Flüchten, verstecken, alarmieren

Mindelheimer Polizei stellt neues Sicherheitskonzept vor

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Die Polizeiinspektion Mindelheim stellte am Montag das neue Sicherheitskonzept vor.

Mindelheim – Aufgrund der jüngsten Ereignisse europaweit und der immer noch aktuellen Terrorgefahr entstand ein neues Sicherheitskonzept für Mindelheim zum Schutz der Besucher des Frundsbergfestes. Erster Polizeihauptkommissar und Dienstleiter der Polizeiinspektion Mindelheim, Gerhard Zielbauer, klärte die Stadträte am vergangenen Montag auf.

Für die Stadt Mindelheim gab es natürlich bereits ein Sicherheitskonzept – jedoch war zuletzt ein spezifischeres nötig, das sich auch mit Ereignissen der letzten drei Jahre befasste – wie etwa die Terroranschläge in Paris, erläuterte Dr. Stephan Winter. Die Gefahr steige auch in Bayern immer mehr und da dürfe man die Augen nicht verschließen.

Man müsse eine „lebensbedrohliche Einsatzlage“ immer „von außen nach innen“ betrachten. Bei dem Amoklauf im OEZ in München, habe man ebenfalls erst die Stadt, dann die unmittelbare Umgebung des OEZ und schließlich erst das Einkaufszentrum selbst gesichert, erklärte Zielbauer. Täter, Tatort und Tathandlung können variieren, doch die Vorgehensweise bleibe in den meisten Fällen die gleiche.

Das Frundsbergfest sei bisher ein friedliches Familienfest gewesen, bei dem noch keiner an einen Terrorschlag dachte. Man dürfe sich hier jedoch nicht fragen, ob ein Terrorschlag passiert, sondern vielmehr wann und wo. Erst, wenn man alle Möglichkeiten abgewägt hat, könne man ein Sicherheitskonzept entwickeln, so der Polizeihauptkommissar. Die Organisation, die Verantwortlichen, Besucher, Sanitäter und man selbst, müssen in so einem Moment schnell und richtig reagieren. Einem sollte immer bewusst sein, dass ein Anschlag eine größtmögliche Verunsicherung erzielen möchte und man kein Szenario ausschließen darf — alles ist immer und überall möglich. Amokläufer, Terroristen oder Attentäter möchten auch eine große Anzahl von Einsatzkräften treffen, um mehr Panik auszulösen, denn Panik könne seitens der Opfer schnell zu unüberlegtem Handeln führen, erklärte Zielbauer. So könnten noch weitere Anschläge folgen – wie damals in Paris 2015. Ebenfalls nicht fördernd, jedoch unvermeidbar in solch einer Situation sind Falschmeldungen, Informationsdefizite oder der Ausbruch von Chaos.

Die bayerische Leitlinie der Polizei sieht in einer „lebensbedrohlichen Einsatzlage“, dass man ohne jeden vermeidbaren Zeitverzug die Situation entschärfen muss, um weitere Opfer zu verhindern und dies mit der Inkaufnahme sein eigenes Leben zu gefährden.

Aufteilung in 3 Zonen

In dem Sicherheitskonzept wird eine Stadt oder ein Tatort in drei Zonen aufgeteilt. Der direkte Tatort ist die heiße Zone, die meist ungesichert ist. Die nähere Umgebung ist die sogenannte warme und damit teilgesicherte Zone. Und die weitere Umgebung wird kalte Zone genannt und ist meistens gesichert. In diesen drei Zonen müsse man jeweils unterschiedlich handeln, klärte der Polizeibeamte auf. In der kalten Zone müsse man weiter weg vom Tatort flüchten und versuchen, von außen zu helfen und zu warnen. In der warmen Zone solle man sich verstecken und unauffällig bleiben. In der heißen und gefährlichsten Zone muss der Plan sein, die Polizei zu alarmieren und möglichst ruhig zu bleiben.

Auch der Veranstaltungsort wird in mehrere Felder aufgeteilt, damit nicht ortskundige Polizeibeamte oder Feuerwehrmänner schneller und besser zurecht kommen im Fall der Fälle.

Das Frundsbergfest wird in acht Felder unterteilt sein. Sollte in einem Feld etwas explodieren, würde man dieses Feld räumen und als ungesichert erklären und wieder von außen nach innen arbeiten. Die Polizei muss neben dem Sichern auch ständig im Kontakt mit der Öffentlichkeit stehen. Bei einem großen Fest wie dem Frundsbergfest sind auch Besucher aus dem Ausland zugegen – das bedeutet, dass man regionale bis internationale Medien informieren muss. Aber auch die Feuerwehr, Ersthelfer und weitere Involvierte müssen für den Ernstfall vorbereitetet sein und schließlich auch immer auf dem neuesten Stand sein. Im Vorfeld müsse man deshalb auch Anlaufstellen und Bereitstellungsorte festlegen, um die Situation schneller entschärfen zu können und weitere Opfer zu verhindern.

Das Ziel der Polizei sei natürlich die bestmögliche Vorbereitung auf den Ernstfall und deshalb habe man das Sicherheitskonzept optimiert und vorbereitet. Zielbauer hofft derweil, dass das Frundbergfest weiterhin das friedliche Familienfest bleibt, das es immer war. Bürgermeister Winter betonte, dass man nicht Angst und Schrecken verbreiten möchte, sondern zeigen will, dass man die aktuelle weltweite Situation ernst nehme und für den Ernstfall vorbereitet sei.

Antonela Kelava

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