Tochter eines Opfers sagt aus

Prozess um Messerangriff in Bad Wörishofen: Ein Kind ist wichtige Zeugin

Statue der Justitia
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Ein 48-Jähriger soll im Mai 2020 drei Frauen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben. Am Landgericht Memmingen muss er sich nun wegen versuchten Totschlags und versuchten Mordes verantworten.
  • vonAnna Müller
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Bad Wörishofen/Memmingen – Seit Februar läuft am Landgericht Memmingen der Prozess um eine schwere Gewalttat in Bad Wörishofen. Im Mai 2020 soll ein 48-jähriger Bulgare seine Partnerin, deren Mutter und eine Nachbarin mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben. Nun kam auch die damals acht Jahre alte Tochter der 35-jährigen Partnerin des Angeklagten zu Wort – per Videoaufzeichnung.

Im Verlauf des Prozesses kam eine ganze Reihe an Zeugen zu Wort: Neben Polizisten, Ärzten und Sachverständigen selbstverständlich die drei Frauen, die in dieser Nacht im Mai schwer und zum Teil sogar lebensgefährlich verletzt wurden. Eine besonders wichtige Zeugin hatte bisher jedoch noch nicht vor Gericht ausgesagt: die Tochter der 35-jährigen damaligen Partnerin des Angeklagten. Um ihr eine zusätzliche psychische Belastung zu ersparen, sah sich die Strafkammer am Donnerstag zunächst nur die Videoaufnahme an, welche die Polizei bei der Vernehmung des Kindes wenige Tage nach der Tat gemacht hatte.

Ruhig, klar und reflektiert beantwortet das Mädchen in diesen Aufnahmen die Fragen des Polizeibeamten. Die zu diesem Zeitpunkt Achtjährige spricht fließend Deutsch; zu ihrer Unterstützung ist bei der Vernehmung trotzdem eine Dolmetscherin anwesend. Die hilft manchmal auf Bulgarisch aus, wenn dem Mädchen bestimmte Begriffe gerade nicht einfallen wollen, und nimmt es zwischendurch immer wieder bei der Hand – vor allem dann, wenn es darum geht, was mit der Mutter des Kindes passiert ist.

Tochter holte Hilfe

In der Tatnacht war das Mädchen zunächst in seinem Zimmer, hatte aber noch nicht geschlafen. Wie es bei der Vernehmung erzählt, sei es in die Küche gegangen, wo die Mutter und der Angeklagte saßen. Nach einer Weile hätten die beiden zu Streiten angefangen; als der Angeklagte ein Messer nahm, rannte das Mädchen zu einer Nachbarin, um Hilfe zu holen. Wie ihre Mutter verletzt wurde, das habe die Achtjährige nach eigener Aussage nicht mehr gesehen. Gemeinsam mit der Nachbarin kam sie zurück zur Wohnung, „aber der hat sie gestochen“, sagt das Mädchen in der Videoaufnahme. Die 39-jährige Nachbarin hatte lebensgefährliche Stichverletzungen erlitten.

Zusammen flohen die beiden in die Wohnung eines weiteren Nachbarn. Ihm habe sie gesagt, „dass meine Mama Hilfe braucht“, so die Achtjährige, woraufhin der Mann in die Tatwohnung gegangen sei, um nachzusehen. Als er zurückkam, sei ihm der Angeklagte gefolgt und habe versucht, die Tür einzuschlagen. Zu diesem Zeitpunkt war schon mehrmals die Polizei gerufen worden – unter anderem auch von dem Mädchen selbst. Wie auch schon andere Zeugen berichtet hatten, sei der Angeklagte danach nach draußen gegangen und habe dem Nachbarn zugerufen, dass er ebenfalls rauskommen solle. Als dieser ihn jedoch aufforderte, zuerst das Messer wegzuwerfen, habe der Angeklagte dieses laut Aussage der Achtjährigen zunächst auf den Boden und dann auf das Dach einer Garage geworfen. Dort hatte die Polizei tatsächlich ein Messer gefunden – ein weiteres lag in der Tatwohnung.

Dass auch ihre Oma schwer verletzt worden war, das habe sie erst später von ihrer Mutter erfahren, erklärt die Achtjährige auf Nachfrage des Polizeibeamten im Video. Die Großmutter des Mädchens trug lebensbedrohliche Verletzungen davon.

Besonders tragisch: Die Mutter des Mädchens, die im Prozess auch als Nebenklägerin auftrat, wurde im März Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens. Nicht einmal ein Jahr nach der Tat, um die sich die laufende Verhandlung dreht, wurde sie in Bad Wörishofen erstochen. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.

So verlief der Prozess am Landgericht Memmingen bisher:

Bad Wörishofen: Drei Frauen mit Messer schwer verletzt - Prozessauftakt am Landgericht

Bad Wörishofen: Drei Frauen mit Messer schwer verletzt - Opfer sagen vor Gericht aus

Bad Wörishofen: Lebensbedrohliche Verletzungen - Prozess um Messerangriff wird verlängert

Prozess um Messerangriff in Bad Wörishofen: Nebenklägerin ist tot

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