Stadt zieht Resümee zum Einbahnstraßen-Versuch im Sommer: 

Mindelheim: Wird die Maximilianstraße dauerhaft zur Einbahnstraße?

Die Stadt prüft nun, ob die Maximilianstraße künftig dauerhaft zur Einbahnstraße werden könnte. Bevor der Stadtrat im neuen Jahr dazu berät, sollen auch die Einzelhändler angehört werden.
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Die Stadt prüft nun, ob die Maximilianstraße künftig dauerhaft zur Einbahnstraße werden könnte. Bevor der Stadtrat im neuen Jahr dazu berät, sollen auch die Einzelhändler angehört werden.
  • Marco Tobisch
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Mindelheim – Im Sommer hat die Stadt den Versuch gewagt, die Obere Maximilianstraße zur Einbahnstraße zu erklären – allerdings nur an den Wochenenden, nach Schließung der Geschäfte. Nun berichtete Bürgermeister Dr. Stephan Winter im Stadtrat von überwiegend positiven Rückmeldungen, die es daraufhin gegeben habe. Viele Bürger würden sich sogar wünschen, die Regelung auszudehnen. Die Stadtverwaltung prüft nun, ob die Einbahnregelung nicht nur in den Sommermonaten, sondern künftig das ganze Jahr über lukrativ wäre.

Mit leichter Verzögerung war der Versuch am Wochenende des 12./13. Juni angelaufen. Zuvor hatte die Stadt versucht, Lieferdiensten und dem seinerzeit durch „Click&Meet“ ohnehin belasteten Einzelhandel keine zusätzlichen Steine in den Weg zu legen. Der Start der Einbahnregelung verlief dann etwas holprig: So musste ein Bauhof-Mitarbeiter zu einem Feuerwehreinsatz ausrücken und schaffte es nicht mehr pünktlich, die Schilder aufzustellen. Ein anderes Mal vergaß ein Kollege, die Übergangsbeschilderung am Samstag um 16 Uhr freizugeben.

Als sich Routine einstellte, war es dann insbesondere die Gastronomie am Oberen Tor, die von der Einbahnregelung profitierte. Hier habe laut Winter „ganz klar“ eine Belebung stattgefunden. Die weiteren Gastronomen hätten sich derweil „eher neutral geäußert“; ob die neue Verkehrsregelung ihren Umsatz beeinflusste, vermochten sie laut Winter nicht zu sagen. Was aber alle lobten: Den „Sommer in der Stadt“, der für 75 Straßenkonzerte bzw. Kulturveranstaltungen in der Altstadt sorgte.

Den Bürgern hat´s gefallen

Bei den Bürgern sei die dazugewonnene Fläche zum Flanieren und Kaffeetrinken ebenfalls gut angekommen, resümierte der Rathauschef weiter. Was manchen sauer aufstieß: Dass sich offenbar nicht alle Autofahrer an die geänderten Verkehrsregeln hielten – wobei die Stadt nur für die Kontrolle der Parker bzw. allenfalls für die Geschwindigkeitsüberwachung zuständig ist und die Beschwerden zu Falsch­fahrern deshalb an die Polizei weiterreichte. Diese habe letztlich aber keine Verstöße festgestellt, sagte Winter.

Was aus den Gesprächen mit den Bürgern laut Winter ebenfalls hängenblieb, ist deren Wunsch, weitere Einschränkungen für den motorisierten Verkehr vorzunehmen. Der Bürgermeister schlug deshalb vor, die Verkehrsregeln innerhalb einer Woche künftig nicht mehr zu wechseln. „Die Leute verstehen es einfach nicht“ – vor allem an Schlecht-Wetter-Wochenenden, wo der Belebungseffekt für die Altstadt kaum sichtbar sei. Und: Seiner Meinung nach hätten sich auswärtige Besucher mit der Einbahnregelung am Wochenende sogar noch leichter getan als Einheimische – Josef Doll (Grüne) hatte derweil genau das Gegenteil beobachtet.

Jedenfalls: Winter könnte sich nun vorstellen, die Einbahnregelung auch zur Dauereinrichtung zu machen. Vorteile hätte das aus seiner Sicht für Gastronomie und Bauhof, die dann nicht ständigen Ab- und Aufbaumaßnahmen ausgesetzt wären. Zudem hätte die Stadt mehr Planungssicherheit und könnte die gewonnenen Flächen unter Umständen auch in den „Sommer in der Stadt“ oder das Weihnachtsmarkt-Angebot einbinden. Und auch Kosten würde die dauerhafte Einrichtung einer Einbahnstraße (im Vergleich zum Versuch) sparen: Wie der Rathaus­chef vorrechnete, habe die temporäre Regelung gut 12.700 Euro gekostet, davon je rund 5.000 Euro für Personal und Material, die restlichen 2.000 Euro für Maschinen und Geräte.

Natürlich, und das betonte Winter, müsste man die Umsetzung einer dauerhaften Einbahnregelung „nochmal mit den Gewerbetreibenden ­gegenchecken“. Mit ihnen und auch den Gastronomen will der Rathauschef nun das Gespräch suchen. Dass das besonders wichtig sei, betonte auch Stefan Drexel (Freie Wähler). Anschließend könne man eine fundierte Entscheidung über die künftige Regelung treffen, so Drexel. Bei einer Umsetzung sei dann auch über eine Erhöhung der Parktarife an Wochenenden nachzudenken, um das Parken weniger attraktiv zu machen, so Winter. Josef Doll regte Kurzparkplätze auf der Südseite der Maximilianstraße an.

Gewachsenes Bedürfnis

In der anschließenden Aussprache dankte Christoph Walter (CSU) der Mindelheimer Bevölkerung dafür, dass sie sich auf den Versuch eingelassen habe. „Das Bedürfnis, die Stadt erlebbar zu machen, ist gewachsen.“ Die dazu gewonnene Attraktivität in der Altstadt sprachen auch Roland Ahne (SPD) und Ursula Kiefersauer (MBG) an. Kiefersauer lobte, dass die Einbahnregelung in einem Prozess entstanden sei und sie diesen nun auf einem guten Weg sehe.

Ihr Fraktionskollege Dr. Manfred Schuster ging sogar noch einen Schritt weiter und regte an, die Maximilianstraße künftig nicht nur in den Sommermonaten, sondern das ganze Jahr über zur Einbahnstraße zu erklären. Dem schloss sich auch Peter Miller (ÖDP) an, der forderte, man müsse das Einfahren in die Maximilianstraße zwar weiter erlauben, dürfe es aber nicht allzu attraktiv gestalten. Er würde die Einbahnregelung sogar vom Oberen bis zum Unteren Tor durchziehen.

Ein Konzept für eine dauerhafte Einbahnregelung in der Maximilianstraße soll die Stadtverwaltung in den nächsten Wochen erarbeiten. Dazu erteilte der Stadtrat bei nur einer Gegenstimme (Thomas Burtscher, Grüne) den Auftrag.

Unfair für den Handel?

Wenngleich also keine voreilige Entscheidung für eine dauerhafte Regeländerung getroffen wurde, kritisierte Manfred Salger (CSU) dennoch die Vorgehensweise. Der Grund: Der Einzelhandel dürfe sich nun zwar äußern, habe aber keinerlei Erfahrungswerte sammeln können – und könne deshalb bei einer Meinungsabfrage durch den Bürgermeister praktisch „nur ins Blaue schießen“. Eine Testphase für den Handel halte er für wichtig. Fakt ist aber auch, dass der MN-Werbekreis im Frühjahr – stellvertretend für den Einzelhandel – die Einkaufszeiten in der Altstadt von der temporären Einbahnregelung (Samstag 16 Uhr bis Sonntag 21 Uhr) bewusst ausgeklammert sehen wollte und die Chance auf die Testphase somit verwirkte.

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