Gewalt- und Drogendelikte nehmen zu

Polizei Mindelheim: Immer mehr Straftaten werden aufgeklärt

Polizei Mindelheim Statistik Kammerer
+
Gunter Kammerer von der Mindelheimer Polizei präsentierte kürzlich die Kriminalstatistik des letzten Jahres.
  • Marco Tobisch
    vonMarco Tobisch
    schließen

Mindelheim – Von sogenannten „Enkeltricks“, Diebstählen oder Drogenfunden berichtet die Polizei beinahe täglich. Ein Fazit zu den kriminellen Machenschaften des letzten Jahres zog nun ­Gunter Kammerer, Hauptkommissar bei der Mindelheimer Polizei. Die wichtigsten Aussagen: Die Anzahl der Straftaten ist nahezu auf dem gleichen niedrigen Stand wie im Vorjahr, die Aufklärungsquote konnte sogar verbessert werden.

Denn von 1.226 Delikten (Vorjahr: 1.211), die bei der Mindelheimer Polizei 2020 aufgelaufen sind, konnten die Beamten 72,4 Prozent (Vorjahr: 70,9 Prozent) klären – und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt der bayerischen Polizeidienststellen.

Besonders erfreulich und in diesem Fall sicher Quotenbringer war die Festnahme eines 25-jährigen Polen bei einer Verkehrskontrolle bei Bayreuth. Der junge Mann zeichnete verantwortlich für insgesamt 13 Diebstähle in und um Mindelheim. Überwiegend auf Werkzeug und Baumaschinen hatte es der 25-Jährige abgesehen – „und wollte diese dann Anfang Dezember außer Landes bringen“, wie Kammerer nun erklärte. Zum Diebesgut im Wert von rund 50.000 Euro zählte auch Inventar aus dem Mindelheimer Jugendzentrum „JiM“, das daraufhin einen Teil seiner Verluste zurückbekam.

Diese Werkzeuge und Baugeräte hatte die Polizei im Dezember bei einem 25-Jährigen gefunden. Er hatte 13 Diebstähle in und um Mindelheim begangen.

Mit diesem „dicken Fisch“ stieg auch die Aufklärungsquote im Bereich Diebstahl bei der Mindelheimer Polizei um fast zehn auf 46,3 Prozent. Gleichzeitig ging die Anzahl an Diebstählen zurück (minus 9,1 Prozent im Vergleich zu 2019), ebenso wie speziell „Wohnungseinbruchdiebstähle“. Dass die Leute in der Coronazeit viel daheim sind, wirke sich hier durchaus positiv aus, so Kammerer.

Mord, Totschlag und Raub, diese heftigen Delikte zählen allesamt zur Gewaltkriminalität. In diesem Bereich zählte die Mindelheimer Polizei im letzten Jahr 45 Fälle, neun mehr als 2019. Die allermeisten, nämlich drei Viertel dieser Straftaten, waren Körperverletzungen. Bis auf vier Fälle konnte die Polizei alle aufklären. Wie Kammerer erklärt, sei ein großer Teil der Körperverletzungen auf „familiäre Geschichten“ zurückzuführen. Auf die Frage, ob Corona und die Quarantäne verstärkt zu häuslicher Gewalt geführt hätten, erklärt der Hauptkommissar: „Dafür gibt es keine konkreten Anhaltspunkte.“

Polizistin verletzt

Spürbare Folgen trug derweil eine Polizistin davon, nachdem sie mit Kollegen eine Wohnungsdurchsuchung in Mindelheim durchgeführt hatte. Im Oktober hatten die Beamten in „richterlichem Auftrag“ bei einer 18-Jährigen nach Drogen gesucht. Als die Polizistin das Handy der Frau beschlagnahmen wollte, trat diese ihr mehrfach in den Bauch und beleidigte sie. Kammerers Kollegin musste daraufhin in die Mindelheimer Klinik und war zwölf Tage dienst­unfähig. „Sie hat es massiv erwischt“, ist Kammerer noch heute sichtlich schockiert über den Vorfall. Aber: „Die 18-Jährige hat die Quittung bekommen“, so Kammerer. Das Amtsgericht Memmingen verurteilte sie zu einer Bewährungsstrafe und drei Wochen Jugendarrest – obwohl bei ihr zunächst nur eine geringe Menge Marihuana gefunden wurde.

Drogendelikte nahmen im letzten Jahr übrigens stark zu (plus 47 Prozent im Vergleich zu 2019) – zumindest in der Statistik, denn wie Gunter Kammerer erklärt, seien Drogen ein klares „Kontrolldelikt“. Das bedeute: „Mehr Manpower, mehr Treffer“, so der Hauptkommissar. Obwohl sich die „anhaltend intensiven Kontrollen“ ausgezahlt hätten, sei die Dunkelziffer in Mindelheim, was Drogen angeht, weiter hoch. 95 Prozent der ihr bekannten Rauschgiftdelikte hat die Mindelheimer Polizei letztes Jahr aufgeklärt.

Gegen den Landkreistrend

Erfreulich sei laut Kammerer auch die numerische Entwicklung bei Betrugsfällen, etwa „Falschen Polizeibeamten“ oder Anrufern, die sich als Enkel oder „Microsoft-Mitarbeiter“ ausgeben. Hier wurden trotz der durch Corona zunehmenden Online-Aktivitäten und immer ausgefuchsteren Betrugsmaschen weniger Fälle (2019: 140, 2020: 127) registriert – übrigens entgegen des Trends im Gesamtlandkreis, wo die Zahlen minimal anstiegen. Wenngleich die Wachsamkeit der Bürger offenbar zugenommen hat, mahnt Gunter Kammerer: „Leider ist der Internetbetrug immer noch an der Tagesordnung.“ Die Aufklärungsquote beträgt hier 85 Prozent.

Marco Tobisch

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Corona-Schnelltests für Kunden: Wie Mindelheim dem Einzelhandel hilft
Corona-Schnelltests für Kunden: Wie Mindelheim dem Einzelhandel hilft
Blitzmarathon: Wo im Unterallgäu und in Memmingen ab Mittwoch kontrolliert wird
Blitzmarathon: Wo im Unterallgäu und in Memmingen ab Mittwoch kontrolliert wird
Bad Wörishofen verabschiedet Pfarrerin Susanne Ohr
Bad Wörishofen verabschiedet Pfarrerin Susanne Ohr
Ein buntes Bouquet für den Umwelt- und Naturschutz
Ein buntes Bouquet für den Umwelt- und Naturschutz

Kommentare