Der Ettringer spricht über die schwere Coronazeit und Pläne für den Sommer

Musiker Adi Hauke: „Es kribbelt in den Fingern“

Adi Hauke Cigar Box Guitar“
+
Mit seiner „Cigar Box Guitar“, benannt nach der Zigarrenkiste, will Adi Hauke im kommenden Sommer endlich wieder vor Live-Publikum auftreten.
  • Jessica Socher
    vonJessica Socher
    schließen

Ettringen – Am Freitag hat Musiker Adi Hauke seinen neuen Song „Halleluja das wird geil“ als One-Man-Band-Version herausgebracht. Wie es ihm während der Corona-Pandemie ergeht und was er derzeit am meisten vermisst, hat er dem Wochen KURIER im Gespräch erzählt.

Seine Inspiration hat der Voll­blutmusiker auch in der Corona­zeit nicht verloren: Gerade erst am vergangenen Freitag stellte Adi Hauke seinen Song „Halleluja das wird geil“ als sogenannte One-Man-Band-Version vor. In dieser Version spielt er alleine Gitarre, Schlagzeug und singt dazu. „Es war ein toller Zeitvertreib“, sagt der Ettringer. „Ich bin auf andere Gedanken gekommen und war so konzentriert, dass ich von der Pandemie nicht mehr so viel mitbekommen habe.“ Doch das war nicht sein einziges Projekt in den letzten Monaten, denn erst im vergangenen Oktober brachte er zusammen mit Friedel Geratsch das Album „Lustige Zeiten“ heraus. Geratsch ist ehemaliger Sänger der Band „Geier Sturzflug“ (unter anderem bekannt für das Lied „Bruttosozialprodukt“ von 1983). „Es war ein Privileg für mich, mit ihm zusammenzuarbeiten“, sagt Hauke stolz.

Durch die Pandemie hat sich im beruflichen Leben des 34-Jährigen viel verändert: Da die vielen Auftritte plötzlich ausblieben, ist Haukes neue Haupteinnahmequelle der Musikunterricht – und das auch in Homeschooling-Form: Seit letztem Frühjahr unterrichtet der Musiker über Skype, WhatsApp und Facebook – sogar über das Telefon. „Ich muss nur hinhören, die Finger brauch ich gar nicht sehen“, erklärt er. Ab einem gewissen Level funktioniere der Einzelunterricht über das Internet oder Telefon ohne Probleme, vor allem Anfänger aber bräuchten einen Lehrer, der ihnen gegenüber sitzt, so der Musiker. Solche Stunden können derzeit nicht angeboten werden. Doch in den Wochen zwischen den Lockdowns durfte er zeitweise sogar wieder vor Ort unterrichten – mit Abstand und Maske.

Corona-Auswirkungen deutlich zu spüren

Trotz allem war Haukes Kalender „nie so leer wie zur Zeit“. Die Menschen trauen sich nicht, sich bei ihm zu melden und Termine zu buchen. „Die Leute sollen keine Angst haben“, sagt er. „Wer einen Musiker sucht, dem wird bei mir geholfen.“ Verträge seien übrigens nicht verpflichtend, falls Termine aufgrund von politischen Entscheidungen nicht stattfinden können.

In Haukes Kasse ist Corona längst spürbar: Aufgrund der sehr eingeschränkten Möglichkeiten, seiner Leidenschaft nachzugehen, gehe es ihm finanziell „nicht sonderlich gut“, aber „am Hungertuch nagen“ müsse er nicht. Der Künstler hofft, dass es bald für alle wieder besser wird.

Adi Hauke

Und die Lust beim jungen Ettringer ist groß: „Es kribbelt in den Fingern.“ Deshalb veranstaltete er seit März vorherigen Jahres verschiedene Livestreams. Mit viel Vorbereitung und Planung klappte das sehr gut, sogar die eine oder andere Gage bekam er dafür zugeschickt. Doch: Das Feedback im Chat ist nicht dasselbe. Meist kann er die Nachricht während des Livestreams erst zum Schluss lesen und verpasst viele Interaktionen mit seinen Zuschauern.

Der letzte Auftritt ohne Hygienemaßnahmen liegt für den Musiker inzwischen weit zurück, dieser fand am 14. März 2020 bei einem Motorradclub statt. „Da ging es richtig ab“, erinnert sich der Musiker. Die Einschränkungen durch Corona waren frisch beschlossen und den Leuten war bewusst, dass das die vorerst letzte Party sein könnte. Im Laufe des letzten Jahres schrumpfte Haukes Programm dann von zwei Auftritten pro Wochenende bzw. rund 120 im Jahr auf fast null. „Du weißt plötzlich gar nichts mehr mit dir anzufangen“, sagt Hauke über diese schwere Zeit.

Die Unterstützung von Veranstaltern spielt für ihn eine wichtige Rolle. Sein erstes Konzert fand während der Pandemie auf der Dachterrasse des „Zim-mer“ in Landsberg statt. Die Zuhörer waren mit Abstand auf Mauern gesessen. Danach folgten der „Sommer im Spital“ in ­Kaufbeuren, der „Picnic Sommer“ in Landsberg und der „Sommer 100“ in Schwabmünchen. Die Konzepte der Hygienemaßnahmen waren jedes Mal verschieden: Absperrband, Maske und Abstand oder Haushalte verteilt in eigenen Boxen. „Es ist verrückt, wie jede Stadt ihr eigenes Ding durchzieht“, sagt der Musiker. Der „Landsberger Sommer am Lech“ war ihm dabei die größte Unterstützung – dort wurde der 34-Jährige geradezu „aufgefangen“, denn dort konnte er an den Wochenenden zwischen den Lockdowns Konzerte geben und das Kribbeln in seinen Fingern kurzzeitig beenden.

Die Nähe fehlt

Auch Teil des digitalen Christkindlesmarktes in Augsburg, der letztes Jahr über Zoom stattfand, durfte Hauke sein. Erst nachts gegen zwei Uhr fuhr er seinen Computer herunter, erinnert sich der Musiker. „Es hat richtig Bock gemacht, weil ich direktes Feedback bekommen habe.“ Die Zuhörer konnten zur Musik singen und klatschen, doch für ihn kommt ein digitales Konzert keinesfalls an einen Auftritt vor Ort heran. „Ich will mit dem Publikum agieren können und die Nähe spüren.“ Auf Konzerten mit Abstand wäre das zwar auch möglich, doch das Publikum traue sich nicht mehr. „Ich wünsche mir, dass die Leute mehr singen und tanzen und sich nicht mehr verängstigen lassen“, sagt er. Die Nähe zu seinen Fans ist auch der Grund, warum er sich insbesondere auf das Musikmachen auf der Straße freut. „Umringt sein von meinem Publikum – das fehlt mir“, sagt Hauke.

Neben seinem neuen Album, dem Musikunterricht und dem einen oder anderen Auftritt nutzte der 34-Jährige die Coronazeit auch, um sich um jene Dinge zu kümmern, die er sonst gern aufschiebt. So entwickelte er zusammen mit einem Freund ein neues Logo und gestaltete neue Kleidung. Der Musiker renovierte Wohnung, Garten und Musikschule und verkaufte einige seiner Gitarren. Viel Arbeit investiert er auch in selbstgebaute Gitarren aus Skateboards, Filmdosen oder Zigarrenkisten, die er auch verkauft. Die Musik auf seinem neuen Album wurde übrigens nur mit den selbstgebauten Gitarren mit maximal vier Saiten produziert. Die Stilrichtung dazu ist bekannt als Cigarbox-Rock, benannt nach der Cigar Box Guitar („Zigarrenkistengitarre“).

Ferner hat Adi Hauke die Zeit natürlich auch dazu genutzt, zu üben und Musik aufzunehmen. So verfeinerte der Künstler auch seine Elektromusik, die er analog produziert. Am 28. August möchte er auf dem „Singoldsand Festival“ in Schwabmünchen seinem Publikum die Verfeinerung seiner Musik zeigen.

Zwei Jahre immer am Anschlag

Trotz allem weiß er noch nicht, ob er nach der Pandemie wieder so viele Auftritte wie davor haben möchte. Denn beim Rückblick auf die letzten Jahre stellt der Musiker fest, dass er mit den vielen Auftritten plus Einzelunterricht „wie in einem Sog“ war. „Es war schon verrückt“, sagt er. Zwei Jahre hatte er ohne Flaute und ohne Urlaub gearbeitet. „Ich sehe jetzt, was ich geleistet habe.“ Dabei spürte Hauke Unruhe in sich, wenn er sich nicht auf seinen Körper verlassen konnte, weil er etwa vom vielen Singen keine Stimme mehr hatte. Inzwischen, so sagt der Ettringer, gehe er gerne spazieren und genieße auch mal die Ruhe.

Hauke hofft, dass es nach der Pandemie überhaupt noch genügend Bühnen gibt, auf denen er und andere Musiker noch auftreten können. Denn gerade viele kleinere Veranstalter müssten um ihre Existenz bangen. Haukes nächster Auftritt ist aber bereits geplant: Bei „Sommer 100“ in Schwabmünchen wird er voraussichtlich am 3. Juli und am 14. August auftreten – mit Sitzplätzen und genügend Abstand. Hier hofft der Künstler auch, CDs von seinem letzten Album verkaufen zu können. Das sei derzeit nicht so einfach. „CDs bekommt man nur gut bei Konzerten verkauft“, sagt er. Durch digitale Live­streams sei der Verkauf nur bedingt erfolgreich.

In der Zukunft würde Hauke gerne einen Roadtrip mit seiner Freundin machen und noch ein Album mit Friedel Geratsch produzieren – die Ideen dafür sind bereits da.

Auch interessant

Meistgelesen

Bad Wörishofen: Wirbel um eine Feuerwehrübung
Bad Wörishofen: Wirbel um eine Feuerwehrübung
„Erlebnis-Minigolf“ ab 2022 in Mindelheim geplant
„Erlebnis-Minigolf“ ab 2022 in Mindelheim geplant
Platzwunde: Mülltonne erwischt Frau in Oberneufnach am Kopf
Platzwunde: Mülltonne erwischt Frau in Oberneufnach am Kopf
Wildschweinkamera zeichnet Vandalismus-Poser in Altensteig auf
Wildschweinkamera zeichnet Vandalismus-Poser in Altensteig auf

Kommentare