Kapelle muss auch künftig ausreichen

Mindelheimer Stadtrat diskutiert Platzproblem bei Trauerfeiern in Friedhofskapelle

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Bei großen Trauerfeiern in der Friedhofskapelle war nicht immer ausreichend Platz für die Trauergesellschaft. Einen Neubau für Aussegnungen wird es aber künftig dennoch nicht geben.

Mindelheim – Wie wichtig es ist, von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen, stellte erst vor wenigen Tagen wieder die Trauerfeier für Altlandrat Dr. Hermann Haisch unter Beweis. Auch zeigte sie, dass es außergewöhnlicher Planung bedarf, wenn die Trauergesellschaft besonders groß ist. An Grenzen stößt man bisweilen auch bei Aussegnungen am Mindelheimer Friedhof, denn weder die Leichenhalle noch die Friedhofskapelle lassen Abschiede im größeren Rahmen zu. Dem Wunsch mehrerer Katholiken, eine größere Aussegnungshalle zu bauen, musste der Stadtrat nun eine Absage erteilen. Dafür soll die Leichenhalle, die sich „in keinem würdigen Zustand“ mehr befinde, wie Fritz Birkle (CSU) sagte, 2021 saniert werden.

Zunächst aber zum Platzproblem bei Aussegnungen: Dieses ist längst bekannt, weshalb schon in den 90er Jahren die Überlegung im Raum stand, eine Halle zu bauen. Freie Flächen um die Kirchen bzw. im Bereich des Friedhofs sind aber begrenzt – daher verständigte man sich mit der Kirche darauf, Trauerfeiern im größeren Rahmen in der Friedhofskapelle abzuhalten. Dass die rund 70 Quadratmeter dort in mindestens 80 Prozent der Fälle ausreichen, bestätigte auf Nachfrage von Bürgermeister Dr. Stephan Winter der Leiter der Friedhofsverwaltung, Martin Dannhart. Er warnte auch vor dem Trugschluss, dass die Kapelle bei einer Feier überfüllt wirke, nur weil ein paar Leute vor der Tür warten. „Manche wollen halt nicht rein“, klärte Dannhart auf.

Trotzdem beschäftigte sich die Verwaltung zuletzt akribisch mit verschiedenen Optionen, wie man Trauerfeiern künftig auch im größeren Rahmen abhalten könnte – wobei insbesondere die Vergrößerung der Kapelle und der Leichenhalle ins Auge gefasst wurden, wie Birgit Starke-Fleer vom städtischen Bauamt erklärte. Dass diese aber beide kaum realisierbar seien, sei zunächst mal historischer Natur: Zusammen mit dem Landesamt für Denkmalschutz und der Denkmalbehörde am Landrats­amt habe man sich die Gebäude und den Friedhof genau angeschaut. „Aber es ist schwierig, hier etwas zu ändern“, so Starke-Fleer.

Bürgermeister Dr. Winter ergänzte, dass die räumliche Ausdehnung des Friedhofes zwar begrenzt ist, was aber durchaus auch ein Vorteil sei – nämlich schaffe das auch gleichzeitig Nähe zu beiden Kirchen. Und tatsächlich gebe es das Platzproblem lediglich bei einem Bruchteil der Trauerfeiern, nicht aber bei Begräbnissen. Denn der Trend gehe ohnehin zum Urnenbegräbnis, wodurch es noch einige „Lücken würdig zu füllen“ gebe, bevor man an eine Erweiterung des Friedhofes denken müsse.

Inzwischen verwurzelt

Apropos Urnen-Wände: Diese zu verschieben, um einem neuen Leichenhaus Platz zu machen, sieht Starke-Fleer als einzige Option für künftig größere Trauerfeiern. Bei der Wand, die 2005 gebaut wurde, müssten 288 Urnen umplatziert werden, bei der neuen Wand im Osten hin zur Brunnemairstraße wären 92 Verstorbene betroffen. Die Krux für die Planer: Die Angehörigen müssten der Verschiebung der Wand zustimmen. Auch Kämmerer Wolfgang Heimpel sieht einen Standortwechsel der Wände unter anderem deshalb kritisch: „Viele Leute sind hier verwurzelt“ – was auch Dannhart bestätigt: „Viele Leute kommen jeden Tag auf die Minute pünktlich und reden mit ihren Verstorbenen.“

Und auch die Kosten seien ein Faktor, sagt Heimpel. Denn laut Schätzungen der Stadt kostet der Neubau einer Leichenhalle mit 170 Quadratmetern Fläche rund 900.000 Euro – und das ohne die Kalkulation architektonischer Besonderheiten oder Erschwernisse beim Bau, sagt Winter. Und nicht uninteressant für alle Bürger: Die Kosten des Neubaus müssten auf die Friedhofsgebühr umgelegt werden. Diese würde dann „ganz, ganz deutlich nach oben gehen. Vielleicht gibt das mehr Ärger, als dass man manchen Beerdigungen etwas Gutes tut“, so Heimpel.

Als „nicht sehr sozial“ bezeichnete deshalb auch Dr. Manfred Schuster die drohende Kostenerhöhung. Denn wer seine Trauerfeier lieber im kleinen Kreis abhalte, „trägt für Großbeerdigungen die Kosten mit“, so Schuster. Während auch Ursula Kiefersauer (CSU) die Kostenumlage „für nicht tragbar“ hält, empfahl Stefan Drexel (Freie Wähler), den Friedhof zu belassen, wie er ist.

Sanierung 2021

Die bestehende Leichenhalle aber einer Sanierung zu unterziehen, sei dringend notwendig, meinte Fritz Birkle. „Der Putz fällt ab, die Farbe blättert ab.“ Auch die Stadtverwaltung hat den Zustand der Halle schon auf dem Schirm: Starke-Fleer erklärte, schon nächstes Jahr wolle man die Kostenplanung und die Ausschreibung für eine Sanierung durchführen, 2021 sollen die Arbeiten beginnen. Die Sanierung der Leichenhalle voranzutreiben, befanden die Stadträte schließlich einstimmig für gut.

Inzwischen gibt es am Friedhof auch drei neue Fahrradabstellmöglichkeiten, die Ulrich Manlig (SPD) initiiert hatte. Damit soll „das wilde Parken“, wie Starke-Fleer sagt, ab sofort ein Ende haben.

Marco Tobisch

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