Award bringt Kneipp zu neuen Ehren

Neues Förderprogramm in Bad Wörishofen: „Vergelt‘s Gott“ für Kitas und Schulen

Bürgermeister Stefan Welzel (Mitte) unterschrieb letzte Woche die Vereinbarung zum Förderprogramm zwischen der Stadt und Hans Joachim Kania (rechts) sowie dessen Partnerin Marieluise Vorwerk (links). Mit im Bild (hinten v. links): Werner Brüch von der Stadt Bad Wörishofen sowie Thurid Leinich, die für die Texte in dem kleinen Kinderbuch über Kneipp verantwortlich zeichnet.
+
Bürgermeister Stefan Welzel (Mitte) unterschrieb letzte Woche die Vereinbarung zum Förderprogramm zwischen der Stadt und Hans Joachim Kania (rechts) sowie dessen Partnerin Marieluise Vorwerk (links). Mit im Bild (hinten v. links): Werner Brüch von der Stadt Bad Wörishofen sowie Thurid Leinich, die für die Texte in dem kleinen Kinderbuch über Kneipp verantwortlich zeichnet.
  • VonOliver Sommer
    schließen

Bad Wörishofen – Nun kommt Sebastian Kneipp doch noch zu Ehren mit einem eigenen Award. „Vergelt‘s-Gott-Award“ heißt dieser. Anstatt, dass sich ein weiterer „Wissenschaftler“ mit dem Wasserpfarrer profilieren kann, sind dezidiert Kinder angesprochen, die Projekte einreichen sollen. 45.000 Euro hat Hans Joachim Kania für das neue Förderprogramm ausgelobt, das bis 2026 ausgelegt ist. 

Kamen die bisherigen Wohltaten Kanias bislang vor allem Kindern in der Stadt Bad Wörishofen zugute, sind diesmal auch die Kinder im gesamten „Kneipp-Landkreis“ Unterallgäu angesprochen. Nachdem das erste Förderprogramm Kanias aufgrund der Pandemie mehr oder weniger stillschweigend ausgelaufen war, hatten sich der Wörishofer Mäzen und der Kneippstädter Bürgermeister zu Gesprächen getroffen. „Man merkte, der Wille ist da, auch weiterhin die Kinder zu fördern“, resümierte Stefan Welzel bei der Vorstellung des neuen Förderprogramms.

Vor elf Jahren, 2011, hatte die Familie Kania aus eigenem Antrieb das Begrüßungsgeld der Stadt für neue Wörishofer Erdenbürger von seinerzeit 30 um zehn Euro und 2017 schließlich auf 50 Euro erhöht. Mit der Aufstockung trug Kania der „sehr schönen Entwicklung“ Rechnung, dass die Zahl der Babys in der Kneippstadt immer weiter gestiegen war. Zuletzt gab es für jedes 100. Baby (sowie für die Zweit (101.)- und Drittplatzierten (99.) eine Prämie, die allerdings in den letzten beiden Jahren nicht im entsprechenden Maß gewürdigt werden konnten.

Neben dem Babygruß, den seit 2011 knapp 900 Babys erhielten, wobei rund 40.000 Euro ausgezahlt wurden, gibt es auch den Melolino-Award. Dieser Award, den Musikschüler erhalten, wird im neuen Förderprogramm 2026 ebenso weitergeführt wie der Ehrenamtsaward. Ein Dutzend Personen kam bisher in den Genuss dieses mit 1.000 Euro jährlich dotierten Preises, bei dem die Arbeit in Vereinen oder Organisationen der Stadt, vor allem eben das ehrenamtliche Engagement, gewürdigt wurde.

Babygruß direkt aufs Konto

Eine Aufwertung, aber auch eine Neuausrichtung, erfährt der Babygruß, nachdem Kania in den Vorgesprächen zum Ausdruck gebracht habe, dass er sich eine Modifizierung der Auszahlungsbedingungen wünsche. Kanias Bestreben war, mit seinen Wohltaten die Kinder zu fördern und zu unterstützen. So wünscht sich der Mäzen, dass gewährleistet sein solle, dass das Begrüßungsgeld direkt dem Neugeborenen zugute kommt, also nicht unbedingt für die Beschaffung von Windeln oder Spielzeug hergenommen werden müsse. Deshalb hat Kania den Betrag erneut aufgestockt, allerdings bekommt die Familie bzw. das Baby die künftig 30 Euro Kanias nur dann, wenn die Familie ein Konto bei einem Geldinstitut eröffnet. Ohne Konto, das so die Idee Kanias, dem Neugeborenen über viele Jahre hinweg ein treuer Begleiter sein könnte, fließen nur die 30 Euro der Stadt Bad Wörishofen – mit Konto insgesamt 60 Euro, wobei die Banken für die Eröffnung eines Kontos durchaus auch nochmals Geld springen lassen. Nicht zuletzt deshalb habe er mit Spannung auch die Diskussion in Mindelheim verfolgt, erzählte Kania im Kneipp-Konferenzraum des Rathauses und bedauerte, dass die Nachbarkommune ein vergleichbares Vorgehen abgelehnt hatte.

Danke-Kneipp-Award

Schlussendlich wurde mit dem Vergelt‘s-Gott-Award eine neue Kategorie geschaffen: Alle zwei Jahre soll ein Projekt prämiert werden, das von Kindern bzw. Kindereinrichtungen im Landkreis eingereicht werden soll. Damit kommt der vom ehemaligen Stadtrat Wolfgang Hützler vorgeschlagene „Kneipp-Award“ zu neuen Ehren, der im Stadtrat zwar Befürworter gefunden hatte, der aber aufgrund verschiedener Umstände nicht realisiert wurde; unter anderem sahen die Rahmenbedingungen eine EU-weite Ausschreibung vor, auch wäre ein Großteil der angedachten Gelder für die Organisation drauf gegangen.

Beim Vergelt‘s-Gott-Award kommt ein weiterer Akteur ins Spiel, nämlich der Kneippbund. In Erinnerung an den Wasserpfarrer, vor allem dessen Verdienste um die Kinder, sollen Projekte eingereicht werden, die das Wirken Kneipps für die Kinder in der heutigen Zeit „übersetzen“. Bewertet werden soll nach sozialen Kriterien, aber auch gesundheitsfördernde Aspekte für den Nachwuchs sollen eine Rolle spielen. Ein Beispiel ist das kleine Büchlein „Luna und Basti auf Sebastian Kneipps Spuren“: Darin wird beschrieben, wie ein kleines Mädchen das Werk Kneipps kennenlernt.

In vergleichbarer Weise sollen alle Kindereinrichtungen, Schulen, Kitas, aber auch Vereine und Institutionen Projekte bei den 52 Kommunen des Landkreises einreichen, wo eine Vorauswahl getroffen wird. Anschließend wird ein Projekt aus jedem Ort der Jury in Wörishofen vorgelegt. Damit die Kindergruppen in Schulen oder Kindergärten noch in den Genuss des Preisgeldes von 5.000 Euro kommen, ist der Eingabeschluss Ende Juni; vor den Ferien noch, soll dann ein Gewinner gekürt werden. Insgesamt dreimal, also heuer, 2024 und 2026 soll der Vergelt‘s-Gott-Award vergeben werden.

Meistgelesen

Bezirksmusikfest in Zaisertshofen: Jetzt wead gfeirat!
MINDELHEIM
Bezirksmusikfest in Zaisertshofen: Jetzt wead gfeirat!
Bezirksmusikfest in Zaisertshofen: Jetzt wead gfeirat!
Viele Schausteller stehen vor dem Ruin – Skyline Park will einer Familie helfen
MINDELHEIM
Viele Schausteller stehen vor dem Ruin – Skyline Park will einer Familie helfen
Viele Schausteller stehen vor dem Ruin – Skyline Park will einer Familie helfen
Schulkonzept: Junge Menschen sollen verstärkt Alltagskompetenzen im Unterricht lernen
MINDELHEIM
Schulkonzept: Junge Menschen sollen verstärkt Alltagskompetenzen im Unterricht lernen
Schulkonzept: Junge Menschen sollen verstärkt Alltagskompetenzen im Unterricht lernen
Schausteller Emil Lehmann: Die Geisterbahn im Herzen
MINDELHEIM
Schausteller Emil Lehmann: Die Geisterbahn im Herzen
Schausteller Emil Lehmann: Die Geisterbahn im Herzen

Kommentare