Wiederaufbau fraglich

Neubau der Kita St. Nikolaus in Wiedergeltingen: Spielburg muss weichen

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Was passiert mit der Spielburg? Wird sie irgendwo anders neu aufgebaut oder muss sie den Baggern für immer weichen?

Wiedergeltingen – Was passiert mit der Spielburg des St. Nikolaus Kindergartens? Fest steht: Sie muss dem geplanten Neubau im Osten des Kindergartenareals weichen, doch ob sie komplett abgerissen oder irgendwo anders wieder aufgebaut wird, steht noch in den Sternen.

Seit 25 Jahren steht sie im Außengelände des Kindergartens St. Nikolaus. Mit viel ehrenamtlichem Engagement von vielen Leuten wurde sie damals innerhalb eines Jahres erbaut. Josef Unsin war der „große Koordinator“, sagt Hermann Singer, Altbürgermeister von Wiedergeltingen, über den Erbauer und Ideengeber. Doch Unsin wiegelt ab: „Ich war nur einer von vielen. Hermann war auch immer mit dabei.“ Nun wird Unsins Lebenswerk und die „Leistung einer funktionierenden Dorfgemeinschaft“, so Singer, von den Baggern zu Nichte gemacht. „Man reißt es sang- und klanglos ab. Was soll man dazu noch sagen?“, fragt Hermann Singer resigniert.

Wenn er noch Bürgermeister von Wiedergeltingen wäre, wie hätte er gehandelt? „Ich hätt‘ nach einer anderen Lösung gesucht und den Neubau nach Westen in Richtung Kirche verschoben.“ So bliebe die Burg verschont, erklärt er. Sogar Auswärtige haben die Burg aufgesucht, um dort ihre Hochzeitsfotos zu machen. Singer bedauert die Entscheidung genauso sehr wie Unsin, der es sich nicht vorstellen kann, dass die Burg woanders ein neues Zuhause findet. „Die Planer sind nicht in der Lage, eine vernünftige Lösung zu finden, um die Burg zu erhalten“, sagt Unsin. Singer ist aber der ganze Neubau ein Dorn im Auge, denn inmitten des „historischen Viertels“ sähe der „viereckige Kasten“ aus wie ein „Schuhkarton“. Ob das „zum Ensemble passt, ist fraglich“, zweifelt Singer. Die Kindergartenleitung wollte sich zum Abriss der Spielburg und zum Neubau nicht äußern.

Kita künftig barrierefrei

Überzeugt vom Neubau ist dagegen Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer, denn dadurch gehe man das Problem der fehlenden Kita-Plätzen an. Nach Vollendung des ersten Lebensjahres haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita- bzw. Krippenplatz. Dieser kommunalen Verpflichtung will auch Wiedergeltingen nachkommen und setzt einen Anbau auf die Ostseite des bestehenden Kindergartens. Dafür muss die Burg abgetragen werden, denn diese in den Bebauungsplanungen zu integrieren, wäre „kostenmäßig nicht machbar“ gewesen, so Führer.

Auch Altbürgermeister Singers Lösungsvorschlag, den Anbau nach Westen zu verrücken, sei nicht praktikabel. Zwar war der Anbau nach Westen durchaus eine Umsetzungsalternative, doch aufgrund des vom Gemeinderat beschlossenen Raumkonzeptes mit künftig drei Regelgruppen, zwei Krippengruppen und einer Hortgruppe ist diese Variante nicht machbar, denn man müsse trotzdem noch Abstandsflächen einhalten und noch genügend Außenspielflächen bewahren. Zudem wird der Anbau mit einem Aufzugsschacht mit dem Altbau verbunden, sodass die Kita in Zukunft barrierefrei sein wird – wie vom Gemeinderat gewünscht.

Die jetzige Situation ist kein Dauerzustand, denn der Kindergarten ist auf drei verschiedene Gebäude aufgesplittet: Zwei Kindergartengruppen sind im Pfarrhaus untergebracht, eine Krippe und der Kinderhort befinden sich im ersten Stock des Rathauses und im Untergeschoss der Grundschule gibt es eine weitere Krippengruppe. Mit dem Neubau wächst die Kita um eine Kindergartengruppe. Der Anbau wird zwei Gruppen, einen Mehrzweckraum, einen Speiseraum und Nebenräume beherbergen.

Spielen auf Burg verboten

Der Bürgermeister weist aber auch darauf hin, dass die Spielburg sowieso nicht mehr von den Kindern genutzt werden kann, da die Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen. Das bestätigt auch die Kindergartenleitung. Der Fallschutz sei nicht mehr gegeben, weshalb der TÜV schon vor Jahren das Spielen auf der Burg verboten hat.

Erst vor Kurzem habe man das erste Gespräch mit dem Fachplaner geführt. Daher sei noch alles offen, ob die Burg nun abgetragen oder versetzt wird. „Wir versuchen es“, die Burg zu erhalten, so Führer, aber „ich kann‘s nicht versprechen“, ob dies mit finanziellen Mitteln überhaupt machbar wäre. „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

Straffer Zeitplan

„Wir haben lange gekämpft, dass wir bauen dürfen“, sagt Führer. Das Bauvorhaben, das mit 2,9 Millionen Euro kalkuliert wird, hat die Regierung von Schwaben genehmigt und wird vom Freistaat Bayern gefördert. Der Eigenanteil für die Gemeinde beträgt nach derzeitigem Stand 1,25 Millionen Euro. Trotz Baumaßnahme bleibe noch genügend Fläche übrig. „Wir haben deutlich mehr Freiflächen als städtische Kindergärten“ und es bleiben noch „sehr viele Bewegungsfreiräume“ erhalten, so Führer.

Zwar sind Planer und Handwerker nicht so leicht zu kriegen, aber „wir werden schon Gas geben“, beteuert der Bürgermeister. Sein Wunsch ist es – trotz straffen Zeitplans – im September 2021 den Neubau im Betrieb nehmen zu können. Im Mai will er mit dem Bau beginnen. 

Julia Böcken

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