Neue Räume, neue Möglichkeiten

Pfarrsaal für Bad Wörishofer St. Justina: Spatenstich ist erfolgt

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Beim Spatenstich für den neuen Pfarrsaal in Bad Wörishofen griffen (von links) Pfarrer Andreas Hartmann, Bauleiter Sebastian Hofmann-Drexel, Steffen Georg Seitz und Georg Seitz vom Bauunternehmen, Bürgermeister Paul Gruschka, Franz Josef Pschierer, Pfarrerin Susanne Ohr, Christian Frühauf mit Sohn, Bernhard Ledermann und Architekt Walter Rohrmoser zum Spaten.

Bad Wörishofen – Es ist zwar nicht gerade ein Generationenprojekt, doch neben den älteren Mitgliedern werden vor allem die jungen Pfarrgemeindemitglieder in den Genuss des neuen Pfarrsaals und dessen Möglichkeiten kommen. Und so waren beim Spatenstich für den Neubau Junge wie Alte gefragt. Während die Älteren die schweren Aufgabe übernahmen, die Erde für das Bild des Spatenstichs auszuheben, hatten die Jungen drei Tage daran gearbeitet, dass dieser Tag ein besonderer würde.

„Euch schickt uns der Himmel“, so lautet das Motto der 72-Stundenaktion der Katholischen Kirche. Und dieses Motto ist Ausgangspunkt aller Aktivitäten rund um die Aktion. Die Projekte sollen politische und gesellschaftliche Themen aufgreifen, sind lebensweltorientiert und geben dem Glauben „Hand und Fuß“, heißt es in der Beschreibung der 72-Stunden-Aktion. Die Teilnehmenden setzen sich konkret vor Ort in ihrem Sozialraum ein – einen Raum, dessen Bedingungen und Probleme sie kennen. Und so hatten die Jugendlichen der Pfarrei St. Justina den Auftrag, alles für den Spatenstich im Pfarrgarten vorzubereiten. Wobei Pfarrer Andreas Hartmann den Jugendlichen, die unter anderem die Räumlichkeiten für den Empfang herrichten sollten und den Garten, auch mit auf den Weg gegeben hatte, für ein gutes Büffet zu sorgen. Nicht nur, weil man neben dem Architekten den Bürgermeister der Stadt, sondern auch Vertreter der beiden Kirchen im Ort und nicht zuletzt auch den früheren Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer erwartete.

Kreis schließt sich

Dabei laufen die Vorbereitungen zum Neubau schon sehr viel länger. Im Grunde genommen schon seit einem Vierteljahrhundert, wie Bernhard Ledermann in kurzen Worten skizzierte. Seinerzeit hatte man nämlich im Rahmen des Neubaus des Pfarrheims den Bau des Pfarrsaales seitens der Diözese gestrichen. Nun aber schließe sich der Kreis, so Ledermann, jetzt „kommt der Pfarrsaal neben das Pfarrheim in den Pfarrgarten“. Hatte man seinerzeit aus diversen Gründen auf den Neubau verzichtet, musste die Pfarrgemeinde nun reagieren, wie auch Bürgermeister Paul Gruschka erinnerte. Denn es habe einer Lösung bedurft für das alte Pfarr- und Jugendheim mit dem Hort in der oberen Mühlstraße, das man nicht mehr habe sanieren können, so Gruschka. Es seien viele Ideen für eine Ersatzlösung aufgekommen, aber ebenso rasch auch wieder verworfen worden. Man sei in Sorge gewesen, wie es mit dem Pfarrsaal weitergehe, aber auch mit dem Hort, auf den viele Familien in der Stadt angewiesen seien. Diese Sorge über die Ungewissheit habe die letzten Jahre seit 2016 geprägt. Nun aber erhalte die Kneippstadt einen neuen Pfarrsaal, ein „bauliches Zeichen in direkter Nachbarschaft zum Pfarrheim“, wie Gruschka meinte.

Schon Anfang Oktober des vergangenen Jahres habe man das gemeindliche Einvernehmen zum Bau erteilt, so der Bürgermeister und er könne nun auch das Ergebnis aus einer nicht öffentlichen Diskussion verkünden: nämlich, dass die Stadt den Bau mit einer Spende von 90.000 Euro, verteilt auf vier Jahre, bezuschusse. Ein Investitionszuschuss, so Gruschka, den die Katholische Kirchenstiftung angesichts der Bausumme von etwa 1,8 Millionen Euro beantragt hatte. Doch nicht nur damit sei die Pfarreiengemeinschaft entlastet, ist sich Gruschka sicher – baue doch die Stadt inzwischen auch den Hort und finanziere diesen. Ansonsten hätte Pfarrer Hartmann wohl in ganz anderen Dimensionen planen und wohl um die drei bis vier Millionen Euro nochmals auf die Bausumme „drauflegen müssen“. Das helfe sicherlich auch mit, war sich Gruschka sicher. Wichtiger noch aber sei der Umstand, dass der Pfarrsaal als Veranstaltungsort für bis zu 200 Menschen konzipiert ist mit diversen Räumlichkeiten wie einer Bühne, einem Noten- und Chorraum sowie einem Foyer. Nachdem man den Hort nun in der Brucknerstraße baue, habe die Pfarrei die großartige Chance gehabt, den Pfarrsaal komplett planen zu können. Pfarrfamilien­abende, Empfänge, Kinderfasching oder der Kinderbibeltag könnten nun im Pfarrsaal stattfinden, ebenso hätten Vereine die Möglichkeit, den Saal zu mieten. Eine Möglichkeit, so Gruschka, die von den Vereinsvertretern sehnlichst erwartet werde. Dank geschickter Planung des Architekten Walter Rohrmoser wird der Pfarrgarten dabei weitestgehend erhalten und auch weiterhin so grün bleiben, wie man das gewohnt ist. Dabei gelte Pfarrer Hartmann ein besonderer Dank dafür, dass er ein Stück des Pfarrgartens abgegeben habe. So stehe man nun an einem Aufbruch und die Energie sei nicht zu bremsen bei den Mitwirkenden, las Gruschka in den Gesichtern der Anwesenden, nicht zuletzt auch der Jugendlichen der 72-Stunden-Aktion. Er wünsche sich, dass der neue Pfarrsaal ein Ort sei, wo Lebenserfahrungen gemacht werden und in dem Begegnungen stattfinden können. „Ich wünsche, dass in diesem Haus Leben sein wird“.

Auch Pschierer hatte gewünscht, dass der neue Saal ein Ort sein möge, wo sich die Menschen begegnen können, angesichts der sozialen Medien (Facebook) Angesicht zu Angesicht, Face to Face. Es brauche solche Räumlichkeiten, damit sich die Menschen außerhalb von Funktionen (Beruf und Verpflichtung, wie Pschierer einleitend gemeint hatte) begegnen und austauschen könnten. Das wahre Leben finde eben nicht nur im Internet statt, wie manch einer mittlerweile meinte. Und es „soll ein Leben ohne Facebook sogar möglich sein“, meinte Pschierer, indem er den Erbauern des neuen Pfarrsaals zu ihrem Vorhaben gratulierte.

Der Bau soll binnen eines Jahres realisiert werden und spätestens im Sommer kommenden Jahres abgeschlossen werden, wie es in der Baubeschreibung heißt. Dann soll für 170 Menschen aufgestuhlt werden, neben der Bühne wird es auch eine Küche zum Anrichten der Speisen geben. Gedacht ist der neue Pfarrsaal einerseits für Veranstaltungen, die Paul Gruschka schon angesprochen hatte, weiterhin für Chöre und als Probenraum, für Vorträge und Musicalaufführungen. Über den Pfarrsaal ist auch das Pfarrheim barrierefrei erreichbar. 

Oliver Sommer

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