War´s die Mutter?

Prozess um Brandstiftung auf Unterallgäuer Hof: Videomaterial belastet Angeklagte

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Eine 79-Jährige ist angeklagt, den Stall am Hof ihres Sohnes angezündet zu haben. Am zweiten Verhandlungstag am Montag beschäftigte sich das Memminger Landgericht unter anderem mit Kamerabildern aus der Tatnacht.

Unterallgäu – Eine 79-Jährige soll den Stall auf dem Unterallgäuer Hof ihres Sohnes angezündet haben – weil er sie laut Staatsanwaltschaft dazu angestiftet haben soll. Die Aufnahmen einer Überwachungskamera aus der Brandnacht sprechen dafür.

25. Februar diesen Jahres, kurz vor 1 Uhr morgens: Im Haus der 79-Jährigen geht ein Licht an. Dann Geräusche – jemand ist im Hof unterwegs. Der Bewegungsmelder über der alten Milchkammer löst aus, im Schein des Hoflichts ist jedoch niemand zu sehen. Einige Minuten später wabern die ersten Rauchschwaden ins Bild. Um sieben Minuten nach ein Uhr geht das Hoflicht wieder aus, außer dichtem Rauch ist nicht mehr viel zu sehen, dafür umso mehr zu hören: das Muhen einer aufgeschreckten Kuh, das Knistern des Feuers und ein lautes, klopfendes Geräusch, von dem bereits ein Zeuge am ersten Prozesstag berichtet hatte. Kurz darauf, acht Minuten nach eins, bricht die Aufnahme ab.

Kamera selbst angebracht

Diese Bilder stammen von einer Kamera, die der ebenfalls angeklagte Sohn der 79-Jährigen selbst im Hof angebracht hatte. Die Aufnahmen decken jedoch nicht das ganze Gelände ab. Im Stall selbst hatten laut Aussage eines Kripobeamten dessen Pächter ebenfalls eine Kamera installiert. Von dieser gibt es jedoch keine Aufnahmen, weil sie zwar gefilmt, aber nichts gespeichert habe.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 79-jährige Angeklagte auf Geheiß ihres Sohnes den verpachteten Stall angezündet hat, um das Geld der erst fünf Tage zuvor abgeschlossenen Feuer- und Sturmversicherung zu kassieren. Der 48-Jährige war in der Brandnacht im Ausland.

Fotos der Polizei zeigen das Ausmaß des Brandes: Von dem Stall, in dem Pferde und Kühe untergebracht waren, ist bis auf ein Gerippe aus verkohlten Balken kaum noch etwas übrig. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 500.000 Euro. Auch die Tiere wurden in Mitleidenschaft gezogen: ein Pferd starb, andere wurden verletzt.

Der Cousin beziehungsweise Neffe der beiden Angeklagten hatte in der Brandnacht den Notruf gewählt. Er erzählte der 2. Strafkammer um Richterin Sabine Schuhmann, dass die 79-Jährige damals stark gezittert habe und allgemein in einem schlechten Zustand gewesen sei. Sie habe ihm erzählt, dass ihr Sohn gerade im Urlaub sei. Der Bruder der Angeklagten hatte derweil am vorherigen Verhandlungstag ausgesagt, dass der Angeklagte wohl in Ungarn „beim Zähnerichten“ gewesen sei.

Für den Prozess sind vorerst noch sechs weitere Termine angesetzt. Ein Urteil soll Mitte Dezember fallen.

am

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