Stadträte beginnen das neue Jahr traditionell mit Betriebsbesichtigung

Rathgeber: Millionen kleiner Schmuckstücke aus Mindelheim

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Entspannter Jahresauftakt: In der ersten Sitzung 2019 waren Mindelheims Stadträte bei der Firma Rathgeber zur Betriebsbesichtigung eingeladen.

Mindelheim – „Rathgeber steht auf den Produkten zwar nicht oft drauf, steckt aber sehr oft drin“, erklärte Geschäftsführer Andreas Schrägle den Mindelheimer Stadträten, die in der ersten offiziellen Sitzung des neuen Jahres in die Zuschauerrolle wechselten. Während Debatten im Rathaus noch ein paar Wochen auf sich warten lassen, wurden die Räte nämlich von Schrägle und seiner Ehefrau Andrea – ebenfalls Teil der Geschäftsführung – durch den Mindelheimer Produktionsstandort der Firma Rathgeber geführt.

Der Grund dafür, dass Rathgeber eigentlich in vielen Haushalten zu finden ist aber nur selten mit seinem Logo wahrgenommen wird, ist ein ganz simpler: „Wir sind Kennzeichnungsspezialist“, sagt Andreas Schrägle und zeigte die Idee seines Unternehmens anhand von folgendem Beispiel auf: Wenn einer seiner Kunden etwa eine Kaffeemaschine auf den Markt bringt, soll diese natürlich auch das Unternehmenslogo des Verkäufers – also Schrägles Kunden – möglichst attraktiv zur Geltung bringen. Rathgebers Aufgabe besteht dann zunächst in der Beratung, ob wohl ein Folienaufkleber, ein 3D-Logo oder vielleicht auch ein edler Aluminium-Schriftzug die beste Lösung ist. Im Fall der Kaffee­maschine prangte am Ende gut sichtbar das Produktlogo „Rösti 3000“, das dem fiktiven Kunden eine erfolgreiche Einführung in den Markt bescheren soll.

Auch das Druckverfahren spielt eine große Rolle: Wie die Stadträte von Betriebsleiter Dr. Alexander Darga anhand vieler Drucke aufgezeigt bekamen, unterscheiden sich insbesondere der Siebdruck und der Digitaldruck. Während der bei letzterem unter anderem Fotos, QR-Codes druckbar sind und insgesamt mehr Flexibilität bei der Farbgestaltung vorhanden ist, steht der Siebdruck noch heute für eine besonders hohe Qualität.

„Ein großartiges Geschäftsfeld“, wie Schrägle meinte, sei außerdem die RFID-Verarbeitung, bei der ein Chip in das gedruckte Produkt eingearbeitet wird, um dieses zu personalisieren. Diese sorgen beispielsweise dafür, dass Skifahrer problemlos durch die Drehkreuze an den Liften kommen.

Welch moderne Produkte Rathgeber 2019 produzieren würde, hatte Unternehmensgründer Anton Rathgeber, Großvater von Andreas Schrägle, in den Anfängen vor 70 Jahren wohl nicht ahnen können. Er hatte in München begonnen, Abziehbilder anzufertigen, mit denen Unternehmer schließlich ihre Produkte signieren konnten – ausschließlich mit Lack und Kleber habe sein Großvater damals gearbeitet, verrät Schrägle.

Dass das Unternehmen heute seinen deutschen Produktionsstandort in Mindelheim hat, ist auf die Firma Möhrle zurückzuführen, einst einer von Rathgebers wichtigsten Lieferanten. Als dieser Ende der 60er Jahre seinen Betrieb aufgeben musste, übernahm Rathgeber und produziert seither in Mindelheim.

Deshalb wurde im vergangenen Jahr im Juni auch ein Doppel-Jubiläum gefeiert: 70 Jahre gibt es nun schon die Firma Rathgeber, 50 Jahre davon am Standort in Mindelheim. Angestoßen wurde bei der Party sicherlich auch auf beeindruckende Zahlen wie die 150 Millionen Artikel, die das Unternehmen jährlich an seine Kunden ausliefert. Dabei verwies Schrägle auch auf die Branchenvielfalt seiner insgesamt rund 20.000 Kunden. Von Koffern, Parfums bis hin zu Klavieren würde fast alles mit Rathgeber-Logos beklebt. Und was den aktuell rund 325 Mitarbeitern (davon 120 in Mindelheim) des Familienunternehmens ruhige Nächte bescheren dürfte: Der größte Kunde macht einen Anteil von gerade mal sechs Prozent aus.

Immer der Zeit voraus

Spannend aus Sicht der Unternehmer sowie ihrer Mitarbeiter ist auch der Einblick in die Wirtschaft. Schließlich beklebt Rathgeber überwiegend Produkte, die noch gar nicht auf dem Markt sind – wie derzeit beispielsweise ein paar neue Ski eines namhaften Herstellers, der die neuen Bretter Schrägles Einschätzungen zufolge wohl auf der bevorstehenden Sportmesse „ISPO“ vorstellen möchte. „Wenn Sie also Ski fahren, schauen Sie in Zukunft nicht mehr auf die Berge sondern auf Ihre Ski. Da steckt bestimmt Mindelheim drin“, meinte Schrägle lachend in Richtung der Stadträte.

Lob für die „kleinen Schmuckstücke“, wie der Firmenchef seine Produkte zuvor bezeichnet hatte, gab´s von Bürgermeister Dr. Stephan Winter. Rathgeber sei ein „toller Betrieb“ und ein„Hidden Champion“, der vielen Mindelheimern den Arbeitsplatz sichere. Schön sei außerdem die hohe Quote (rund 15 Prozent) an Auszubildenden – wenngleich das Ehepaar Schrägle darauf verwies, dass sogar Potenzial für weiteren Nachwuchs bei der Firma Rathgeber vorhanden wäre – in fünf Berufen können sich junge Menschen dort ausbilden lassen. 

Marco Tobisch

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