Breitband, Koedukation und Klimaschutz:

Mindelheim blickt auf 2018: In vielerlei Hinsicht modernisiert

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Auch heuer hat das Frundsbergfest wieder Besucher von Nah und Fern in die 2018 fertiggestellte Maximilianstraße nach Mindelheim gelockt und die Tourismuszahlen kräftig angekurbelt.

Mindelheim – Die Wirtschaft boomt, die sanierte Innenstadt gefällt den allermeisten Bürgern und auch immer mehr Touristen zieht es nach Mindelheim. „2018 war ein gutes Jahr“, resümierte Bürgermeister Dr. Stephan Winter deshalb am Montag bei der Jahresschluss-Sitzung im Silvestersaal. Er durfte gleich mehrere positive Rekordzahlen vermelden.

Sinnbildlich für die diesjährige Entwicklung der Stadt stand wohl auch der eindrucksvolle Auftritt von Waleska Sieczkowska, die gemeinsam mit Ottmar Einsiedler (Klavier) die „Rumänischen Volkstänze“ von Béla Bartók mit viel Hingebung vortrug. Passend war der Auftritt der Geigenlehrerin von der Städtischen Musikschule unter anderem wegen der Vielfalt in ihrem Musikstück – denn ebenso viel Vielfalt hatte unmittelbar zuvor in seiner Ansprache Dr. Winter für die Stadt Mindelheim aufgezeigt, die sich heuer in mehreren Bereichen weiter verbesserte. Im Anschluss an das Stück kommentierte der Bürgermeister, Sieczkowskas Darbietung sei ein ausdrücklicher „Wunsch des Ausschusses“ gewesen, schließlich hätten die Mitglieder noch nie ein Stück der Neu-Mindelheimerin gehört. Und wie Dr. Winter diese Passage schloss, sei mit der Anstellung der Brasilianerin an der Musikschule eine „weise Entscheidung“ getroffen worden.

Gemeinsamer Strang

Dabei gab es 2018 freilich schwerere Entscheidungen als diese, bei denen die Stadträte Farbe bekennen mussten. In 15 öffentlichen und 14 nichtöffentlichen Ratssitzungen sowie in den Ausschüssen wurden heuer 241 Beschlüsse gefasst – 213 davon einstimmig. Von einem konstruktiven Miteinander in Mindelheims führendem Gremium berichteten alle drei Bürgermeister. „Aufeinander hören, miteinander die beste Lösung suchen und diese auch vertreten“, das sah Dritter Bürgermeister Roland Ahne als den Schlüssel des Erfolgs an. „Wenn Bürgermeister und Stadtrat gut zusammenarbeiten, kommt Gutes heraus“, so Ahne weiter. Und Zweiter Bürgermeister Hans Georg Wawra erinnerte daran, dass zwar jedes der drei Stadt-Oberhäupter einer anderen politischen Gruppierung angehöre, die Sitzungen im Gegensatz zu anderen Städten aber immer von „sachlicher Diskussion“ anstatt „persönlicher Angriffe“ geprägt seien.

Das Stimmungshoch dürfte aber auch mit den guten Finanzen eng verknüpft sein. „Der Kämmerer freut sich“, betonte Dr. Winter, bevor er die wichtigsten Zahlen zur Sprache brachte. Besonders die Einnahmen sind erfreulich, denn Rekorde gab´s sowohl bei der Gewerbesteuer (19,6 Millionen Euro) als auch bei der Einkommensteuerbeteiligung (8,7 Millionen Euro). „Das ist Ausdruck einer sehr, sehr guten Konjunktur“, meinte Dr. Winter. So war es heuer möglich, 1,4 Millionen Euro zu tilgen. Ansonsten machen auf der Ausgabenseite die Kreisumlage (9,3 Millionen Euro) und die Personalausgaben (9,0 Millionen Euro) den größten Anteil aus. Die Schulden gehen zum Ende des Jahres auf voraussichtlich 7,8 Millionen Euro zurück, die Rücklagen betragen 7,2 Millionen Euro.

Die drei Bürgermeister (v. rechts) Dr. Stephan Winter, Hans Georg Wawra und Roland Ahne zogen heuer ein überaus positives Jahresfazit.

Nicht ganz so rosig erwartet Dr. Winter das Jahr 2019. Die Ausgaben werden insbesondere durch die Erhöhung der Kreis­umlage (plus 1,2 Millionen Euro) insgesamt ansteigen, denn auch bei den Betriebskosten sei keine Senkung zu erwarten: „Nix wird billiger, alles teurer“, schätzt der Rathauschef. Da sei es gut, dass kostenträchtige Investitionsmaßnahmen wie beispielsweise der Neubau von Kindertagesstätten, die Sanierung der Grundschule oder die Umsiedlung des Bauhofes zum Teil schon finanziert seien. „Wir sollten nicht allzu viel Fantasie darauf verwenden, uns neue Projekte auszudenken“, so Dr. Winter. Und auch die Weltpolitik wirke sich immer wieder unmittelbar auf die Konjunktur vor Ort aus – als konkrete Beispiele nannte Dr. Winter hier Donald Trump sowie den Brexit.

Was derweil unverändert bleibt, ist die „gute Infrastruktur“ und Lage der Stadt. Dank des enormen Zuzugs durfte der Bürgermeister heuer erstmals die durchbrochene 15.000er-Marke verkünden. 15.611 Menschen leben aktuell in Mindelheim und damit rund 650 mehr als noch im Vorjahr.

Chinesen auf Rang Drei

Beliebt ist die Stadt auch bei Touristen. Großen Anteil daran haben wohl auch die „ganz besonderen Führungen“ von Ehrenbürgerin Olli Hirle, die sich heuer nach 25 Jahren als Stadtführerin zur verdienten Ruhe gesetzt hat. Mehr als 200 Reisegruppen und über 4.000 Touristen nahmen 2018 an einer Stadtführung teil – mehr als in den beiden Vorjahren, wobei sämtliche Frundsbergfest-Jahre der jüngsten Vergangenheit die beiden jeweiligen Vorjahre stets übertrumpft hatten. Was diesmal aber neu ist: Unter den 24.000 Touristen stellen die Chinesen die drittstärkste Fraktion und verdrängen die Italiener vom Bronzerang. Mehr Gäste kamen nur aus der Schweiz und der Niederlande nach Mindelheim. Was dabei neben neuen Bekanntschaften und Erinnerungsfotos für die Stadt bleibt: 6,6 Millionen Euro, die die Touristen in der Stadt ausgaben.

Auch die Jahreshighlights aus dem Bereich Bildung und Kultur griff Dr. Winter in seinem umfangreichen Bericht auf. Absoluter Meilenstein für viele der 4.135 Mindelheimer Schüler: Die Koedukation, dank derer seit dem laufenden Schuljahr plötzlich auch Jungs an der Maria-Ward-Realschule und Mädels an der Realschule des Maristenkollegs willkommen sind. „Wer hätte das jemals gedacht“, meinte Dr. Winter und sprach damit wohl auch die Gedanken vieler Räte und Bürger aus. Investitionen hat die Stadt unter anderem für neue Räume an der Maria-Ward-Realschule und fürs neue Berufsschul-Internat am Champagnatplatz geleistet.

Das Kulturamt verzeichnete in diesem Jahr 238 Veranstaltungen, darunter das „Aushängeschild“ des Mondlicht Open Airs, das laut Dr. Winter rund 7.650 Besucher anlockte. Ebenfalls zu den besten Events des Jahres zählte der Bürgermeister die Altstadtnacht, die 28 Verkaufsstände beim Weihnachtsmarkt und das Stadtfest, mit dem im Mai die Fertigstellung der Maximilianstraße gefeiert wurde. „Die Straße ist wirklich attraktiv geworden“, befand Roland Ahne in seiner Ansprache.

Vermutlich schon zu viele eigene Veranstaltungen hatten Stadt und Frundsberg Festring für das Frundsbergfest 2018 abgehalten. Im Jahresrückblick fand die Veranstaltung, die im Juni und Juli stattgefunden hatte, nur wenig Erwähnung. Vor rund zwei Monaten hatte Dr. Winter den Frundsberg Festring auf dessen Jahreshauptversammlung aber bereits für „ein besonders harmonisches Frundsbergfest“ gelobt.

Während die Zuschauerzahlen bei der diesjährigen Ausgabe des historischen Festes um 13 Prozent zurückgingen – womöglich wegen der gestiegenen Ticketpreise – entpuppte sich eine andere kulturelle Anlaufstelle schon jetzt zum Besuchermagneten: Das Krippenmuseum, das erst Ende Oktober wieder eröffnet hatte, zählte in den ersten Wochen bereits stolze 4.000 Einlässe.

Neben dem Museum wurde noch eine Reihe weiterer Bauvorhaben bzw. Sanierungen fertiggestellt, darunter das Feuerwehrhaus, die Ortsdurchfahrt Mindelau oder der Breitbandausbau (der Wochen KURIER berichtete mehrfach).

Auszeichnung für Klimaschutz

Große Fortschritte hat Mindelheim, darauf legte besonders Roland Ahne in seiner Rede das Augenmerk, beim Thema Klimaschutz erzielt. Inzwischen bietet die Stadt Energieberatungen für Unternehmen und verwendet seit diesem Jahr in der Stadtverwaltung statt herkömmlichem Papier Öko- bzw. Recyclingpapier. Damit, so Ahne, stelle die Stadt „die Weichen für die Zukunft.“ Gewürdigt wurde das Engagement für den Klimaschutz in diesem Jahr übrigens mit dem European Energy Award.

Ausdrücklich in Dr. Winters Grußworten berücksichtigt wurden beim Jahresabschluss neben anwesenden, ehemaligen Stadträten auch die kürzlich ausgezeichneten Träger des goldenen Ehrenrings, Dr. Hermann Haisch und Karlheinz Drexel sowie Dr. Manfred Schmid. Letzterer ist seit diesem Jahr nach Olli Hirle zweiter Ehrenbürger der Stadt Mindelheim. 

Marco Tobisch

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