Wo ist die rote Linie?

Nachgehakt beim Zweiten Bürgermeister: So steht es um die Finanzen beim Adler-Umbau

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Am kommenden Sonntag sollen Kirchheims Bürger über den Umbau des Gasthofs Adler abstimmen. Zweiter Bürgermeister Werner Welser (kleines Foto) hat im Gespräch mit dem Wochen KURIER noch einmal über die Finanzen aufgeklärt.

Kirchheim – Ist die Sanierung des Gasthofs Adler und der Umbau zu einem Bürgerzentrum ein Millionengrab? Gibt es für die Gemeinderäte der schuldenfreien Marktgemeinde eine rote Linie bei den Kosten? Im Gespräch mit dem Wochen KURIER wird der zweite Bürgermeister der Marktgemeinde sehr konkret.

Werner Welser weiß, wovon er redet. Seit 1996 gehört der Kirchheimer dem Marktgemeinderat an, seit 22 Jahren auch dem Finanzausschuss der Gemeinde. Er kennt die Zahlen der Kommune sehr genau, seit 2009 ist Kirchheim schuldenfrei. Und er weiß, welche Aufgaben vor dem neuen Gemeinderat liegen. Deshalb gebe es sehr wohl eine Grenze, was die Sanierung kosten darf.

Allerdings weiß Welser auch, dass es nicht „die“ rote Linie gibt. Und erklärt weshalb: „Beim Gasthof Adler sind die Gemeinderäte bereit, mehr Geld einzusetzen. Dieses Gebäude hat Leben“, womit Welser auf die Geschichte der über 400 Jahre alten Wirtschaft anspielt. Das sei nicht vergleichbar mit einem Indus­triebau auf der grünen Wiese, einer „seelenlosen“ Fahrzeughalle. Das bedeute zwar nicht, dass die Gemeinderäte bereit wären, hier Millionen zu „versenken“, aber eben innerhalb gewisser Grenzen doch mehr investieren könnten als bei einem anderen Gebäude. Deshalb könne man keine Zahlen nennen und keine rote Linie ziehen, die ­Othniel Leitner so oft beschwört und die er immer wieder zur Sprache bringt.

Vor allem ist es Welser aber wichtig, zu betonen, dass man eigentlich noch gar keine konkreten Zahlen kenne. Denn man sei immer noch in der Kostenermittlung. Entgegen dem, was andere vermuten könnten, bedeutet das, dass man die genauen Kosten erst ermitteln muss.

Ende März, so war die Planung, hätten diese Zahlen von den einzelnen Fachfirmen vorliegen sollen. Doch durch das Bürgerbegehren lägen viele Untersuchungen derzeit auf Eis, nur was man vorher noch vergeben konnte, werde ausgeführt. So war die ursprüngliche Idee, dass die beauftragte Architektin all diese Zahlen hätte zusammentragen sollen und man anschließend an die Öffentlichkeit hätte gehen wollen. „Wir hätten den Bürgern genau sagen können, was der Umbau zum Bürgerzentrum kosten würde.“ Anschließend hätten sich die Gemeinderäte zusammengesetzt und das Projekt diskutiert und, entsprechende Kosten vorausgesetzt, eventuell beschlossen.

Details noch unbekannt

Welser betont, dass man derzeit noch nicht einmal einen Bauplan habe. Es gibt zwar Pläne, die skizzieren, wo was hätte gebaut oder geändert werden sollen, aber keine konkreten Details wie etwa der Verlauf von Leitungen mit sämtlichen Aufmaßen. Daraus erklärt sich auch das „Missverständnis“ bei der Informationsveranstaltung. Seinerzeit gab es Vorwürfe, das Thema Brandschutz oder Hygiene wäre nicht ausreichend beleuchtet worden. Tatsächlich aber hatte die Architektin Anja Spillner nur grobe Pläne vorgelegt, eben ausreichend für die Bedarfsermittlung und Zuschussbeantragung und keinesfalls gedacht, der Überprüfung durch die Fachbehörden zu genügen.

Und Welser wird noch konkreter, was die Zahlen angeht. Dreieinhalb Millionen Euro stehen im Raum für das gesamte Vorhaben, basierend auf den Erfahrungswerten der Architektin, 2,5 Millionen sind von der Staatsregierung fest zugesagt. Diese Summe kann man noch nachverhandeln, wie es Franz Pschierer in Aussicht gestellt hat, sollten die Kosten steigen. Seinerzeit hatte sich die Gemeinde bei der Förderinitiative „Innen statt außen“ der Staatsregierung beworben und eine erste Förderzusage über 600.000 Euro erhalten, die dann nach weiteren Verhandlungen auf 2,5 Millionen Euro aufgestockt wurde. Dieses Geld kann nur für das Projekt Adler eingesetzt werden. Doch die Gemeinde kann noch mit mehr Förderung rechnen: Es gibt eine Stiftung, die ähnliche Ziele der Innenbelebung verfolgt und auch schon Förder­gelder, mündlich, zugesagt hat. Das ist es auch, was Welser wie viele andere aufbringt. Nämlich dass sämtliche weitergehenden Förderungen vorbehaltlich der Planungen, mündlich, zugesagt wurden; wie im Übrigen auch der Notarvertrag, den Leitner unbedingt einsehen möchte, der bereits unterschriftsreif vorliegt. Erst sobald die Pläne auf dem Tisch liegen, fließen die Gelder, die Kirche hat beispielsweise eine sechsstellige Summe in Aussicht gestellt. Aber auch nur, wenn das neue Bürgerzentrum fußläufig von der Kirche erreichbar ist. Auch vom Denkmalschutz, der den Umbau im Übrigen begrüßt, könnten Mittel kommen und schließlich die Fördergelder für die Vereine. Und nur die, weiß Welser, könnte man auch für einen Neubau auf der Grünen Wiese einsetzen.

Damit dürfte die Summe, mit der die Gemeinde schlussendlich planen kann, schon gut an drei Millionen Euro heranreichen und würde den Eigenanteil doch erheblich reduzieren. Denn eines sagt Welser auch unumwunden: „Wir haben viele Projekte, die wir dieses Jahr angehen und umsetzen müssen, Radwege und Ortsverbindungsstraßen, die Sanierung des Rathauses“. Das alles sind Pflichtaufgaben für die Marktgemeinde und sind der Sanierung des Adlers vorzuziehen. Sollten die tatsächlichen Kosten in die Höhe wachsen, muss der Gemeinderat die Bremse ziehen. Doch wo genau diese rote Linie liegen könnte, weiß man erst nach Ermittlung sämtlicher Kosten und damit auch erst, wenn das Ratsbegehren erfolgreich war.

Oliver Sommer

Das sagen Vereine und Projektverantwortliche zum Adler-UmbauBürgerentscheid am Sonntag: "Jetzt gilt’s" in Kirchheim

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