Prosit mit Sicherheitsabstand

Nach Lockdown: Bad Wörishofen will Gastronomie und Tourismus wieder ankurbeln

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Auf neue Gegebenheiten müssen sich in diesen Tagen Biergarten-Besucher einstellen. Seit dieser Woche ist ein Besuch unter Auflagen wieder erlaubt.

Bad Wörishofen – Wie in allen bayerischen Kommunen greift in Bad Wörishofen mittlerweile auch die Lockerung der „coronabedingten Beschränkungen“. Neben den Wassertretstellen können die Bürger nun auch wieder in die Biergärten strömen. Dabei sind aber Auflagen zu beachten. In der Kneippstadt unterstützt man die Gastronomie vor allem hinsichtlich des Abstandsgebotes und bereitet sich auch auf einen wiedereinsetzenden (Tages-)Tourismus vor.

Seit „Social Distancing“ zum Schlagwort geworden ist – also der Sicherheitsabstand zum Mitmenschen, um diesen nicht anzustecken – gelten auch im täglichen Miteinander neue Regeln. Beim Einkaufen, im Schlangestehen oder in der Freizeit und jetzt auch bei der Nahrungsaufnahme in der Öffentlichkeit muss ein Mindestabstand zum Nächsten von mindestens anderthalb Metern eingehalten werden – was bislang die Wiedereröffnung der Gastronomie verhindert hat, da insbesondere in geschlossenen Räumen nicht ausreichend Fläche (rein rechnerisch rund sieben Quadratmeter pro Person bei einem Kreisdurchmesser von drei Metern) zur Verfügung stand. Seit dieser Woche nun dürfen zuerst Freischankflächen genutzt werden, wobei Stefan Welzel, Erster Bürgermeister von Bad Wörishofen, das Problem wie folgt schildert: „Gerade das Abstandsgebot beschränkt hier die üblichen Möglichkeiten beim Stellen von Tischen und Stühlen.“ Deshalb sei man, in Absprache mit dem Ordnungsamtsleiter Jan Madsack übereingekommen, den Wirten und Gastronomen unbürokratisch Unterstützung anzubieten. „Konkret geht es darum, dass die Aufstellflächen für die Außengastronomie in Absprache mit dem Ordnungsamt ausgedehnt werden dürfen.“ Insbesondere in der Fußgängerzone sind die Flächen genau abgesteckt, innerhalb derer aufgestuhlt werden darf, etwa mit Blick auf Einsatzfahrzeuge. Hier sollen die Wirte nun mehr Freiheit genießen. Unter anderem hatte das auch der Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl angeregt.

Registrierung im Biergarten

Jeder Tisch mehr bedeutet auch mehr Umsatz, welcher dringend benötigt werde, sagt Welzel. „Unsere Stadt lebt vom Flair eines attraktiven und vor allem belebten öffentlichen Raums.“ Damit dies auch coronakonform umgesetzt werden könne, solle das Ordnungsamt auf die Gastronomen zugehen. Welzel: „Dies soll neben der Öffnung unserer Kneippanlagen ein weiterer Baustein dafür sein, dass ab Ende Mai hoffentlich wieder viele Gäste nach Bad Wörishofen kommen.“ Dabei sind aber weitere Auflagen neben dem Abstand zu beachten. So ist eine Reservierung laut dem Wirtschaftsministerium nur in den Innenbereichen, die ab 25. Mai öffnen dürfen, möglich. Für Außenbereiche wie Biergärten ist eine Reservierung laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Allerdings können die Gäste ihren Tisch nicht mehr frei wählen, denn das Personal ist angewiesen, einen Platz zuzuweisen. Wer spontan den Biergarten besuchen will, muss zudem damit rechnen, dass Personalien und Telefonnummer aufgenommen werden. Das soll sicherstellen, dass im Fall einer nachträglich bekannt werdenden Corona-Infektion bei Gästen oder Personal die Infektionsketten nachvollzogen werden können. Die so erhobenen Daten müssen die Betreiber allerdings nach einem Monat löschen.

Wieder nutzbar sind die Wassertretstellen, die bislang laut Landratsamt Unterallgäu als „Einrichtung der Freizeitgestaltung“ galten und damit geschlossen werden mussten. So sie sich im öffentlichen Raum befinden, dürfen die Wassertretstellen seit dem 11. Mai wieder genutzt werden (siehe eigener Bericht links).

Im Kontakt mit Vermietern

Nachdem in der letzten Sitzung des alten Stadtrates entsprechende Nachfragen hinsichtlich der Aktivitäten des Kur- und Tourismusbetriebes der Stadt kamen, erklärte die stellvertretende Kurdirektorin Cathrin Herd, dass man seit Beginn der Krise im engem Austausch mit den Vermietern stehe. „Wir informieren über die jeweiligen staatlichen Verfügungen sowie Hilfestellungen und die Empfehlungen der Fachverbände.“ Links zu den entsprechenden Stellen habe man auf der Homepage der Stadt zusammengefasst. Weiterhin würden verschiedene Initiativen erarbeitet und koordiniert. Das gehe von der Wahrung von Ansprüchen gegenüber Versicherungen bis hin zur Wiedereinführung der Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch als Pflichtleistung für bestimmte Bevölkerungsgruppen. „Daneben laufen derzeit viele Maßnahmen im Kur- und Tourismusbetrieb“, so Herd. Denn sobald wieder touristische Übernachtungen möglich seien, solle das Kurhaus wieder geöffnet werden. Für die Wiedereröffnung werde ein Konzept mit Sicherheitsvorkehrungen und Hygienestandards für Gäste und Mitarbeiter erstellt und gerade sukzessiv umgesetzt. „Dazu gehören beispielsweise die Besucherlenkung, eine entsprechende Beschilderung und das Aufstellen von Desinfektionsmittelspendern“, beschreibt Herd das Konzept.

Außerdem würden zur Zeit Insidertipps zu Aktivangeboten im Freien zusammengestellt, wie sie etwa auch Alwin Götzfried gefordert hatte, um die Kneippstadt auch für Tagestouristen attraktiv zu machen. Bei den Angeboten werde sichergestellt, dass ausreichender Abstand und ein begrenzter Kontakt zu anderen Personen gewährleistet sei, so Herd. Außerdem würden derzeit Gespräche mit den Therapeuten des Kur- und Tourismusbetriebes laufen über eine neue Konzeption der Gesundheitskurse, angepasst an die derzeitige Situation.

Auch wolle man das Jubiläum (100 Jahre Bad Wörishofen) trotz Corona nicht ad acta legen. „Dazu ist es als Veranstaltungsthema zu reizvoll und wir haben dafür noch einiges Schönes in petto“, so die stellvertretende Kurdirektorin. „Für unsere geplanten Veranstaltungen befinden wir uns in sehr engem Kontakt mit den Veranstaltern, um gerüstet zu sein, wenn es wieder los geht“ – auch für Veranstaltungen im kleineren Rahmen.

Oliver Sommer

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