1.183 Kriminalfälle im letzten Jahr

Polizei Bad Wörishofen: Zahl der Straftaten geht nach oben

Polizei Bad Wörishofen
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Weniger Arbeit gab´s für Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier durch Corona gewiss nicht, das zeigen nun einige Zahlen. Maier klärte zuletzt zur Kriminalitätsentwicklung in seinem Dienstbereich auf.
  • Marco Tobisch
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Bad Wörishofen – Selten haben die Unterallgäuer mehr Zeit zu Hause verbracht als 2020. Und doch spiegelt sich diese Veränderung in der Kriminalstatistik der Bad Wörishofer Polizei kaum wider – weder beim Thema Drogen, noch bei Einbrüchen oder der „häuslichen Gewalt“, deren Anstieg viele Experten vorausgesagt hatten. Die Gesamtzahl der Straftaten ging nach dem niedrigen Stand des Vorjahres wieder nach oben.

„Jeder hat prognostiziert, dass die häusliche Gewalt ansteigen würde. Wenn Corona aber tatsächlich Einfluss gehabt hätte, dann würde da jetzt eine 100 stehen“, erklärt Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier mit Blick auf seine Unterlagen. Dort steht unter „häuslicher Gewalt“ eine 49, die sich vom Niveau des Vorjahres (50) kaum unterscheidet. Unter die häusliche Gewalt falle laut Maier, anders als häufig vermutet, nicht sämtliche Gewalt in einem Haushalt, sondern nur die zwischen zwei Intimpartnern. Meistens gehe es deshalb um Schwierigkeiten in einer Trennungsphase. Maiers Fazit: „Menschen in Beziehungen sind hier im letzten Jahr brav miteinander umgegangen.“

Anstieg nach Lockdown

Heuer könnte Corona sich aber auch durchaus in der Polizeistatistik niederschlagen, denn der Eindruck des Polizeichefs ist, dass inzwischen „alles ein bisschen stressiger und hektischer“ geworden sei. Auch nagen die Beschränkungen bei vielen inzwischen am Nervenkostüm: „Viele sind leicht depressiv und wenn was ist, explodiert man gleich“, meint Maier. So wäre auch letztes Jahr schon zu beobachten gewesen, dass während des ersten Lockdowns für die Polizei zwar ungewohnt wenig Arbeit anfiel, die Straftaten nach der Wiederöffnung aber schnell anstiegen und die ruhigen Vorwochen egalisierten. Die Gesamtzahl an Straftaten im Bereich der Bad Wörishofer Polizei, die sich neben der Kneippstadt auch noch um die Sicherheit in Türkheim, Ettringen, Markt Wald, Tussenhausen, Amberg, Wiedergeltingen und Rammingen kümmert, stieg 2020 auf 1.183 – und lag damit deutlich über dem Wert des Vorjahres, wobei die 994 Straftaten im Jahr 2019 den Tiefststand der letzten zwei Jahrzehnte bedeuteten. Nichtsdestotrotz, so Maier, müsse man die Frage aufwerfen: „Wo liegt´s im Argen?“

Deutlich sichtbar wird der Antieg bei der „Wirtschaftskriminalität“, bei der die Dienststelle letztes Jahr 65 Fälle im Vergleich zu elf Fällen 2019 bearbeiten musste. „Das heißt aber nix“, sagt Maier – hier gehe es überwiegend um Anlagebetrug, also nichts, was das objektive Sicherheitsgefühl beeinträchtigt.

Leichte Zuwächse gab es auch bei schweren Körperverletzungen (von 32 auf 38 im Vergleich zu 2019) und Diebstählen. „Dabei hätte Corona auf Diebstähle eigentlich einen positiven Einfluss haben müssen“, meint Maier. „Normale“ Diebstähle notierte er 31 mehr als im Vorjahr, Ladendiebstähle stiegen von 24 auf 32 Fälle – wobei der Polizeichef auch von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Leicht zurück gingen derweil Wohnungseinbrüche (von zehn auf acht Fälle). „Da hat es andere Landkreise sogar erheblich erwischt, das ist für die Leidtragenden immer ganz schlimm“, sagt Maier.

„Spirale nach unten“ droht

Ein Dorn im Auge des Dienststellenleiters ist weiterhin das Thema Drogen. 92 Rauschgiftdelikte – in den meisten Fällen geht es um Cannabis – reihen sich zwar nahtlos bzw. sogar mit einer kleinen Verbesserung zum Vorjahr in die Statistik ein. Maier meint aber: „Wir könnten auch 300 Fälle haben, das musst du aber auch personell packen“, denn Drogen seien ein reines „Kontrolldelikt“. Hinweise bekomme die Polizei hier nur selten, weswegen viel Eigeninitiative der Dienststellen gefragt sei. „Geben Sie mir ein paar Leute mehr. Dann werden Sie schauen, was hier los ist“, sagt Maier. Er appelliert auch an die Eltern, wachsam zu seien und ihre Sprösslinge vor der „Spirale nach unten“ zu bewahren. Immerhin: Am „Teufelszeug“ Crystal Speed ist der Landkreis Unterallgäu bislang vorbei gekommen, so Maier.

Dass die Leute während Corona viel Zeit im Internet verbrachten, darauf führt Maier zwei Entwicklungen zurück. Betrugsfälle, darunter neben Internetmaschen auch der „Falsche Polizist“, gingen in seinem Dienstbereich vom letztjährigen Tiefststand (117) wieder auf 146 hoch. Sorgen bereitet dem Polizeichef auch der Bereich „Sexualdelikte“, die 2020 um 100 Prozent zugenommen haben. Zu den 32 Fällen zählten neben Exhibitionisten auch die Anzeigen gegen Personen, die kinderpornografische Inhalte mit dem Handy versendet hätten. Dazu bereitet die Polizei derzeit auch ein Präventionsprogramm vor, das an Schulen wichtige Aufklärung leisten soll.

Soziale Kontrolle greift

Apropos aufgeklärt: 69,8 Prozent ihrer Fälle konnte die Bad Wörishofer Polizei im letzten Jahr lösen. Wobei Thomas Maier betont, sein Dienststellenbereich zähle wie der gesamte Landkreis Unterallgäu nachweislich (aufgrund der Häufigkeitszahl) zu den sichersten Regionen in ganz Deutschland. Besonders in den Dörfern rund um Bad Wörishofen „funktioniert die soziale Kontrolle“: Wo sich im Gegensatz zu Ballungsräumen die Nachbarn noch kennen und miteinander sowie auch übereinander reden, werde vieles „gleich im Dorf geregelt“, sagt Maier. Und in Streitfällen sei oftmals der Bürgermeister erster Ansprechpartner und nicht die Polizei. „Normalerweise musst du da allen einen Sheriffstern hinhängen“, so Maier. So zählte die PI Bad Wörishofen beispielsweise in Amberg, Markt Wald und Rammingen weniger als 20 Straftaten im gesamten Jahr 2020.

Marco Tobisch

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