Bürgerversammlung in Markt Wald

Hausaufgaben gemacht

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Alle Finger gingen nach oben, als Bürgermeister Peter Wachler nachfragte, wer denn gerne eine Nahversorger im Ort hätte.

Markt Wald – So viele Bürger mitnehmen wie möglich, das möchte der Markt Walder Bürgermeister Peter Wachler. Damit sind an sich die Entscheidungen gemeint, die Wachler und seine Gemeinderatskollegen im Rathaus treffen, wörtlich konnte man das allerdings auch bei der diesjährigen Bürgerversammlung nehmen. Mehr als 100 Interessierte waren nach Oberneufnach ins Haus der Vereine gekommen, um zu hören, was der Rathauschef zu berichten hatte. Und da gibt es Gutes wie Schlechtes, aber vor allem Interessantes zu berichten.

Bürgermeister Peter Wachler lud zur Bürgerversammlung ein.

Den Auftakt machte Peter Wachler aber mit dem Image, das Markt Wald hat oder vielmehr bekommen soll. Denn es gibt eine nagelneue Homepage mit einem schönen Imagefilm, den Wachler zunächst vorstellte. Um aber klarzustellen, dass die Bürgerversammlung „ihre Veranstaltung“, also die der Bürger sei, gebe es nach seinem Bericht Gelegenheit, Fragen zur Kommunalpolitik und dem Geschehen im Dorf zu stellen, sagte Wachler.

 Das taten die Markt Walder dann auch. Wobei das Thema Bürgerversammlung ganz oben anstand. Denn die Unzufriedenheit mit dem Umstand, dass es nur noch eine Bürgerversammlung für alle Ortsteile, zwar in jedem Jahr in einem anderen gebe, aber eben nur noch noch eine für den ganzen Ort, nagte an dem einen oder anderen Bürger. Habe man das nicht in die Eingemeindungsverträge geschrieben, dass jeder Ortsteil, neben Oberneufnach auch Anhofen, Bürgle, Immelstetten, Schnerzhofen und Steinekirch, Anrecht auf eine eigene Versammlung habe, erinnerte sich der eine oder andere und hakte nach. Ein Umstand, den Wachler klären möchte, hatte er es doch so schon von seinem Vorgänger übernommen. 

Kommt die Strabs? 

Auch in einem weiteren Punkt zeigten sich die Bürger rebellisch, allerdings folgen sie damit eigentlich dem Kurs ihres Bürgermeisters. Der hatte, nachdem nun die Halbzeit seiner Amtsperiode überschritten ist, über die Verschuldung des Ortes gesprochen und über seine Pläne bis 2020. Die sehen vor, vorhandenes Geld auf die hohe Kante zu legen für anstehende Investitionen, nicht aber Schulden über das notwendige Maß hinaus zu tilgen. Denn über dem Ort hänge ein „Damoklesschwert“ namens Strabs – sprich: die Straßenausbaubeitragssatzung. 

Sie wurde in Markt Wald noch nicht umgesetzt, jedoch soll jeder Kreis bzw. Ort eine erlassen, zitierte Wachler die Vorgaben aus München. Bis zu 90 Prozent der Kosten können über die Strabs für den Ausbau und die Erneuerung einer Straße auf den Bürger abgewälzt werden – was Wachler gerne vermeiden möchte. Aber nur solange kann, wie er keine neuen Kredite für Investitionen aufnehmen muss. Denn dann würde das Landratsamt feststellen, dass der Ort nicht alle Einnahmequellen ausschöpfe und den Haushalt nicht genehmigen. 

Deshalb, stellte Wachler klar, sei man auf einem Sparkurs – der im übrigen Früchte trage – deshalb trete man bei bestimmten Projekten aber auf die Bremse, um Zeit zu gewinnen und Luft für andere Projekte zu haben. 1,5 Millionen Euro habe man dafür ins Sparschwein gesteckt, anstatt fast die Hälfte der Schulden der Kommune zu tilgen. So aber seien es heuer nur 10 Prozent gewesen, womit die Pro-Kopf-Verschuldung noch immer bei 1.440 Euro liegt. „Das tue ich für Sie! Ich will uns die Strabs ersparen – solange es geht!“, stellte Wachler klar. 

Gebühren steigen

 Dennoch kommt die Kommune nicht darum herum, die Gebühren, etwa für das Friedhofswesen, im kommenden Jahr zu erhöhen und damit für alle Friedhöfe im Ortsgebiet auf das gleiche Niveau zu bringen. Auch auf der anderen Seite, nämlich beim Nachwuchs, wird die Verwaltung künftig tiefer ins Portemonnaie der Bürger greifen, nämlich bei den Betreuungsgebühren im Kindergarten. Wobei weniger die durchschnittlich sieben Euro, die die Betreuung mehr kosten wird, Wachler umtreiben als der Umstand, dass man aus Bayern die Kitas in Berlin fördere. 

Und ist sich sicher, dass es den Kinder auch gut geht. Denn nach den Meldungen über Giftstoffe in der Bad Wörishofer Grundschule hatte Wachler auf eigene Kappe ebenfalls ein baubiologisches Gutachten machen lassen und vom ausführenden Ingenieur grünes Licht bekommen, dass man keine Schadstoffe gefunden habe. „Markt Wald hat seine Hausaufgaben gemacht“. Auch auf die Einsparungen, die man auch in der Grundschule vorantreibt, ging Wachler ein. So soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kläranlage dafür sorgen, dass auch dort weniger für den Strom gezahlt werde muss, den man künftig selbst herstellt. Das seien ihm die gut 22.000 Euro wert.

 „Heißes Eisen“ Dorferneuerung 

Bewegung in die Sache komme beim Thema Dorferneuerung, fasste Wachler zusammen. Zunächst berichtete er von den Maßnahmen am Regenrückhalt Steinekirch, ging aber auch darauf ein, dass es nicht weiter gehen wird. Die EU-Gelder seien eingefroren worden, so Wachler, nicht zuletzt auch weil es immer wieder Wechsel im zuständigen Amt gegeben habe. Mittlerweile sei der vierte Vorstand der Teilnehmergemeinschaft im Amt, auch der müsse erst einmal eingearbeitet werden. Man werde versuchen, die Dorferneuerung in Schnerzhofen und Steinekirch parallel laufen zu lassen. 

Auch beim Thema Breitbandausbau, vor allem 100 MB-Glasfaserkabel in jedes Haus, gibt es Fortschritte, auch wenn der eine oder andere Ortsteil nicht im Rahmen des Projektes „Gas + Glas“ versorgt werden wird.

 Nahversorger erwünscht 

Unterstützung erhält Wachler beim Thema Nahversorger, obwohl dieses Thema für Markt Wald ebenso wichtig wie derzeit offen ist. Bei seiner Nachfrage, wer sich einen Nahversorger wünsche gingen fast alle Finger hoch. Gleichzeitig zeigte Wachler auf, wie komplex und problematisch das Thema ist, denn Markt Wald ist für die interessierten Handelsgruppen nur zweite Wahl. Deren erste Wahl sei Tussenhausen und nur weil dort keine Grundstücke mehr zur Verfügung stehen, könnte sich beispielsweise Netto vorstellen, nach Markt Wald zu kommen. Und hätte gern das Grundstück in Sichtweite zum dortigen Edeka-Marktes. Wachler habe Verhandlungen geführt, unter anderem mit der Kirchenstiftung, der das Grundstück gehört. Doch derzeit gebe es bei Netto keine Reaktion auf seine Anfrage, so Wachler. 

Versorgung im Notfall 

Auch bei anderen Themen kämpft Wachler derzeit mit allen Mitteln, etwa was die Feuerwehr anbelangt. So brauchen die örtlichen Floriansjünger ein neues Haus, doch derzeit kann kein Bedarfsplan erstellt werden. Acht Gutachter aus der Nähe hätten schon aufgrund von Arbeitsüberlastung abgewunken, nun habe er zwei weitere Adressen, eine von einem Gutachter in Baden-Württemberg. Mit Blick auf das Dach des Bauhofs merkte Wachler aber fast zum Ende seines Vortrags an, dass auch er wieder Schulden machen werde, machen müsse, um die zahlreichen Projekte stemmen zu können. Auch um den Ort für die Jugend attraktiv und eben lebenswert zu erhalten. 

Dazu gehört auch das Thema ärztliche Versorgung. Nachdem der Ort schon einen Arzt bzw. den Anspruch auf die Stelle unwiderbringlich verloren hat – die Ärztin habe sich einfach aus dem Staub gemacht, so Wachler – sei man nun bemüht, einen Nachfolger für den verbliebenen und kurz vor der Pensionierung stehenden Mediziner zu finden. Auch hier gab es wieder Steine, die zunächst aus dem Weg geräumt werden müssen. Wo aber Wachler dabei sei, seine Hausaufgaben zu machen. Wie bei vielen Projekten, die der umtriebige Bürgermeister bereits zum Besten seiner Bürger hat lösen oder zumindest angehen können.

von Oliver Sommer

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