Wegen Coronazahlen nur als „Ausstellung Light“

Nina Schmid zeigt ihre künstlerische Vielfalt im Mindelheimer Salon

Nina Schmid Künstlerin Mindelheim
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Die Vielfalt kommt für Nina Schmid auch beim Lockdown zum tragen: Während die Künstlerin einerseits die Entschleunigung genießt, muss sie bei ihrer aktuellen Ausstellung Abstriche machen.

Mindelheim – Welch unterschiedliche Geschichten das Leben schreibt und dass der Mensch sie nicht nach Belieben steuern kann, führen die Monate seit März deutlich vor Augen. Auch auf Künstlerin Nina Schmid wirkt sich der neue „Lockdown Light“ unmittelbar aus: Sie wollte im November die Vielfalt ihre Werke im Mindelheimer Salon zeigen, muss aber nun mit einer coronakonformen Ausstellungsversion vorlieb nehmen – ohne Vernissage, ohne Öffnungszeiten und deshalb beinhahe ohne Publikum. Wie sie dennoch das Positive aus der Corona-Zeit zieht und wie sich Geschichten des Lebens in ihrer Kunst wiederfinden, erzählt ­Nina Schmid im Gespräch mit dem Wochen KURIER. 

Dass es in der Coronazeit spannende neue Wege gibt, Kunst zu präsentieren, zeigte Schmid erst vor wenigen Tagen bei der Firma Kleiner. Das Mindelheimer Unternehmen hatte auf besondere Weise seinem verstorbenen Firmenchef Ludwig Kleiner gedacht (der Wochen KURIER berichtete) – mit einem von Lichtspektakeln durchzogenen Autoparcours, bei dem die Besucher mit ihren Fahrzeugen auch an einer Ausstellung von Nina Schmid vorbeirollten. Sie hatte auf sieben Lkw-Ladeflächen insgesamt neun ihrer Kunstwerke platziert. Zu dieser Gelegenheit gekommen war sie nicht nur durch persönliche Beziehungen zur Firma. Sie hatte im Auftrag von Brigitte Kleiner deren verstorbenen Mann anlässlich seines 60. Geburtstags, der in diesen Tagen gefeiert worden wäre, porträtieren dürfen. Das Motiv: Ludwig Kleiner in seinem letzten Urlaub am Meer. „Das ging mir wirklich sehr nah“, gesteht Nina Schmid. Auch bei anderen Aufträgen setzt sich die Künstlern auf sehr persönliche Art und Weise mit dem Ableben auseinander. Unter anderem bemalte sie auch schon Urnen, beispielsweise mit einem Motorrad oder einem Skorpion. Den Weg zur allerletzten Ruhestätte zu begleiten und zu wissen, „dass dieser Mensch damit sehr glücklich gewesen wäre“, sei eine „sehr schöne Arbeit“, sagt Schmid.

Faible für den Glanz

Wer die Künstlerin – rote Haare, gelbe Strickjacke – vor sich sieht, dürfte aber bereits vermuten: Bunt und lebendig kann die 41-Jährige mindestens ebenso gut. Überhaupt, das zeigt auch die Ausstellung im Mindelheimer Salon, ist das breite Repertoire eine große Stärke der Mindelheimer Künstlerin. „Sie ist unheimlich vielfältig“, lobt auch Kunstvereinsvorsitzende Christel Klemenjak. Von abstrakten Landschaftsbildern, die Schmid unter anderem für die Kleiner-Ausstellung gemalt hatte, sind unter den 30 ausgestellten Werken auch bekannte Motive aus Mindelheim zu finden. Ein weiteres Faible kommt gleich in mehreren ihrer Bilder zum Vorschein, unter anderem im größten Werk der Ausstellung, das immerhin stolze zwei auf 1,60 Meter misst: „Ich mag den Glanz“, sagt Schmid, die deshalb den Untergrund ihrer Bilder auch mit Schleifer und Spachtel präpariert und auf diesem Blattgold oder Silber anbringt. So bekommt die Oberflächenstruktur, die im Salon von Scheinwerfern in Szene gesetzt wird, einen markanten Schimmer – mal mit Motiv und mal ohne.

Motive, die in ihrer Heimat derweil jeder kennt, bringt die 41-Jährige ebenfalls gern zu Papier. „Ich liebe Mindelheim“, erzählt Schmid, die beispielsweise Ansichten vom Unteren Tor oder der Stadtpfarrkirche gemalt hat. Aufällig sind dabei schwarze Striche, die Schmid als künstlerisches Element entlang von Gebäudekanten setzt – ganz akribisch mit der Spachtel. „Das muss sitzen, da braucht man eine ruhige Hand“, weiß die Künstlerin, die ihren Architekturbildern dadurch nicht nur Stabilität und Ordnung, sondern in erster Linie einen modernen Touch geben will.

Auch die sehr unterschiedlichen Größen der 30 Kunstwerke fallen auf. Warum das so ist? „Wenn ich zur Ruhe kommen will, male ich gerne etwas kleinere Motive“, erklärt Schmid. Sie trage dann Kopfhörer, beschalle sich mit lauter Electro- oder Technomusik und male dann teils bis spät in die Nacht.

Dafür wechselte sie letztes Jahr sogar in ein eigenes Atelier im „Joshi´s“ in der Frundsberg­straße. Während des ersten Lockdowns, wo auch in Bar und Res­taurant die Gäste fernbleiben mussten, fehlte es rund um ihre neue Malstube aber plötzlich an „Leben“. Auch Schmid zog sich folglich ins „Homeoffice“ zurückzog, wo sie in Sachen Kunst aber kürzertrat: Ihre Zeit widmete sie in den Frühjahrsmonaten nämlich überwiegend ihrer großen Spendenaktion, bei der die Mindelheimerin Essensgutscheine und Lebensmittel – am Ende im Wert von über 14.000 Euro – an die Tafel übergab (mehr dazu hier).

Entschleunigt

Eine Wiederholung der ­Spenden­aktion werde es während des „Lockdown Light“ aber nicht geben, stellt ­Nina Schmid klar. Sie genieße derzeit „die Entschleunigung“ und, dass man in diesen Tagen „nicht mehr den Druck hat, überall dabei sein zu müssen“.

Hinderlich aber dennoch: Die nach jetzigem Stand beschlossenen Lockdown-Wochen fallen fast taggenau mit Nina Schmids Ausstellung im Salon zusammen, wo deshalb keine Vernissage stattfinden und kein größeres Publikum eingelassen werden kann. Kompromiss deshalb, wie auch der Kunstverein mitteilt: „Nina Schmid zeigt Bilder aus verschiedenen Schaffensperioden in unserem geschlossenen Salon, ist aber gerne bereit, diese nach Vereinbarung Interessenten zu zeigen.“ Wer die Ausstellung nicht nur übers Schaufenster sehen will, sondern auch gern durchschlendern würde, kann über die Homepage www.ninaschmid.de Kontakt mit der Künstlerin aufnehmen. Bis Ende November sind ihre Werke ausgestellt.

Marco Tobisch

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