Kulturfabrik präsentiert beste Vorschläge für Telefonzelle

Mindelheim: Zur Geschichtsstunde ins britische Telefonhäuschen?

Telefonzelle Mindelheim
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Teilweise kuriose Ideen haben Mindelheimer bei der Kulturfabrik für die Zukunft dieser Telefonzelle geäußert. Die Liste der Ideen soll nun auch Bürgermeister Winter unterbreitet werden.
  • Jessica Socher
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Mindelheim – Die rote Telefonzelle in der Innenstadt Mindelheims ist seit 2010 funktionslos. Die Kulturfabrik hat zuletzt Vorschläge gesammelt, wie das britische Mini-Häuschen künftig sinnvoll genutzt werden könnte (der Wochen KURIER berichtete). Die Vorschläge hat die Kulturfabrik kürzlich ausgewertet und in einer Top10-Liste präsentiert.

Die Telefonzelle steht vor dem Rathaus und war vor 35 Jahren ein Geschenk der Partnerstadt East Grinstead. Anfangs konnte dort noch telefoniert werden, doch seit 2010, als das Telefon ausgebaut wurde, ist das Häuschen funktionslos. Die Kulturfabrik suchte in den vergangenen Tagen nun nach Ideen, wie die Telefonzelle wieder genutzt werden könnte. Vorstand Markus Putz teilte dazu mit: „Wir werden alle Ideen gesammelt unserem Bürgermeister zukommen lassen und sind gespannt, wie es mit der roten Telefonzelle weitergeht.“

Umbaukosten und Realisierungsmöglichkeiten sollten bei der Ideensammlung zunächst keine Rolle spielen. Insgesamt wurden in den Sozialen Medien und per Mail 23 Ideen zusammengetragen und bewertet, wobei laut Kulturfabrik folgende den größten Anklang fanden:

• Platz 1: Mindelheimer „Anekdoten- und Geschichtsbox“: Man wirft Geld in einen Automaten ein und bekommt von Mindelheimer Stimmen als Audio oder Video kurze Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse erzählt, die mit der Stadtgeschichte und verschiedenen Orten in der Stadt verknüpft sind.

Genauso häufig wurde die Idee genannt, die Telefonzelle zu einem „Touri-Telefon“ umzubauen: Über die Wahl von verschiedenen Nummern sollen Ansagen angehört oder Darstellungen auf einem Monitor angesehen werden – wie beispielsweise Informationen zur Mindelburg, ein Veranstaltungskalender, persönliche Geschichten von Mindelheimern und Öffnungszeiten von Läden und Gastronomie.

• Platz 2: Offene „Tauschzelle“: Hier können, so die Idee, Bücher oder andere kleine Gegenstände abgegeben und gleichzeitig neuer Lesestoff oder andere Tauschobjekte abgeholt werden.

Platz 3: Fotoautomat: Mithilfe von lustigen Fotomontagen und vor eingeblendeten Hintergrundmotiven aus der Stadt – wie etwa von Mindelburg, Frundsbergfest oder Rathaus – können Porträtfotos geschossen werden. Die Bilder könnten dann in den sozialen Medien hochgeladen oder ausgedruckt werden. Bei einer Standortangabe hätte auch die Stadt einen Werbenutzen.

• Platz 4: Öffentliche Toilette: Ob dieser Vorschlag tatsächlich ernst gemeint war? Bei dem Verwendungszweck als öffentliche Toilette soll die Zelle offenbar so verspiegelt werden, dass man hinaussehen kann, während man auf der Toilette sitzt, aber gleichzeitig niemand hineinsehen kann und die Privatsphäre somit gewahrt bleibt.

Platz 5: Kleine Kunstausstellung: Unterallgäuer Künstler könnten in der Telefonzelle kleine Werke ausstellen und auf sich aufmerksam machen. Womöglich könnte es hier auch einen kleinen Verkaufsautomat mit Lautsprechern für die Musik von Künstlern aus dem Umkreis geben.

Ähnlich gut bewertet wurde laut Kulturfabrik eine „Lob- und Freudezelle“: Durch das Drücken auf einen Knopf erzählt eine Stimme einen Spruch, ein Lob oder einen Witz. Alternativ werden sie von einem Automaten ausgedruckt, wobei so auch ein kleines Kunstwerk zum Mitnehmen möglich wäre. Die Inten­tion dahinter soll sein, dass es den Nutzer glücklich macht oder zum Lachen bringt.

• Platz 6: „Warm- oder Kühlzelle“: Statt einem Telefon soll hier eine Klimaanlage eingebaut werden. So könnte ein Ort geschaffen werden, um sich an heißen oder kalten Tagen abzukühlen bzw. aufzuwärmen. Alternativ wurde auch eine „Ruhezelle“ zum Durchatmen in hektischen Zeiten vorgeschlagen.

• Platz 7: Bierzapfanlage mit Münzeinwurf: Dabei wäre ein Getränkeautomat in Zusammenarbeit mit einer lokalen Brauerei vorgesehen.

Platz 8: Ein „Kolla-Board“: Hinter diesem Begriff versteckt sich ein Austausch von Hilfsleistungen, etwa Reifen wechseln im Tausch gegen Rasen mähen. Wichtig: Die Hilfsbereitschaft steht im Vordergrund, es darf dabei kein Geld fließen.

Platz 9: Eine „Musikzelle“: Die Mindelheimer Innenstadt soll kulturell weiter belebt werden, dafür setzt sich die Kulturfabrik ein. Für spontanes Musikmachen könnten auch in der Telefonzelle Instrumente zur Verfügung stehen. Und auch die Musik von lokalen Musikern könnte hier zum Anhören angeboten werden.

Platz 10: Eine Telefonzelle: Auch die Rückkehr zu den Wurzeln wurde bei der Ideensammlung der Kulturfabrik angeregt. Für diesen Vorschlag gab es genau so viele Befürworter wie für den Betrieb eines „Sorgentelefons“ oder einer „Kreativbox“, in der jeder, der vorbeikommt, Anregungen, kreative Ideen oder Wünsche anonym einwerfen kann.

Auch die Idee eines Aquariums schaffte es auf den geteilten zehnten Rang: Hier könnten Fische eine neue Heimat finden und von Passanten bewundert werden. Und schließlich schaffte es auch eine „Pflanz- und Saattausch-Zelle“ beziehungsweise das Mini-Gewächshaus auf den letzten Platz des Top-10-Rankings.

js/wk

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