliver Heckemann (Bereichsleiter der IHK Schwaben) sowie sein Pendant bei der Handwerkerkammer, Volker Zimmermann und der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates der Berufsschule, Michael Neumann mit Markus Schmölz, seit kurzem Schüler und auch Sprecher der Schülerschaft. Studiendirektor Sven Meyer- Huppmann, der neue Vizeschulleiter an der Seite Renners (nachdem Peter Fischer ebenfalls die Schule verlassen hat; allerdings mit Kurs auf das Ministerium). hatte es als Conférencier übernommen, durch die Amtsübergabe zu führen. Doch welche Richtung hätte die Schule wohl genommen, hätte sich Reinhard Vetter mit seiner ursprünglichen Idee, Koch zu werden, durchgesetzt? Sie wisse nicht, was ihn zum Umdenken bewogen habe, meinte Susanne Reif. Doch statt Koch habe Vetter in Memmingen den Beruf des technischen Zeichners erlernt. Und die Chance ergriffen, zur Hochschulreife zu gelangen, wie Reif herausgefunden hatte. Sodass er in Stuttgart Maschinenbau studieren konnte und zum Referendariat nach Kaufbeuren und Memmingen wieder zurückkam. Wo er, genauer gesagt, an der Johann Bierwirth-Schule, der Staatliche Berufsschule I in Memmingen, sage und schreibe 23 Jahre lang arbeitete. Dort schon begann das Multitalent Vetter, sich in verschiedensten Aufgabenfeldern einzubringen, erinnerte Reif. Vetter war neben der Lehrtätigkeit ebenfalls Referent für CNC- Technik und gab sein Wissen an die Referendare weiter. Damit noch nicht ausgelastet, leitete Reinhard Vetter Meisterkurse an der IHK und schrieb diverse Fachbücher, um 2003 als stellvertretender Schulleiter nach Illertissen zu wechseln. Ehe er 2011 die Leitung der Berufsschule in Mindelheim übernahm. Wo das Herz des Pädagogen wieder stärker schlagen durfte und sich Vetter noch stärker in der Ausbildung engagierte, unter anderem für Schüler ohne Ausbildungsplatz und für die Integration von nicht deutschen Jugendlichen. Mittlerweile sind es mehr als 900 Flüchtlinge, um die sich die Berufsschule kümmert. So sei, summierte Susanne Reif auf, Vetter ein Fachmann für viele Dinge: Pädagoge, Schulleiter und dazu noch Baustellenleiter. Denn in die Amtszeit Vetters fiel nicht nur der Neubau der Technikerschule, sondern auch die Generalsanierung der Berufsschulen in Mindelheim und Memmingen. Schließlich sei Vetter ein Visionär, der in diesen sechs Jahren Schulleitung viele Ideen auf den Weg gebracht habe. Und immer wieder habe die Schule Schlagzeilen gemacht, rief Reif in Erinnerung, etwa mit den Energieeffizienzkursen (wofür Reinhard Vetter seinerzeit sogar den Preis der Allianzstiftung erhielt). 

Back to the Roots mit Georg Renner 

Mit Georg Renner, leitete Reif dann auf Vetters Nachfolger über, komme man zurück zu den Wurzeln. Denn Georg Renner war bereits in Bad Wörishofen an der Berufsschule und übernimmt nun nach Gastspielen in Nieder- und Oberbayern den Staffelstab. Sein Tatendrang und seine Neugierde würden ihm bei einer neuen Herausforderung dienlich sein, befand Reif, aber auch seine Erfahrung. Vor allem das Thema Digitalisierung werde die Schule auch in Zukunft in Beschlag nehmen. Dabei geht es auch um neue Arbeitsfelder und die Herausforderung: die Verzahnung von technischem und kaufmännischen Bereich. Das gehe Hand in Hand, wobei Renner an Otto von Bismarck dachte, der gesagt haben soll: „Politik ist die Kunst des Möglichen.“ Man darf also gespannt sein, was unter Georg Renner möglich sein wird. 

von Oliver Sommer

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