Kunstschätze lagern nun in der Berufsschule

Neues Depot: Mindelheims »kulturelles Gedächtnis« ist umgezogen

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Kulturamtsleiter Christian Schedler stellte den Mitgliedern des Kulturausschusses das neue Depot im Obergeschoss der Berufsschule vor.

Mindelheim – Rund 100.000 kulturelle Schätze aus ihrer Geschichte bewahrt die Stadt noch heute auf – manche, weil Verstorbene ihre Kunstgegenstände nicht mehr weitervererbten, manche von berühmten Persönlichkeiten Mindelheims. Gelagert werden all die geschichtsträchtigen Dinge nicht nur in Museen, sondern auch in Depots. Eines von ihnen befindet sich seit diesem Monat im Obergeschoss der staatlichen Berufsschule am Colleghof. Eine Lagerstätte, die eigentlich erst aus der Not heraus geboren wurde.

Denn die rund 1.000 Gemälde sowie rund 20.000 Ausstellungsstücke des Textilmuseums waren bis zuletzt in einem Keller am Oberen Mayenbadweg verwahrt. Weil die dortige Lagerstätte allerdings verkauft wurde, musste eine schnelle Lösung für „das viele Kunstgut“ her, wie Kulturamtsleiter Christian Schedler den Mitgliedern des Kulturausschusses beim Vor-Ort-Besuch erklärte. Dabei sei das ehemalige Depot ohnehin nicht ideal gewesen, denn bei Starkregen sei Wasser eingebrochen. Ein Risiko, denn wie Schedler sagt: „Das Kunstgut der Stadt Mindelheim ist kostbar.“

Hier handelt es sich weder um einen Flohmarkt noch um eine Wohnungsauflösung. Im neuen Depot lagern neben Textilien und Gemälden auch Mindelheimer Möbel aus den letzten Jahrhunderten.

Dass überhaupt noch so viele Gegenstände aus vergangenen Jahrhunderten im Besitz der Stadt sind, führt der Kulturamtsleiter auch darauf zurück, dass Mindelheim in den beiden Weltkriegen nie geplündert wurde. Seit 150 Jahren sammelt die Stadt nun Gemälde, Möbel, Stoffe und vieles mehr – muss aber wegen der Vielzahl an Artikeln zunehmend einschränken, was noch von Bedeutung ist und was künftig keinen Platz in der städtischen Sammlung bekommt.

Nicht nur räumlich muss jedes Stück nämlich seinen Platz finden, jedes von ihnen müsse auch „bearbeitet“ werden, sagt Leiterin des Textilmuseums Doris Wenzel. Sie sorgt seit fast einem Jahrzehnt für Ordnung im Depot und hat bereits begonnen, die Gegenstände zu nummerieren und in einer digitalen Datenbank zu erfassen. Rund 4.500 sind dort bereits für sie einsehbar, langfristig soll aber jeder Lagerplatz dokumentiert sein und mit einem Handgriff gefunden werden. Hintergrund sei laut Wenzel auch, dass es immer wieder Anfragen von Ausstellern oder Museen zu Artikeln gebe, die ihre Heimat in Mindelheim haben. Erst kürzlich verlieh sie beispielsweise Tücher mit einer Kranich-Abbildung – diese speziell hatte ein Aussteller aus Norddeutschland bei ihr angefragt.

Wie die Großen

Neben der Ordnung ist nun auch die technische Ausstattung eine bessere als am Oberen Mayenbadweg, was sich unter anderem beim Verstauen der Gemälde bemerkbar macht. Diese werden mittels Hängesystemen, wie es laut Schedler auch in großen Kunsthäusern in München Usus ist, auf einer Schiene angebracht und können problemlos sowie vor allem platzsparend und sicher in einer Art metallenem Ausziehschrank verwahrt werden. Die rund 1.000 Gemälde, die dort darauf warten, für die nächste Ausstellung herausgezogen zu werden, seien ein „immenses kulturelles Gedächtnis“, sei auf ihnen doch viel Geschichte und das Mindelheim vergangener Zeiten abgebildet.

Diese gemeinsam mit den Schätzen des Textilmuseums, die übrigens zu 80 Prozent aus dem Besitz von Hilda Sandtner stammen, umzuziehen, war eine echte Herausforderung. Sechs Männer einer Münchner Firma benötigten insgesamt vier Wochen, bis alles am neuen Standort war. 125.000 Euro wird der Umzug samt der dafür nötigen Umbauarbeiten insgesamt kosten, sagte Bürgermeister Dr. Stephan Winter, wobei die Hälfte davon der Landkreis Unterallgäu übernimmt.

Weil auch das Thema Sicherheit eine große Rolle spielt, wurden insbesondere Stoffe wie Hüte und Teppiche aus Peru oder Indien genauestens auf mögliche Schädlinge überprüft, um diese nicht in die Berufsschule mit umzuziehen. Auch über den Brandschutz klärte Dr. Winter auf: Die Alarmanlage sei direkt mit dem Piepser der Feuerwehr verbunden, sodass diese im Falle eines Falls binnen weniger Minuten zur Stelle wäre.

Marco Tobisch

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