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Raumluftanlagen für Wiedergeltinger Grundschule vorgestellt

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Von: Oliver Sommer

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Laut Planungsbüro habe man mit der Wiedergeltinger Grundschule ein kompaktes und überschaubares Anwesen vor sich, was die Installation von Raumluftanlagen vereinfache.
Laut Planungsbüro habe man mit der Wiedergeltinger Grundschule ein kompaktes und überschaubares Anwesen vor sich, was die Installation von Raumluftanlagen vereinfache. © Sommer

Wiedergeltingen – Vor einiger Zeit schon ging es im Wiedergeltinger Gemeinderat um das Thema Lüftungsanlagen für die Grundschule. Seinerzeit hatte das Gremium beschlossen, einen Planer für die Umsetzung zu beauftragen. Nun stellte Andreas Füssinger vom Ingenieurbüro hls.plan Füssinger die detaillierten Ergebnisse seiner Untersuchungen vor und machte Vorschläge für eine stationäre Raumbelüftung.

Die Versorgung von Klassenzimmern mit Frischluft bzw. der Luftaustausch innerhalb der Räume stellt in der aktuellen Situation eine große Herausforderung dar. Nicht zuletzt deshalb sollen Klassenzimmer auf Anweisung der Politik regelmäßig belüftet werden, reichern sich doch nicht nur Kohlendioxid, sondern auch Aerosole in der Raumluft an; diese Aerosole stehen im Ruch, das Coronavirus zu übertragen und Menschen zu infizieren. Nicht zuletzt deshalb hatte die Staatsregierung Fördergelder für die Nachrüstung der Schulen mit mobilen oder stationären Lüftungsanlagen in Aussicht gestellt.

Klares Nein zu mobilen Raumluftanlagen

Wie auch schon in der Nachbargemeinde bzw. auch in Bad Wörishofen war man bei der Diskussion zu dem Thema im vergangenen Jahr zu der Überzeugung gelangt, dass mobile Raumluftanlagen das Problem nicht lösen. Diese können zwar die Raumluft reinigen, also von möglicherweise schädlichen Viren, Mikroben und Bakterien befreien, insbesondere aber der schädliche Kohlendioxidanteil bleibt in der Luft, da diese nur innerhalb des Zimmers umgewälzt wird. Nur mit einer Verbindung nach draußen kann der Sauerstoff in der Raumluft wieder erhöht werden. Beide Systeme, mobile wie stationäre, werden von der Regierung mit bis zu 80 Prozent gefördert, so dass man sich in Wiedergeltingen für eine stationäre Variante ausgesprochen hatte, die wie eine Art Klimaanlage einen Fensterflügel pro Klassenzimmer hätte ersetzen sollen, um frische, sauerstoffreiche Luft von draußen anzusaugen und in die Räume zu blasen. Der mit den Planungen betraute Ingenieur hatte allerdings nach dem Lokalaugenschein eine noch bessere Lösung für die Grundschulen erarbeitet, die Andreas Füssinger nun den Räten vorstellte.

Man habe bei der Wiedergeltinger Grundschule „ein kompaktes und überschaubares Anwesen“ vor sich, sagte Füssinger vorab. Allerdings verfolge er einen anderen Lösungsansatz, als man ihn bei der ersten Diskussion noch verfolgt habe, schob der Diplomingenieur aus Erkheim nach. Seine Firma, hls.plan berät nicht nur Kommunen, in Sachen technische Gebäudeausrüstung, unter anderem ist Füssinger auch an der Erweiterung des Landrats­amtes in Mindelheim beteiligt.

Den ersten Ansatz hatte Füssinger verworfen und stattdessen ein alternatives Belüftungsmodell vorgestellt. Dabei werden 15 Zimmer inklusive des Werkraums mit frischer, angewärmter Luft versorgt, anstatt wie ursprünglich angedacht, nur elf Klassenzimmer. Dazu bedarf es auch nur dreier Geräte, die für die einzelnen Etagen die Luft ansaugen und quasi geräusch­los in die Zimmer blasen. Im Maximalfall, bei 25 Personen pro Raum, werden so 625 Kubikmeter Luft pro Stunde umgewälzt, also die Luft 3,2 Mal pro Stunde ausgetauscht. Angesaugt wird die Luft, vor allem unter dem Dach, auf der Giebelseite und dann im Obergeschoss, von oben in die Zimmer geblasen. In den darunterlegenden Etagen (Erdgeschoss und Untergeschoss) werden die Zimmer mit Kanälen unter der Decke, die die Rohrleitungen beherbergen, verbunden, durch die die Luft in die Räume transportiert wird. Der größte Lufttauscher steht im Dachgeschoss, hier können bis zu 5.000 Kubikmeter Luft umgewälzt werden, alle drei Geräte schaffen bei Volllast 8.000 Kubikmeter pro Stunde.

Durch das vorgeschlagene Verfahren können mit Hilfe eines Rotationswärmetauschers bis zu 80 Prozent der Wärme aus der Raumluft zurückgewonnen werden, so genannte Nachheizregister, die mit der Heizung gekoppelt sind, erwärmen die Frisch­luft auf Raumlufttemperatur. Auch der Anteil der Luftfeuchtigkeit bleibt so erhalten, es wird also keine „trockene“ Luft in die Räume geblasen. Man habe versucht, erklärte Füssinger, die Zahl der Geräte gering zu halten, noch dazu stehen diese außerhalb der Klassenräume und sorgen so für keine zusätzliche Geräuschkulisse. Die, die Räume verbindenden, Luftkanäle werden zudem schallgedämmt. Brandschutzklappen sorgen dafür, dass im Falle eines Feuers die Flammen nicht durch die Kanäle durch das Gebäude weitergetragen werden können.

Fast 50.000 Euro muss die Gemeinde selbst zahlen

Neben den Kosten für die Lufttauscher sowie der Verrohrung kommen noch Sanitärkosten dazu, muss doch Kondenswasser aus den Rohren abgeleitet werden. Andreas Füssinger geht von Kosten in Höhe von rund 85.000 Euro für die drei Geräte aus. Dazu kommen rund 80.000 Euro für die Komponenten (Verrohrung etc.) sowie knapp 18.000 Euro für sonstige Leistungen und 4.500 Euro für die Sanitärarbeiten. In Summe also ziemlich genau 200.000 Euro netto. Dazu kommen noch knapp 38.000 Euro Mehrwertsteuer. Von diesen 238.000 Euro muss die Gemeinde Wiedergeltingen 20 Prozent, das entspricht 47.600 Euro, selbst stemmen. Das vorgelegte Konzept überzeugte die Räte – auch, dass Füssinger derzeit die alte Heizung im Gebäude für die Aufwärmung der Raumluft nutzen möchte. Dies wäre zwar auch mit Strom möglich, allerdings liegen dann die Kosten noch um einiges höher, kostet doch die Kilowattstunde Strom 30 Cent, während man beim Öl derzeit etwa neun Cent rechnen muss. Günstiger wird es erst bei einem Blockheizkraftwerk mit Pelletfeuerung. Allerdings ist das eine Planung für die Zukunft in Wiedergeltingen und derzeit noch nicht betriebsbereit.

Start in den Sommerferien

Beim zeitlichen Rahmen meinte Füssinger, man könne das Leistungsverzeichnis bis etwa April oder Mai erstellen, danach die Arbeiten ausschreiben und mit der Umsetzung im August beginnen. Insbesondere die Mauerdurchbrüche für die Luftkanäle, dafür werden Kernbohrungen benötigt, sorgen für erheblichen Lärm. Die Förderanträge hat die Kommune bzw. der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft bereits gestellt. Sollten allerdings Handwerker fehlen, könnten sich die Arbeiten nochmals um Monate verzögern. Derzeit werden bei vielen Schulen entsprechende Lüftungsanlagen umgesetzt. Mit der Bekräftigung, dass der gezeigte Entwurf gefalle, votierten alle Räte einstimmig dafür und machten deutlich, dass man die Leistungsausschreibung so schnell wie möglich angehen sollte.

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