Mindelheimer Bauausschuss informiert über geplante Nutzungsänderung des Klosters, in dessen 2. OG das Gesundheitsamt einziehen soll

Maria-Ward-Kloster: Gesunde Nutzung, kranke Parksituation

Das Maria-Ward-Kloster wurde letztes Jahr von der Wohnbaugesellschaft Mindelheim eG gekauft, die nun einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt hat.
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Das Maria-Ward-Kloster wurde letztes Jahr von der Wohnbaugesellschaft Mindelheim eG gekauft, die nun einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt hat.
  • Melanie Springer-Restle
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Mindelheim – Vor noch einem Jahr haben sich die Mindelheimer Räte für das Maria-Ward-Kloster nichts mehr gewünscht als eine sinnvolle Nutzung – idealerweise in Zusammenarbeit mit einem Bauherrn aus der Region. Jetzt wäre beides gegeben. Aber die Räte zierten sich zunächst wegen eines altbekannten Problems.

Die erste Stadtratssitzung im neuen Jahr führte der Umwelt-, Verkehrs- und Bauausschuss durch und gleich beim ersten Tagesordnungspunkt kam ein großes Thema auf den Tisch. Groß im doppeldeutigen Sinn, denn es ging um die Zukunft des Maria-Ward-Klosters, dessen Räumlichkeiten entsprechend auslandend sind. Nachdem die Schwestern von Congregatio Jesu erfolglos versucht hatten, das 300 Jahre alte Gebäude samt 6545 Quadratmetern Grund zu vermarkten, hat es die Wohnungsbaugenossenschaft Mindelheim (WoGe) letztes Jahr gekauft. Die WoGe ist in puncto Immobilienvermarktung kein unbeschriebenes Blatt, denn sie hat bereits mehrere Gebäude saniert und sich um erfolgreiche Nutzungskonzepte gekümmert. Mindelheims Erster Bürgermeister Dr. Stephan Winter und seine Räte waren daher froh, einen regionalen Partner für die Entwicklung des historischen Gebäudes an ihrer Seite zu wissen. Die WoGe hat in der Zwischenzeit ihre Hausaufgaben erledigt und sich in Abstimmung mit dem Denkmalamt Gedanken über eine sinnvolle Nutzung gemacht. „Wir haben keinen Strich gezeichnet, ohne diesen vorher mit der Denkmalbehörde abzuklären“, wirft Geschäftsführer Franz Anwander ein, der der Sitzung als Zuschauer beisitzt. Nun hat die WoGe einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt. Die ehemaligen Räumlichkeiten des Internats im 2. OG sollen künftig vom Gesundheitsamt genutzt werden. Im Bestand des Gebäudes würde sich so gut wie nichts ändern. Es sollen zunächst nur eine neue Treppenlage und ein vorgesetztes Foyer im Innenhof errichtet werden, das vom EG bis ins 2. OG reicht.

Als Stadtbaumeister Michael Egger die Pläne präsentierte, gab es zunächst keine Einwände. Die diversen Räumlichkeiten, die ein Gesundheitsamt benötigt, schienen eingängig und auch das neu geplante Treppenhaus und Foyer gaben keinen Grund zur Beanstandung. Kritik kam erst, als es um die Parkplatzsituation ging. Der auf der Nutzung basierten Berechnung zufolge werden 28 Kfz-Stellplätze sowie 44 Fahrradparkplätze benötigt. 18 Stellplätze sind bereits vorhanden. Die fehlenden zehn müssten von der Stadt abgelöst werden. Der Ablösebetrag beläuft sich auf 50.000 Euro, wovon seitens der Stadt ein Zuschuss von 25.000 Euro käme. Der Antrag auf eine Stellplatzablöse sowie einen Zuschussbetrag wurden bereits mit der Eingabeplanung gestellt. Egger erklärte, dass aufgrund der individuellen Nutzung durch das Gesundheitsamt bei der Parkplatzberechnung ein Abschlag produziert wurde. So sah man für das Wartezimmer beispielsweise nur zwei statt vier Parkplätze vor, da die Frequenz des Personenverkehrs nicht vergleichbar mit einer Arztpraxis sei. Egger hatte kaum ausgesprochen, da gingen schon die Hände nach oben. Durch die Ablöse nähme man der Stadt ganze zehn Parkplätze weg, die de facto gar nicht vorhanden seien, war der erste Einwand. Egger verwies auf die individuelle Nutzung des Gesundheitsamtes als Behörde, die von weitaus weniger Klienten besucht werde als Arztpraxen oder Läden.

Rat Manfred Salger legte den Finger in die Wunde: „Dass Stellplätze fehlen, war zu erwarten. Ich sage das Wort jetzt nicht: Tiefgarage“, rutschte es ihm doch heraus und er fuhr fort: „Wenn die Plätze jetzt schon nicht ausreichen, sehe ich große Probleme für das Areal.“

Dr. Stephan Winter betonte, dass die momentane Lösung sicher keine Endlösung sei. Aber man könne nicht vom Bauwerber verlangen, dass er eine habe. Josef Doll schloss sich Salger an: „Besser, man hätte jetzt ein Konzept, wie man mit der künftigen Parkplatzsituation umgeht. Es kann nicht sein, dass es immer nur Zuschüsse gibt, aber sich an der Anzahl der Parkplätze de facto nichts ändert.“ Mehmet Yesil warf die Frage in den Raum, ob man bei einem externen Investor auch so entgegenkommend gewesen wäre. Für ihn sei es nicht geradlinig, wenn ein kleiner Bauherr einen Antrag auf Zuschüsse stelle, der abgelehnt werde und jetzt einfach zehn Parkplätz vergeben werden. „Ich gehe da sicher nicht mit“, sagte er. Egger erinnerte daran, dass es bei der Nutzung nicht um den Bauherrn gehe, sondern um die Stadt Mindelheim. Winter stellte klar, dass es sich bei den Parkplätzen um ein Entgegenkommen aus fachlichen Überlegungen handle und nicht um Gefälligkeiten.

Peter Miller begrüßte die Nutzung durch das Gesundheitsamt, sprach sich aber erneut dafür aus, den Verkehr aus der Stadt zu bringen und appellierte für mehr Fahrradverkehr. Es sehe oft junge Leute mit dem Auto fahren, die kräftemäßig auch Radfahren könnten. Viele Leute seien schlicht zu faul, mit dem Rad zu fahren. Miller sprach sich für eine Parkplatzlösung außerhalb der Innenstadt aus. Es sei zumutbar, auch ein paar Meter zu Fuß zu laufen. Das Gesundheitsamt könne dazu auch einen Hinweis auf deren Webseite bringen. „Du kannst die Leute nicht zwingen, mit dem Rad zu fahren“, konterte Dietmar Wagner und gab zu bedenken, dass es unrealistisch sei, dass Mütter mit kleinen Kindern oder ältere Menschen kilometerweit mit dem Rad fuhren.

Irgendwann wurde es dem Stadtvorsteher zu bunt: „Wir dürfen nicht der Inkonsequenz verfallen, Dinge, die wir letztes Jahr zugesagt haben, jetzt doch wieder anders zu bewerten“, sagte Winter und versuchte seine abtrünnigen Räte wieder auf den Boden zu holen. Das Gebäude solle erhalten bleiben, der Klostergarten auch und die Nutzung solle der Stadt dienen. All das wäre jetzt gegeben. Außerdem sei gut ein Drittel der geforderten Parkplätze vorhanden. Als Egger darauf hinwies, dass es dem Gesundheitsamt mit dem Umzug pressiere, sahen die Räte folglich ein, dass sie einen Tod sterben müssen. Bis auf zwei (Yesil und Wagner)stimmten alle der Nutzungsänderung samt Parkplatzablöse zu.

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