Gruschka: "Ich habe Lust auf mehr"

Nominiert: Bad Wörishofer Bürgermeister Paul Gruschka tritt wieder zur Wahl an

+
Alex Eder (v. rechts) ist der Kandidat der Freien Wähler für den Landratsposten, Paul Gruschka für den Posten des Bürgermeisters in Bad Wörishofen. Gemeinsam mit ihm bewerben sich Wolfgang Hützler (links) und Thomas Vögele (Mitte) um ein Stadtratsmandat. Rückendeckung bekommen sämtliche Kandidaten vom Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (2. v. links).

Bad Wörishofen – Quasi einstimmig hat der Ortsverband Bad Wörishofen der Freien Wähler Paul Gruschka als Bürgermeisterkandidaten nominiert. Gruschka, der als Quereinsteiger vor nicht ganz sechs Jahren erstmals zum Bürgermeister der Kneippstadt gewählt worden war, gab in seiner Rede im Hotel Sonneck einen Einblick in seine Pläne für die Stadt und meinte: „Ja, ich will kandidieren. Ich habe Lust auf weitere sechs Jahre.“ Dabei sprach er auch Themen wie Haushaltskonsolidierung, Gewerbesteuerhebesatz und Stabilisierungshilfen an.

Er sei gerne Bürgermeister der Stadt Bad Wörishofen, meinte Gruschka. Seine erste Amtsperiode sei spannend, fordernd, interessant und arbeitsintensiv gewesen. „Manchmal auch so schwierig, dass sich die Bürger um mich sorgten“, so Gruschka. Aber es seien sehr schöne und menschlich bereichernde Jahre gewesen, „die ich mit den Bürgern von Bad Wörishofen erleben durfte“. Neues sei entstanden und Bewährtes habe man weiterentwickelt. Und er habe Lust auf mehr: „Ich will die Gegenwart und Zukunft von Bad Wörishofen mit all meinen Talenten und meiner Erfahrung gestalten.“ Aufgrund seines damaligen Berufes, Gruschka ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, habe er sich schon 2014 die Schwerpunkte seiner Arbeit bei der Konsolidierung des Haushaltes, der Stärkung der Wirtschaftskraft, der Förderung des Tourismus sowie des sozialen und privaten Wohnungsbaus und die Unterstützung aller Vereine und Ehrenamtlichen gesetzt, erklärte Gruschka.

Verpflichtet

Dass er mit seinen Schwerpunkten Recht behalten sollte, führte Gruschka in einem Rückblick aus. „Meine Prognose von 2014 traf zu“, so Gruschka zum Thema Haushalt: „Denn aufgrund der damaligen Gesamtschulden von Stadt und Stadtwerken (2013 ca. 23,8 Millionen Euro) ist die Stadt Bad Wörishofen zur Haushaltskonsolidierung verpflichtet, auch noch im Jahr 2019“. Und diese Aufgabe bestehe noch, betonte Gruschka, obwohl man die Schulden der Stadtwerke mittlerweile fast halbiert habe. Aber: „Wir müssen das aktuell niedrige Zinsniveau zum Schuldenabbau nutzen“, sagte der amtierende Bürgermeister. Womit Gruschka auf einen heiklen Punkt zu sprechen kam. Denn: „Eine Haushaltskonsolidierung ohne normalen Gewerbesteuerhebesatz im Bereich des Nivellierungshebesatzes von 310 von Hundert ist schwerlich möglich“. Der Stadt bleibe beim derzeitigen Hebesatz von 240 Prozent aufgrund des kommunalen Finanzausgleichs netto von den Gewerbesteuereinnahmen zu wenig. Darauf würden Rechtsaufsicht und der Bayerische Kommunale Prüfungsverband permanent hinweisen. „Die derzeitige Stadtratsmehrheit ist aber nicht bereit, dies zu ändern“.

Erfreulich sei demgegenüber die Entwicklung der Gewerbesteuer 2019 mit derzeit gut elf Millionen Euro (erwartet waren 9,6 Millionen), allerdings seien auch hier erhebliche Einmalzahlungen enthalten. Daher sollte die geplante Kreditaufnahme von zwei Millionen Euro bei diesen Zahlen vermeidbar sein, merkte Gruschka an. Und so mindere die Tilgung von 974.000 Euro die Schulden der Stadt (zur Zeit etwa 15,5 Millionen Euro) tatsächlich. Doch für Gruschka steht fest, „eine Stadt mit einem Kurbetrieb hat nun mal einen höheren Aufwand und braucht mindestens normale Gewerbesteuern“. Dies ergebe schon ein schlichter Vergleich mit den Hebesätzen anderer Kurorte. Deshalb auch sei „es für mich nur konsequent, an Stabilisierungshilfen zu denken“. Allerdings habe die Stadtratsmehrheit deren Beantragung abgelehnt, obwohl die Stadt zur Haushaltskonsolidierung verpflichtet sei. „Andere Kurorte in Bayern waren sich nicht zu schade, Stabilisierungshilfen zu beantragen und haben Millionenbeträge erhalten“, sagte der Bürgermeister.

Fördermittel für die Stadt

Mit Blick auf das Engagement der Stadt stellte Paul Gruschka dann auch unmissverständlich klar: „Im Falle meiner Wiederwahl werde ich weiterhin darauf drängen, dass die Stadt Bad Wörishofen Fördermittel erhält, um ihre notwendigen Investitionen tätigen zu können“. Nach seinem Verständnis solle die Stadt Bad Wörishofen mehr zu bieten haben, als Daseinsvorsorge. Dabei sei aber immer zu beachten, dass sich das kommunale Investitionsmanagement zwischen dem Notwendigen, dem Wünschenswerten und dem Finanzierbaren bewege. Denn es stünden auch gewaltige Investitionen an, richtet der 61-Jährige seinen Blick nach vorn.

Die Themen der nächsten sechs Jahre seien deshalb die Haushaltskonsolidierung und der Schuldenabbau bei gleichzeitigem Abbau des Investitions­staus. Und weiter: „Im Baubereich stehen gewaltige Investitionen, zum Teil seit Jahrzehnten, an“. So nannte Gruschka das Dorfgemeinschaftshaus in Schlingen und den Neubau der Kindertagesstätte und Hort, Brand- und Hochwasserschutzmaßnahmen in und für Bad Wörishofen und Erweiterung der Kläranlage, die bislang bei jedem Neubau zur Sprache kommt. Auch die Zukunft des Rathauses bewegt Paul Gruschka, ebenso der Umbau des Kindergartens St. Anna, die Kanalsanierung und Abwasseranlagen in den Ortsteilen sowie diverse Straßenbaumaßnahmen. Gut eine Million Euro wird allein die Beschaffung von vier Mittleren Löschahrzeuge für die Ortsteilfeuerwehren kosten und einen halbe Millionen Euro werde man bei der Erweiterung des Kreis-Seniorenheim beisteuern müssen.

Es sei ihm als Bürgermeister aber wichtig, Vorbild zu sein. So stehe nicht nur die Entwicklung und die Zukunft „unserer Stadt“ immer an erster Stelle. „Ich bin gerne hilfsbereit, soweit dies zulässig ist. Unverzichtbar ist für mich, dass alles, was ich sage, wahr ist“, unterstrich Gruschka. Mit seiner Geduld, Ausdauer und Gelassenheit werde er niemals aufgeben. Die „Schuldenfreiheit und Sparsamkeit sind für mich wichtige Tugenden eines Bürgermeisters“. Und er habe mehrmals seinen Mut zu Entscheidungen bewiesen, erinnerte Gruschka die rund sechs Dutzend Zuhörer bei der Nominierungsveranstaltung. Deshalb auch wolle er für die im Privatbesitz befindlichen Immobilien wie Kneippianum, das Kreuzerareal und das Dominikanerinnenkloster gute Lösungen finden und auch das Sebastian-Kneipp-Museum solle zeitgemäß gestaltet werden. Natürlich, so Gruschka, könne er das Geleistete und das noch vor ihm liegende nur ausschnittsweise darstellen. 

Die Listenkandidaten der Freien Wähler in Bad Wörishofen

Doch, lobte der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete und Fraktionskollege Bernhard Pohl, habe Gruschka Maßstäbe gesetzt. Bad Wörishofen sei lange das Sorgenkind gewesen, so der Ostallgäuer; das sei jetzt anders. „Du hast mit deiner Geradlinigkeit, deiner Offenheit und deinem Optimismus große Dinge bewegt“, attestierte Pohl. Gruschka selbst wünschte sich, gemeinsam mit den nominierten Kandidaten für den Stadtrat, frischen Wind in den Rat zu bringen. Und so könne man „jene (Stadträte) in die Schranken weisen, die gerne Trouble machen“. Neben Wolfgang Hützler und Thomas Vögele, die bereits jetzt dem Stadtrat angehören wurden unter anderem auch Gruschkas Tochter Pia als Kandidaten aufgestellt.

Oliver Sommer

Die Bad Wörishofer Stadtratsliste der Freien Wähler:

1. Paul Gruschka, 2. ­Wolfgang Hützler, 3. Thomas Vögele, 4. ­Joachim Nägele, 5. ­Manfred ­Gittel, 6. Ingo Klein, 7. ­Angelika Beck, 8. Christoph Hienle, 9. ­Suleyman Takilel, 10. ­Ulrich Kreuzer, 11. Markus Bär, 12. ­Rüdiger Ziehl, 13. Vera ­Guggemos, 14. Wolfram Tatzkow, 15. Franz ­Henkel, 16. Pia Gruschka, 17. ­Patrick Walter, 18. ­Bettina ­Weidner, 19. Paul Oswald, 20. Rosa Rotter, 21. Ralf Ocker, 22. Markus Becker, 23. Anton ­Schreiegg, 24. Margarethe Gubi

Auch interessant

Meistgelesen

Bilder vom Mindelheimer Weihnachtsmarkt: Ein Ort zum Verweilen
Bilder vom Mindelheimer Weihnachtsmarkt: Ein Ort zum Verweilen
Massencrash: A96 bei Mindelheim zweieinhalb Stunden komplett gesperrt
Massencrash: A96 bei Mindelheim zweieinhalb Stunden komplett gesperrt
Planung, Beratung und Betreuung bis hin zu ihrem fertigen Treppenlift
Planung, Beratung und Betreuung bis hin zu ihrem fertigen Treppenlift
Weihnachtsmarkt geht in der Kulturfabrik und am Heimatstrand in die Verlängerung
Weihnachtsmarkt geht in der Kulturfabrik und am Heimatstrand in die Verlängerung

Kommentare