»Wir brauchen die Praktiker, die anpacken«

188 Schüler der Berufsschule Mindelheim sind nun ausgelernte Gesellen

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Sieben Schüler bekamen für ihren sehr guten Notendurchschnitt die Landkreisurkunde von der stellvertretenden Landrätin, Marlene Preißinger (rechts), überreicht: Tanja Pinnecke, Georg Krammer, Valentin Spehs, Sofie Woerl, Maximilian Heiligsetzer, Eva Weber und Benedikt Joder.
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Klasse KBM 12: Kauffrau/-mann für Büromanagement
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Klasse KRT 12: Tourismuskauffrau/-mann
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Klasse GMF 13: Metallbauer für Nutzfahrzeugbau
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Klasse GBK 12: Berufskraftfahrer
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Die Band ManDiva (Daniela Maul und Manfred Röse) sorgte für musikalische Unterhaltung.
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Klasse GLM 13A: Mechatroniker für Land- und Baumaschinen
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Klasse GLM 13B: Mechatroniker für Land- und Baumaschinen

Mindelheim – 188 Berufsschüler/innen, die im Winter ihre Prüfungen hatten, feierten am Freitag ihren Berufsabschluss im Forum. Die Schüler der Berufsschule Mindelheim sind nun ausgelernte Gesellen.

Sieben Schüler bekamen für ihren sehr guten Notendurchschnitt die Landkreisurkunde von der stellvertretenden Landrätin, Marlene Preißinger (rechts), überreicht: Tanja Pinnecke, Georg Krammer, Valentin Spehs, Sofie Woerl, Maximilian Heiligsetzer, Eva Weber und Benedikt Joder.

Schüler aus acht Klassen der Berufsschule Mindelheim bekamen ihr Zeugnis überreicht. Damit geht ein lehrreicher Lebensabschnitt zu Ende, ein neuer beginnt. Die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben Kauffrauen für Büromanagement, Tourismuskauffrauen/-männer, Einzelhandelskaufmänner/-frauen, Verkäufer, Mechatroniker für Land- und Baumaschinen, Mechatroniker der Nutzfahrzeugtechnik, Metallbauer für Nutzfahrzeugbau und Berufskraftfahrer.

Sven Meyer-Huppmann, stellvertretender Schulleiter, führte die Absolventen durch den Vormittag. Er schätzt die „tolle Partnerschaft mit dem Landkreis“ und die „gute Ausstattung in der Schule“. Die „vielfältigen Kontakte“ zur Stadt und zu anderen Schulen seien wichtig. Vor diesem Hintergrund war auch Ute Wolfram, Schulleiterin der Mittelschule, zu Gast. Vertreten war auch Thomas Dürr von der Bundesagentur für Arbeit, Marlene Preißinger als stellvertretende Landrätin, der Dritte Bürgermeister Roland Ahne für die Stadt Mindelheim, Claudia Rossel-Meyer von der Handwerkskammer und Heinz Müller von der IHK Schwaben. 

Einige dieser„Glanzgäste“, wie Meyer-Huppmann sie nannte, forderte er zu einer Gesprächsrunde auf. Der 21-jährige Landmaschinenmechaniker, Georg Krammer, der zudem zu den Besten im Landkreis gehört, fungierte bei dem Gespräch als Sprachrohr für alle Schüler: „Wir haben eigentlich einen zweiwöchigen Mallorcaurlaub geplant. Den haben wir aber nicht geschafft. Somit bleibt es beim Umtrunk“, lachte Krammer. Erinnerungen an die Schulzeit werden auch bei Ahne und Preißinger wach. „Unser Lehrer hat seine Doktorarbeit mit Spickzetteln geschrieben“, dachte Ahne an seine Schulzeit zurück. Im Zeugnis von Preißinger sei immer gestanden: „Sie könnte, wenn sie wollte.“ „Ich war nie die beste Schülerin“, gab Preißinger zu. Im Hinblick auf die Abschlussberufe wäre Hotelkauffrau „ihr Traumberuf“, sagte Preißinger, da man dort mit anderen Menschen ins Gespräch käme. „Ich würde es heute noch machen.“

Gleiches denkt Krammer über seine Lehre: „Ich würde es wieder machen.“ Mit „wieder“ meinte er, die Ausbildung dem Studium vorziehen, trotz Abitur. In den zweieinhalb Jahren Ausbildung „gab es viele schöne Momente“, so Krammer. „Das familiäre Verhältnis zu den Lehrern“, wäre dennoch eine Umstellung im Vergleich zum Abitur gewesen. Auch die Abendausflüge, als sie im Wohnheim untergebracht waren, zählen zu den schönen Aspekten der Ausbildung. Weniger schön sei dagegen „der allmorgendliche Kampf um einen Parkplatz“, kritisierte Krammer. „Die Parkplatzkapazität ist sehr eingegrenzt an der Berufsschule.“

Für Ahne kommt eher der Beruf des Reiseverkehrskaufmannes in Frage, denn er lerne gerne Menschen im Ausland kennen. Es sei wichtig, mit anderen Menschen aus anderen Ländern zu sprechen. Dadurch akzeptiere man leichter die Meinung anderer.

Für die Berufsschule ist der Bezug zum Ausland grundlegend. Sie pflegt Partnerschaften zu Frankreich und zu Russland. Schüler können für drei Wochen dort zur Schule gehen und im Betrieb hineinschnuppern. Für Ahne sei es entscheidend, „mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, in Zeiten, wo Europa auseinander zu driften droht. Wir müssen Europa zusammenhalten.“

Im vergangenen Schuljahr reisten Schüler für drei Wochen nach Frankreich, um dort die Berufsschule und einen Betrieb zu besuchen. Dadurch sollten sie das französische Schulsystem kennenlernen und ihre soziale Fähigkeit ausbauen. Nun erhielten sie die Auszeichnung des Europapasses.

Preißinger nutzte die Gunst der Stunde, um auf das ehrenamtliche Mitwirken in Vereinen aufmerksam zu machen. „Wir brauchen ganz dringend junge Leute“ für die Vereine in den Dörfern, warb sie. Auch im Gemeinderat bräuchte man wieder frischen Wind. „Das Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren“, merkte Preißinger an. „Die Jungen sollen sagen, was sie brauchen. Sie sind unsere Zukunft und sind dadurch in den Gemeinden unheimlich geschätzt.“

Auch Müller hat ein Anliegen: „Wir brauchen die Praktiker, die anpacken können, die Pläne lesen und keine Akademiker.“ Man könne auch mit einer Ausbildung Karriere machen und von einer Bürokauffrau zur Betriebswirtin aufsteigen. Müller hofft, dass die Schüler andere zur dualen Ausbildung motivieren können. „Mach was draus, aus dem, was du jetzt gelernt hast“, appellierte er an die Schüler.

Julia Böcken

Rubriklistenbild: © Julia Böcken

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