Marion Prediger im Interview

Neues Konzept: "Radcoaches" für Mindelheimer Schulwegsicherheit

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Morgendliche Radelgruppen – wie hier die Internatsschüler – könnte es ab dem Frühjahr häufiger geben. Dann will Marion Prediger (kleines Foto) in Absprache mit Stadt und Polizei das Radcoaches-Konzept starten.

Mindelheim – Geht es um das Thema Schulwegsicherheit in Mindelheim, dann ist meist auch Marion Prediger mit in die Projekte und Planungen involviert. Seit 13 Jahren ist sie selbst als Schulweghelferin aktiv und betreut inzwischen auch eine Gruppe älterer Schülerlotsen, die Jüngere sicher über Kreuzungen und viel befahrene Knotenpunkte geleitet. Nun steht mit den „Radcoaches“ ein neues Projekt in den Startlöchern, wie Prediger im Interview mit dem Wochen KURIER vorstellt.

Wie soll das Konzept rund um die Fahrradcoaches denn aussehen?

Prediger: „Viert- und Fünftklässler haben in der Regel noch nicht so viel Erfahrung, wenn sie mit dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs sind. Damit sie künftig auch auf zwei Rädern noch sicherer in die Schule kommen, treffen sich in verschiedenen Ecken von Mindelheim möglichst hausnah drei bis vier Kinder, die von einem sogenannten Radcoach abgeholt werden und auf dem Weg in die Schule begleitet werden. Wir werden es wohl nicht schaffen, jeden an der Haustür abzuholen. Die Schüler werden also schon ein paar Meter bis zu einem Sammelpunkt fahren müssen.“

Bezieht sich das Konzept ausschließlich auf die Kernstadt Mindelheim?

Prediger: „Nicht ganz. Es ist geplant, diesen Service auch in den Außengebieten von Mindelheim einzurichten. Aus Nassenbeuren und Apfeltrach beispielsweise fahren die Kinder im Sommer auch häufig mit dem Fahrrad. Schon klar, dass ich nicht in allen Gebieten auf Anhieb 100 Helfer aus dem Boden stampfe. Aber man muss es halt mal anfangen.“

Warum ist das Angebot in Ihren Augen überhaupt notwendig?

Prediger: „Als Schulweghelferin sehe ich jede Woche, wie die Schüler mit Schulranzen und Sporttasche vom Oberen Tor in die Stadt abbiegen. Dabei sind sie zum Teil einfach überfordert, wenn mit Schulbussen und auch LKW viel los ist. Ich bin wirklich jeden Morgen froh, wenn ich alle heil über die Kreuzung gebracht habe. Auch, wenn Feuerwehr oder Polizei mit Blaulicht kommen: Die Kinder wissen nicht immer, wie sie in außergewöhnlichen Situationen reagieren sollen. Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich die Situation auf einem Übungsbogen sehe oder live vor mir habe.“

Inwieweit kann ein Radcoach solche Situationen sicherer gestalten?

Prediger: „Er nimmt auf jeden Fall eine Vorbildfunktion ein. Er trägt einen Helm sowie eine auffällige Jacke oder Weste, womit wir die Sichtbarkeit erhöhen wollen. Ich denke, das ist auch für Autofahrer angenehm, wenn die Kinder nicht kreuz und quer auf den Fahrradwegen unterwegs sind sondern alles geordneter abläuft. Und der Coach ist auch nicht nur Ansprechpartner für vielleicht schwierige Stellen im Verkehr sondern kann auch helfen, falls mal jemand stürzen sollte. Viele vergessen zum Beispiel, dass ein Sturz immer in der Schule gemeldet werden muss.“

Finden sich da tatsächlich genug Freiwillige, die die Kinder vor ihrem eigenen Unterricht mit dem Fahrrad begleiten wollen?

Prediger: „Ich habe ja die Schülerlotsen schon, die Suche beginnt also nicht bei Null. Wer jetzt schon die Schülerlotsenausbildung hat, kann sich gleich noch weiterbilden lassen zum Fahrradlotsen. Sie sind dann auch weiterhin als Schülerlotsen im Einsatz, können dann aber noch zusätzlich als Fahrradcoach fungieren. Ich werde auch noch in den Mindelheimer Klassen nachfragen und dabei auch auf Maria-Ward-Realschule und das Maristenkolleg zugehen, um nach Fahrradlotsen zu suchen. Ich sehe das nämlich nicht als alleinige Aufgabe der Mittelschule, wo meine bisherigen Schülerlotsen alle herkommen.“

Wie werden die Fahrradcoaches von Ihnen auf die Begleitung der Kids vorbereitet?

Prediger: „Sie sollen auch die klassische Schülerlotsenausbildung kriegen, zudem sind zwei oder drei Nachmittage mit Herrn Baur von der Polizei geplant. Übrigens: Nicht nur Schüler, auch Eltern und Senioren könnte ich mir super als Fahrradcoaches vorstellen.“

Wie sieht´s mit dem Versicherungsschutz aus? Haften die Coaches während der Fahrradtour für die Kinder?

Prediger: „Nein. Egal, ob Schüler zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren, sind sie immer versichert, solange sie sich auf dem Schulweg befinden. Und Schulweghelfer und Schülerlotsen sind über die Stadt versichert, das hat mir Bürgermeister Dr. Winter bestätigt.“

Inwiefern ist auch die Stadt in das Projekt eingebunden?

Prediger: „Die Einsatzplanung der Schülerlotsen erfolgt in enger Abstimmung mit Bürgermeister Dr. Winter und Herrn Baur von der Polizei. Auch, um die Fahrradwege in Mindelheim wieder auf Vordermann zu bringen, könnten die Radcoaches ein Gewinn sein.“

Weshalb?

Prediger: „Die Coaches werden auch dazu angehalten sein, Rückmeldung zur Fahrradstrecke zu geben – beispielsweise, ob es größere Beschädigungen am Weg gibt oder Autos auf dem Fahrradweg parken. Dann müssten die Kinder nämlich auf die Straße ausweichen und das kann´s nicht sein! Schlecht aufgestellte Mülltonnen, um die die Kinder herumfahren müssen, sind das nächste Problem. Wenn so etwas regelmäßig auftritt, kann ich es weitergeben. Mindelheim wird wachsen aber im Moment wird man den Radverkehr noch mit kleinen Maßnahmen in die richtige Bahn lenken können. Deswegen wollen wir Mindelheim jetzt für die Zukunft rüsten.“

Klingt vielversprechend. Wie sieht Ihr Zeitplan nun aus?

Prediger: „Ich habe ein Schreiben aufgesetzt, wo Eltern sich melden können, dass ihre Kinder begleitet werden sollen. Sobald klar ist, wie groß das Interesse ist, wird es auch noch eine Infoveranstaltung geben, wo bereits konkret geklärt wird, welche Gruppenbildung sich anbieten würde.“

Und wann soll´s für die Coaches losgehen?

Prediger: „Bis Ende Februar sollten die Interessenten am besten schon ausgebildet sein. Je mehr Helfer wir bis dahin zusammenbekommen, desto besser. Wer Lust hat, künftig Gruppen zu betreuen, egal ob einmal oder mehrmals pro Woche, kann sich per Telefon bei mir unter Tel. 08261/731964 oder bei der Stadt melden.“

Interview: Marco Tobisch

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