Knackpunkt Kanal

Planen mit Handicap: Erste Ideen für Kirchheimer Kita-Erweiterung vorgestellt

Kirchheim Kindergarten Neubau
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Auf der linken Bildseite ist der vorhandene und inzwischen zu kleine Kindergarten Maria Königin zu sehen. Mit einem Neubau auf der rechten Bildseite (Osten) soll der Raumnot abgeholfen werden.
  • Marco Tobisch
    vonMarco Tobisch
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Kirchheim – Die Notwendigkeit, die kirchliche Kindertageseinrichtung Maria Königin in Kirchheim zu erweitern, ist unbestritten. Deshalb konnte Bürgermeisterin Susanne Fischer in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Architektin Birgit Dreier vom gleichnamigen Architekturbüro Dreierarchitektur aus Krumbach begrüßen. Dreier stellte erste Ideen vor. Dabei wurde deutlich, dass die Planer diverse Probleme überwinden müssen.

Platz wäre genug auf dem Grundstück an der Haselbacher Straße, wo schon heute drei Kindergarten- und eine Krippengruppe betreut werden. Und der Bedarf, um wie viele Gruppen erweitert werden muss, ist auch geklärt. Eckdaten, mit denen Birgit Dreier durchaus arbeiten kann. Gäbe es nicht zwei Punkte, die alle Planungen ein klein wenig komplizieren.

Größte Herausforderung

Da ist zum einen ein Kanalrohr mit 800 Millimetern (also knapp ein Meter) Durchmesser, das sich von Nord nach Süd durch das Grundstück schlängelt und zwar genau so mittig, dass alle Planungen darüber verlaufen müssen. Und zum Zweiten der Niveauunterschied auf dem Gelände, steigt doch die Wiese um einen Meter vom Bestandsgebäude ausgehend an und liegt am tiefsten Punkt knapp zweieinhalb Meter unter dem Fußboden der Kita. Fakten, so Dreier, die in die Überlegungen Eingang finden und berücksichtigt werden müssen. Während man mit Geländeunterschieden heutzutage kein Problem beim Bau hat, stellt der Kanal eine Herausforderung dar, denn dieser darf nicht überbaut werden und muss jederzeit für Reparaturen zugänglich bleiben.

Gelöst hat das die Planerin mit einem zweiten Gebäude, das in gut zehn Metern Entfernung vom Bestandshaus steht und mit diesem über eine „Brücke“ verbunden ist. So können Kinder und Betreuungspersonal zwischen den Gebäuden wechseln, während theoretisch große Baufahrzeuge jederzeit Zugang zum Kanalrohr haben. Diese Variante wäre teilunterkellert, wo dann etwa Mehrzweckräume Platz finden würden. Ein Entwurf, der auf den ersten Blick wuchtig daherkommt, wie auch Bürgermeisterin Susanne Fischer meinte, die anfangs erschrocken gewesen sei, wie sie gestand. „Das sieht schon heftig aus“, so die Rathauschefin. Allerdings müsse man sehen, dass im Entwurf, einer von dreien, die die Architektin dabei hatte, noch die Fenster fehlen. Dreier hatte nur den Bedarf ermittelt und daraus die notwendige Fläche für die Gruppenräume abgeleitet bzw. die Kubatur des Neubaus, gut 4.700 Kubikmeter oder 1.150 Quadratmeter Fläche, ermittelt. Anschließend hatte sie diese Zahlen als Modell umgesetzt, um eben die drei Varianten, einmal mit Brücke, einmal mit „Balkon“, quasi einem Anbau im ersten Obergeschoss und einmal die Aufstockung des Bestandsgebäudes plus Neubau, zu skizzieren.

Wo die Vor- und Nachteile liegen

Die letztgenannte Variante hat klar die meisten Nachteile, neben dem überbauten und in Teilen nicht zugänglichen Kanal entstünde ein massives Gebäude; außerdem könnte nicht die maximal mögliche Förderung für den Kita-Neubau erreicht werden, da nur für wirklich neue Flächen Förderung fließt. Die Balkonvariante lässt zwar einen Zugang zum Kanal zu, allerdings nur mit kleinerem Baugerät, so Birgit Dreier.

Einzig die erste Variante ermöglicht uneingeschränkten Zugang zum Kanal, ist auf der Fläche voll förderfähig und ließe sich im laufenden Kindergartenbetrieb realisieren. Dabei würde der Neubau hochgezogen, während gleichzeitig der Kindergarten weiterlaufen würde und erst nach der Fertigstellung wird der Anschluss zum Bestandsgebäude hergestellt. Demgegenüber müsste bei Variante drei (Aufstockung) ein Ausweichquartier für die Kids gefunden werden, solange im Bestandsgebäude gebaut wird.

Der Neubau würde circa zwölf auf 30 Meter groß, ein Anbau könnte nochmals fünf auf 16 Meter groß werden. Die zweite Variante mit „Balkon“ würde ähnlich groß werden, hier hatte die Architektin versucht, ohne Keller auszukommen und dafür das Obergeschoss mehr ausgebaut, eben mit dem Rucksack. Hier muss die Technik für das Haus im Dach, bei Variante eins im Keller untergebracht werden. Der Neubau in Variante drei würde gut 250 Quadratmeter Grundfläche bekommen. Das Verlegen des Kanals hatte Dreier vorab noch nicht in ihre Kalkulation mit einbezogen, wie sie den Räten erklärte. Auch legte sie dar, welche Synergieeffekte man nutzen könnte mit einem neben dem Bestand errichteten Neubau, etwa bei der Technik oder den Personal- und Mehrzweckräumen.

Letzten Endes ging es, wie Fischer zusammenfasste, darum, welche Variante die Gemeinde weiterverfolgen sollte. Nach einer kurzen Diskussion, bei der es auch darum ging, ob man nicht den Kanal verlegen könnte, einigten sich die Räte auf die erste Variante. Susanne Fischer: „Es ist schon charmant, wenn nicht alles so gedrängt ist.“

Oliver Sommer

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