Zum 40-jährigen Jubiläum:

Mindelheimer Förderkreis Städtepartnerschaft will Jugend für Europa begeistern

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Bürgermeister Dr. Stephan Winter (rechts) und Förderkreis-Vorsitzende Birgit Fröhlich (links) ernannten ­Paola Baldhocchi (2. v. rechts) und Fritz Mack (2. v. links) zu Ehrenmitgliedern (je 40 Jahre).

Mindelheim – Wie können wir die Jugend für Europa begeistern? Diese und viele andere Fragen bewegen die Mitglieder des Förderkreises Städtepartnerschaft Mindelheim. Die Vorsitzende Birgit Fröhlich blickte bei der 40. Jahresversammlung auf 2018 aber auch auf die Anfänge des Förderkreises zurück, ehrte die Gründungsmitglieder und erinnerte an deren Grundidee: Brücken zu bauen – zwischen Menschen und Nationen.

Birgit Fröhlichs Visitenkarte sticht ins Auge. Neben ihren Kontaktdaten ist der „blaue Planet“ abgebildet – die Erde, gemeinsame Heimat aller Menschen. Für Fröhlich steht der Globus symbolisch für die Idee „Förderkreis Städtepartnerschaft Mindelheim“ – wenngleich sich die Aufgaben des Förderkreises auf Europa und Mindelheims Partnerstädte beschränken. „Menschen unterschiedlicher Nationen zu verbinden, statt sie zu trennen. Dafür einzutreten, dass sie sich besser kennen- und verstehen lernen, statt sich zu misstrauen oder gar anzufeinden“, so fasste Paola Baldocchi, Ehrenmitglied des am 5. April 1979 gegründeten Förderkreises, diese Idee zusammen. Worte, die überall auf der Welt berühren dürften – über Europas Grenzen hinaus: „Die Arbeit des Förderkreises ist so wichtig. Bitte weiter so“, appellierte sie in ihrer Dankesrede. Fröhlich ehrte Baldocchi und andere Zeitzeugen der ersten Stunden. Als Dolmetscherin hatte sich Baldocchi einst zu Verfügung gestellt. Seither setzt sie sich mit ungebrochener Leidenschaft für die Grundidee der Städtepartnerschaft ein – wie so viele andere Mitglieder auch.

Stadt unterstützt

Fröhlich ehrte zudem die Gründungsmitglieder Dagmar Wittmann und Fritz Mack. Nicht nur den Geehrten und Mitgliedern galt ihr herzlicher Dank, auch der Stadt Mindelheim und ihren Bürgermeistern. „Wir haben Glück, dass unsere Bürgermeister hinter dieser Idee stehen – seit nunmehr 40 Jahren“, sagte Fröhlich, bereits seit 2001 Vorsitzende. Mindelheims Dr. Stephan Winter gratulierte dem Förderkreis zum „40. Geburtstag“, wertschätzte und würdigte dessen Arbeit, bedankte sich für das Engagement bei den Mitgliedern und beglückwünschte die Geehrten. In seiner Rede betonte auch er, wie wichtig es sei, am europäischen Gedanken festzuhalten. Dr. Winter blickte auf die Städtepartnerschaftsaktivitäten 2018 zurück – „das aktivste Jahr der letzten Jahre, was Austausch betrifft“. „Partnerschaften sind was wirklich Spannendes“, so das Resümee Winters.

Der Schüler- und Jugendaustausch steht unverändert ganz oben auf der Agenda. Fröhlich unterstrich dies mit folgendem Beispiel: „Der Schüleraustausch der Grundschulen Schwaz und Mindelheim findet seit nunmehr 20 Jahren ununterbrochen statt.“ Sie blickte zurück auf den Austausch im Juni 2018. Rund 30 Schüler, sowie ihre Lehrkräfte und der Schulleiter Peter Arnold der Hans-Sachs-Volksschule aus Schwaz, verbrachten eine Woche ihrer Pfingstferien in Mindelheim, berichtete Fröhlich. „Total cool“ sei Mindelheim, so zitierte sie die Aussage der Schwazer Kinder, die im Gegenzug die Mindelheimer Grundschüler nach Schwaz eingeladen hatten. Auch 2019 werden diese Schüleraustausche wieder stattfinden.

Wie schon in den Jahren 1993, 2000 und 2009 hatte Mindelheims Partnergemeinde Tramin zu den Spielen „Jugend in Europa“ eingeladen. „Die Jugendlichen maßen ihre Geschicklichkeit bei fünf lustigen Spielen in einem fairen Wettkampf und ihre Europakenntnisse in einem Quiz“, so Fröhlich.

Beim Förderkreis freut man sich schon jetzt auf die Highlights 2019: Im Juli finden die „Jugend ohne Grenzen“-Spiele 2019 in Mindelheim statt. Für die Gäste aus den teilnehmenden Partnerstädten suche man Unterkünfte und sei dankbar für jeden Quartiergeber.

Im September steht die Inforeise nach East Grinstead an. 45 Plätze gibt es, wovon 37 bereits vergeben sind.

Der Förderkreis habe in 2018 auch einige andere partnerschaftliche Schul- und Austauschprogramme unterstützt. Im April habe der Schüleraustausch des Maristenkollegs Mindelheim mit dem Collège St. Jean/Foch in L‘Aigle, und im Juni der Gegenbesuch der französischen Schüler stattgefunden, sagte Fröhlich bei ihrem Vortrag. Schüler, Fachschaft und Organisatoren – alle Beteiligten wären dem Förderkreis für dessen ideelle und finanzielle Unterstützung sehr dankbar gewesen, betonte Fröhlich.

Zuschüsse

Dank sprach Fröhlich der Stadt Mindelheim für deren Engagement und finanzielle Unterstützung aus. Neben den vielfältigen und kostenträchtigen eigenen Veranstaltungen im Rahmen der Städtepartnerschaft, übernähme die Stadt zudem von interessierten Vereinen und Organisationen je ein Drittel der Fahrtkosten, wenn diese einen Austausch oder Treffen organisieren. Auch der Antrag auf Zuschuss zur Reise nach East Grinstead sei bereits genehmigt, was erfreulich sei. Dennoch sei man natürlich unverändert auf Spenden angewiesen, betonte Fröhlich. 2018 endete sogar leider mit einem kleinen Minusbetrag in der Kasse.

Auch freue man sich über alle neuen Mitgliedsanträge. Aktuell verzeichnet der Förderkreis 115 Mitglieder. Nicht nur Mitglieder, sondern auch Interessierte waren bei der Jahresversammlung willkommen – noch am selben Abend trat das 116. Mitglied bei.

„Erfolgsmodell“ der BfA und Kolping Akademie Mindelheim – MobiPro-EU hilft Jugendlichen. Weiteres Thema war die Städtepartnerschaft Mindelheim/Sant Feliu de Guíxols. Das Sonderprogramm des Bundes zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa (MobiPro-EU)“ unterstütze seit Januar 2013 junge EU-Bürger bei der Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland. Mit dem Ausbildungsbeginn 2015 wäre das Pilotvorhaben nach insgesamt drei Ausbildungsjahrgängen in die Phase der Ergebnissicherung überführt worden, erklärte Fröhlich. Acht junge Spanier standen letztes Jahr vor ihren Prüfungen im Hotel und Gaststättengewerbe, fünf davon haben ihre Prüfungen bestanden, drei konnten die Prüfung erneut ablegen. Damit wäre das vor fünf Jahren geborene Projekt nun abgeschlossen. „Bisher unterstützte die EU das Projekt mit Fördermitteln, die nun aber auslaufen. Trotz des hohen Aufwandes gibt es nun leider keine Fortsetzung – die Mittel fließen künftig in andere internationale soziale Projekte. Umso erfreulicher sei es jedoch, dass alle acht Spanier weiterhin hierbleiben und in ihrem erlernten Beruf arbeiten wollen“, so Fröhlich. Bürgermeister Dr. Winter schloss sich in seiner Rede Fröhlichs Bedauern an: „Schade, dass das einschlafen musste, weil EU-Fördergelder gestrichen wurden.“ Dieses Projekt führte auch die Partnerschaft mit Sant Feliu de Guíxols zu neuem Elan. Der Kontakt nach Katalonien sei wieder intensiver, hieß es seitens Fröhlichs.

Weitere Themen des Abends waren der offizielle Freundschaftsvertrag zwischen Mindelheim und Sansepolcro – die Spandiatori, die Fahnenschwinger Sansepolcros, und die Mindelheimer Fahnenschwinger, besiegelten ihre seit 1976 bestehende Freundschaft urkundlich. Mit dem „Erasmus-Projekt“ – dem Förderprogramm der Europäischen Union – will der Frundsberg Festring junge Menschen fördern und ans Brauchtum ranführen. Beteiligt sind auch Vereine aus Italien (Sansepolcro), Belgien (Vise), Spanien (Torrijos) und der Frundsberg Festring.

Der Förderkreis konnte nicht nur am zweiten Festwochenende die offiziellen Delegationen aus den Partnerstädten East Grinstead, Bourg-de-Péage, Sant Feliu de Guíxols, Verbania, Schwaz und Tramin begrüßen, sondern am ersten Festwochenende auch private Reisegruppen, mit je einem kompletten Bus aus Bourg-de-Péage und Schwaz, sowie einige private Gäste aus East Grinstead.

Delegationen aus den Partnerstädten Bourg-de-Péage, Sant Feliu de Guíxols, East Grinstead und Mindelheim trafen sich 2018 auf Einladung des Partnerschaftsvereins aus Verbania. Die Vorsitzende, Journalistin Christiana Bonfanti, will den Gedanken der europäischen Partnerschaft neu beleben und vor allem die Jugend wieder dafür begeistern.

Thorsten Oliver Rehm

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