Eventuell soll dort eine öffentliche Toilette entstehen

Mindelheimer Bahnhof wird nicht saniert

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„Bei gutem Wetter sieht der Bahnhof weniger schlimm aus“, sagte Michael Egger.

Mindelheim – Die SPD-Stadtratsfraktion ist mit ihren Forderungen, das Bahnhofsgebäude und den Bahnhofsvorplatz zu sanieren, bei den anderen Stadträten in ihrer Sitzung auf Granit gestoßen. Die Sanierung und der damit verbundene Erwerb des Bahnhofes von der Deutschen Bahn ist damit erst einmal vom Tisch. Nun will die Stadt aber überprüfen, ob die Errichtung einer öffentlichen Toilette im Bahnhof möglich ist.

Das Thema Bahnhof beschäftigt die Stadt Mindelheim schon seit mehreren Jahren. Bereits 2006 wurde ein Büro damit beauftragt, den Bahnhof nach seiner Wirtschaftlichkeit zu untersuchen und zu überprüfen, ob eine Sanierung überhaupt machbar wäre. Zwei Varianten für die Nutzung des Gebäudes standen zur Auswahl. Bei der Variante eins würde es im Obergeschoss Arztpraxen geben. Im Erdgeschoss würden Bistros, Shops und eine Apotheke entstehen. Bei der Variante zwei würde sich nicht so viel verändern. Die bestehende Gaststätte würde bleiben, es würde kein Ärztehaus geben. Im Obergeschoss würden Wohnungen zur Vermietung angeboten werden. Diese Variante wäre kostengünstiger, da keine hohen Umbaukosten anfallen würden und die Sanierung nicht zu aufwendig sei. Doch die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung liege im Grenzbereich, wie es von Bürgermeister Dr. Stephan Winter heißt. „Der Bahnhof allein ist völlig unwirtschaftlich. Die wirtschaftliche Entwicklung draußen am Bahnhof ist sehr schwierig.“

Dieser Meinung ist auch Alfred Beilhack von den Freien Wählern: „Mit dem Kauf des Bahnhofes ist es nicht getan. Man braucht Projektentwickler, damit es wirtschaftlich funktioniert. Der Standort ist zu klein, um Firmen reinzubringen, die dort überleben. Man soll lieber die Finger davon lassen.“ Das Gebäude gehört der Deutschen Bahn, die aber nicht bereit sei, darin zu investieren. „Sie sind nur interessiert, dass der Betrieb am Laufen gehalten wird“, so Beilhack.

Doch für Mehmet Yesil (SPD) ist der Bahnhof „das Eingangsportal nach Mindelheim“. Derzeit sei der Bahnhof in einem „sehr schlechten und unansehnlichen Zustand“, beschrieb er. Die SPD meint, dass Mindelheim „eine bessere Eintrittskarte für Bahnfahrer verdient“ und will die Sanierung des Bahnhofes „selbst in die Hand nehmen“, wie es von Yesil hieß. Er könne sich gut eine Mobilitätszentrale vorstellen, in der man neben dem Bahnverkehr auch Dienstleistungen wie den Flexibus, eine Mitfahrzentrale, Carsharing oder ein Fahrradverleih anbieten könnte. In Memmingen oder Bad Wörishofen seien die Bahnhöfe bereits saniert worden. „Wer nicht handelt, kann auch nicht gewinnen“, sagte Yesil.

Doch sein Anliegen kam nicht bei allen gut an. Christoph Walter (CSU) machte deutlich, dass er gegen einen Erwerb des Bahnhofsgebäudes ist: „Die Sanierung ist Aufgabe der Bahn. Die Stadt soll nicht alles sanieren, nur weil die Bürger sagen, wir wollen ein neues Freibad oder ein neues Parkhaus. Wir dürfen nicht der Bevölkerung suggerieren, wir hätten ein goldenes Fass. Das ist grundsätzlich falsch.“

Für Roland Ahne (SPD) sei der Bahnhof aber ein „Schandfleck“. „Wir schieben das Thema seit 2004 vor uns her und dürfen es nicht in die Schublade verschwinden lassen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Bürgern und müssen das Thema anpacken.“

Auch der Bahnhofsvorplatz müsste in diesem Zuge erneuert werden. „Wir bräuchten mehr Parkplätze neben dem Busbahnhof. Dafür müssten wir das Grundstück daneben erwerben“, erklärte Michael Egger von der Bauverwaltung. Auch Winter ist der Meinung, dass man das Bahnhofsgebäude und den Bahnhofsvorplatz nicht separat betrachten dürfe. „Der Vorplatz muss mobilisiert werden. Die verstreuten Bushaltestellen würden bei einem neuen Busbahnhof wegfallen. Es ist nicht nur schwierig, den richtigen Bus zu suchen, sondern auch noch die richtige Haltestelle zu finden.“ Winter ist für eine bessere Verknüpfung von Schiene und Straße.

Ein besonderes Anliegen von ihm ist die Installation einer öffentlichen Toilette. „Die bräuchten wir unbedingt“, so Winter. „Doch die Bahn wird das nicht errichten. Dafür erreicht Mindelheim die Größenordnung nicht.“ So müsse die Stadt aktiv werden. Das Nichtstun der Deutschen Bahn bezüglich der Sanierung und Gestaltung des Bahnhofes kritisierten einige Stadtratsmitglieder, die die Gewissheit haben, dass die Bahn sich nicht um das Gebäude kümmern wird.

Peter Miller (ÖDP) machte auf die fehlenden Anzeigen auf dem Bahnsteig aufmerksam. Man habe keine Angaben, wann der Zug kommt. „Wenn es mal anders läuft als normal, bricht schnell das Chaos aus“, sagte Miller. Auch die Unterführung sei sanierungsbedürftig, denn von der Decke tropfe Wasser herunter.

Josef Doll von den Grünen ist es wichtig, dass mehr auf die Sauberkeit der Wege zum Bahnhof hin geachtet wird: „Wir müssen mehr Geld ins Bahnhofsumfeld investieren.“

Das Bahnhofsareal hat also viele Baustellen. Winter will durch einen Forderungskatalog Druck auf die Bahn ausüben, damit sie die Mängel „Schritt für Schritt“ angehen kann.

 Julia Böcken

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