Vortrag am 17. September im Forum

Mindelheims 5G-Bürgerinitiative: »Besorgniserregende Studien werden ignoriert«

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Mit der Plakataktion möchte die Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ die Bürger über die möglichen gesundheitlichen Folgen des neuen Mobilfunkstandards aufklären und gleichzeitig auf den Vortrag am 17. September hinweisen.

Mindelheim – Sie will die Bürger über mögliche gesundheitliche Konsequenzen aufklären und aktiv werden: Deswegen veranstaltet die Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ auch am 17. September im Forum einen Vortrag zum Thema „Mobilfunk und 5G – völlig unbedenklich?“. Denn die Langzeitfolgen einer 5G-Strahlung seien nicht erforscht, sagt Susanne Streitel, eines der Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative. Dabei wisse man, dass Mobilfunk allein schon gesundheitsschädlich ist und das Gesundheitsrisiko durch einen flächendeckenden 5G-Ausbau erhöht werde. Schon mehrmals diskutierte der Stadtrat darüber, doch ihm sind letzten Endes die Hände gebunden und auch das Gremium kann eine Aufrüstung zu 5G nicht verhindern. Mit Plakaten, die in Mindelheim aushängen, will die Bürgerinitiative auf dieses Dilemma aber auch auf den Vortrag hinweisen.

Die Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ ist noch so jung, dass sie erst am 1. Oktober eine Gründungsversammlung abhält. Doch bereits jetzt wird sie aktiv. Sie will mit Kommunalpolitikern ins Gespräch kommen, sich mehr mit anderen interessensgleichen Bürgerinitiativen vernetzen, ein Bewusstsein für diese Technik schaffen und darüber eine Diskussion in der Gesellschaft lostreten. Denn einen echten Nutzen erkennen die Initiatoren (Brigitta und Harald Müller-Auerbacher, Susanne Streitel, Sonja Twachtmann, Silke Lotterbach, Klaus Havenith, Robert Keller und Franziska Leder) bei 5G nicht. Durch die fünfte Generation der Mobilfunktechnik, daher der Name, können Datenmengen 1.000 Mal schneller übertragen werden als bisher, was etwa beim Streamen eines Videos vorteilhaft ist. Doch muss man deswegen im gesamten Stadtgebiet die Möglichkeit haben, ein Video verzögerungsfrei, also in Echtzeit, ansehen zu können? „4G ist fürs Handy ausreichend“, meint Streitel. „Das Nutzen von 5G leuchtet mir nicht ein.“ Sie sehe darin keinen wirklichen Fortschritt.

Zu wenig erforscht

Welche Auswirkungen die Mikrowellen von 5G auf den Menschen haben, wurde noch nicht erforscht. „Man installiert das einfach“, sagt Streitel. „Es ist unwahrscheinlich, dass es nicht schädlich ist. Die Mobilfunk-Studien sind besorgniserregend, aber die Diagnosen werden einfach ignoriert. Die WHO hat den Mobilfunk bereits als krebserregend eingestuft“ und trotzdem werde dagegen nichts unternommen, moniert Streitel. „Eine Stufe höher und der Mobilfunk wäre mit Glyphosat gleichgestellt.“

Für die Installation von 5G wird ein Grenzwert herangezogen. Bleibt die Strahlenbelastung unter diesem Wert, gilt ein Ausbau als unbedenklich. Doch wie wird ein solcher Grenzwert festgemacht? Streitel erklärt: „Erhöht sich die Körpertemperatur bei einer 30-minütigen Bestrahlung nicht über ein Grad, treten nach dem Urteil des privaten Vereins ICNIRP keine gesundheitlichen Schädigungen auf.“ Erst wenn die Strahlung mehr als zwei Watt pro Kilogramm Körpergewicht erreicht, könnte es gefährlich werden. Sie betont, dass Mitglieder dieses privaten Vereins eine besondere Nähe zu Mobilfunkanbietern hätten und sie somit ihre eigenen Interessen vertreten würden. Das habe sie zumindest bei ihren Recherchen herausgefunden. Der Verein ICNIRP (Internationale Kommission zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung) berät das Bundesamt für Strahlen bei seinen Entscheidungen. In Deutschland sei der Grenzwert laut Streitel um einiges höher angesetzt als in anderen europäischen Ländern. „Es werden jedoch weder Langzeitwirkungen noch andere Gesundheitsschädigungen außer die Erwärmung berücksichtigt.“ Dabei gebe es durchaus neben thermischen Wirkungen auch nicht thermische Wirkungen, die nicht untersucht werden. Streitel nennt hier den oxidativen Zellstress, bei dem über mehrere Jahre hinweg zu viele freie Radikale im Körper den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen können, was unter Umständen Krebs hervorrufen kann. Aber auch Kopfschmerzen und Schlafstörungen könnten Symp­tome sein.

Ständig bestrahlt?

Da 5G in kurzen Wellen strahlt, brauche man mehr Sendeanlagen, erklärt die Mindelheimerin. Die kleinen Zellen, die die Wellen weiterleiten, könnten überall verbaut sein: in Straßenlaternen, Ampeln oder in öffentlichen Gebäuden. So wäre man ständig dieser Strahlung ausgesetzt. Diese Funkzellen sollen alle 100 Meter installiert werden, sodass die Frequenz so hoch ist, dass die Mikrowellen bis in die Wohnung durchdringen. Doch nicht nur von außen gelangen Strahlen in die eigenen vier Wände, durch Smart Home habe mittlerweile selbst der Kühlschrank einen Chip, sagt Streitel. Aber bei Glasfaser zum Beispiel könne sie wenigstens selbst entscheiden, ob sie der Strahlung ausgesetzt werden möchte. Das WLAN am Router könne man ja ausschalten.

Sie befürchtet aber nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern auch eine Überwachung, denn würde man die Funkzähler auswerten, könne jeder nachverfolgen, wer sich gerade wo befindet. Das käme einer „lückenlosen Überwachung“ gleich. „Wir wollen aber eine lebenswerte Umwelt für unsere Kinder.“ Streitel betont, dass die Initiatoren dennoch keine Handygegner seien. Ihr Ziel sei es, die Strahlen zu minimieren, „wo immer es geht“. Susanne Streitel führte bereits ein Gespräch mit Bürgermeister Dr. Stephan Winter. „Er war sehr aufgeschlossen“, berichtet sie. Doch sie weiß auch, dass die Stadt nur begrenzte Möglichkeiten habe, in dieser Richtung zu intervenieren. Immerhin, so Streitel, wolle die Stadt Mindelheim jede Anfrage von Mobilfunkanbietern im Stadtrat diskutieren. Winter unterstütze zudem die Bürgerinitiative und übernehme die Hälfte der Kosten des großen Saals im Forum, damit dort genügend Interessenten Platz haben, um sich den Vortrag von Dr. Ing. Hans Schmidt, Sprecher der Bürgerinitiative Wolfratshausen zum Schutz vor Elektrosmog e.V., am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr anzuhören. 70 Bürger haben mit der Einhaltung des Mindestabstandes dort Platz. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber erwünscht. Thematisiert wird der Mobilfunk und 5G sowie seine gesundheitlichen Folgen. Nach dem Vortrag wird sich eine Diskussion darüber anschließen.

Die Bürgerinitiative will aber auch an Schulen über die Folgen von 5G aufklären. Sie verteilt Flugblätter und hängt Plakate auf, um die Bürger für das Thema zu sensibilisieren. Zudem versendet sie einen Newsletter (aufklaerung5Gmindelheim@online.de) an alle Interessenten und will mit Politikern im Gespräch bleiben. 

Julia Böcken

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