Expertin erklärt, warum das Füttern den Tieren selbst und der Umwelt schadet

Schwäne füttern im Unterallgäu ist strafbar

Fütterung von Wildvögeln
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Wenn ein Schwan nach einem zugeworfenen Stück Brot schnappt, scheint er sich zu freuen. Doch die Fütterung von Wildvögeln ist weder im Sinne der Tiere noch der Umwelt – und darüber hinaus momentan strafbar, denn seit Februar gilt bayernweit ein Verbot.
  • Jessica Socher
    vonJessica Socher
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Unterallgäu – Viele Menschen haben Spaß daran, Enten oder Schwäne zu füttern. Doch aufgrund der Vogelgrippe ist das derzeit verboten. Der Landesbund für Vogelschutz rät ohnehin dazu, Wasservögel auch in Zeiten ohne Verbote nicht zu füttern.

Wochen KURIER-Leser Joachim Buchenau hatte sich vergangene Woche darüber geärgert, dass die Schwäne im Weiher bei Salgen regelmäßig mit Brot und anderen Backwaren gefüttert werden. Er geht davon aus, „dass die meisten Menschen, die diese Fütterung betreiben, dies ausschließlich in guter Absicht tun. Allerdings gilt auch hier: Gut gedacht, ist halt nicht immer gut gemacht.“

Derzeit ist das Füttern sogar strafbar, denn seit Februar gilt in Bayern ein Fütterungsverbot für Wasservögel. Grund für den Erlass waren mehrere Fälle von Geflügelpest seit Mitte November (der Wochen KURIER berichtete). Immer wieder breitet sich die Tierseuche in Deutschland aus, vor allem im Winter. Auch im Unterallgäu musste im vergangenen Winter gehandelt werden. „Es kommt darauf an, wie nahe das Vogelgrippevirus an das Unterallgäu heran kommt“, sagt Eva Büchele, Pressesprecherin des Unterallgäuer Landratsamtes. „Dann werden Maßnahmen gegen die Ausbreitung getroffen.“ Glücklicherweise wurde die Region verschont: Nach Auskunft des Landratsamtes Unterallgäu gab es im Landkreis innerhalb des letzten Winters keine Geflügelpest-Fälle.

Zeitweise gab es jedoch eine Stallpflicht für Geflügel in der Nähe von Gewässern. Diese wurde im Februar aufgehoben, nachdem die Fälle rund ums Unterallgäu zurückgingen. „Es gelten nur noch die Bio­sicherheitsmaßnahmen“, sagt Büchele. Das wären beispielsweise Schutzkleidung für außenstehende, betriebsfremde Personen, die einen Stall mit Geflügel betreten möchten, das Verbot von Geflügelausstellungen, -schauen und -märkte und eben auch das allgemeine Fütterungsverbot für Wildvögel (und damit auch Wasservögel) im gesamten Landkreis zu präventiven Zwecken.

Das allgemeine Fütterungsverbot von Wasservögeln gilt nun seit vier Monaten. Gemeldete Fälle von Missachtung, die als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, gab es bislang keine. „Das Fütterungsverbot von Wasservögeln ist ein kleiner Teil zum Schutz vor der Geflügelpest“, erklärt Büchele. So versuche man, Vogelansammlungen zu vermeiden, damit sich die Vogelgrippe nicht ausbreiten kann. Wasservögel wie Enten und Schwäne würden dabei häufiger gefüttert werden als beispielsweise Greifvögel oder Eulen, für die das Verbot auch gelte.

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) rät dazu, die Wasservögel auch unabhängig vom derzeitigen Verbot nicht zu füttern. Viele deutsche Städte haben mittlerweile ein Wasservogel-Fütterungsverbot ausgesprochen und weisen darauf mit Schildern hin – bei Miss­achtung droht eine Geldstrafe. Die Fütterung von Vögeln gelte laut LBV zwar „als häufigste Form der Interaktion zwischen Menschen und wilden Tieren“, doch sie sei bei Wasservögeln wie Enten, Gänsen, Schwänen und Rallen in der Regel unnötig, da sie in ihrer natürlichen Umgebung genug zu fressen finden. Dass die Tiere angeschwommen kommen, wenn sie Essen entdecken, liegt nicht immer daran, dass sie Hunger haben, sondern auch daran, dass das Futter bequemer zu bekommen ist, als wenn sie selbst etwas suchen müssten. Die intensive Fütterung wird zur Gewohnheit und daraufhin folgt das „Betteln“.

Wer trotzdem weiterhin die Enten und Schwäne im nächsten Teich füttern möchte, dem soll bewusst sein: „Falsches Füttern schadet mehr als es nützt.“ Das schreibt der LBV auf seiner Homepage. Besser wäre es dabei noch, die Vögel nur an Land zu füttern und das Futter nicht ins Wasser werfen. Das Wasser werde so nur unnötig verschmutzt und kann sogar „umkippen“, wenn die Tiere nicht das gesamte Essen fressen, das ihnen zugeworfen wurde. Brot weicht dann beispielsweise auf, sinkt an den Gewässerboden und fängt an zu gären. „Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt“, klärt der LBV auf.

Darauf weist auch Angelika Nelson vom LBV Referat Artenschutz hin: „Das Wasser wird verunreinigt und viele Tiere sterben aus“, beschreibt Nelson den Vorgang des „Umkippens“. Die Vögel sollen nur so lange gefüttert werden, bis sie satt sind. Danach soll kein weiteres Futter verstreut werden, auch damit beispielsweise keine Ratten angelockt werden. Der LBV weist zusätzlich darauf hin, kein verschimmeltes Essen zu verfüttern, denn das schadet auch den Tieren. Völlig ungeeignet als Nahrung sei Brot, das genau wie andere Backwaren im Magen aufquillt. „Getreide können Wasservögel schon essen“, sagt Nelson. „Für verarbeitetes Getreide ist die Verdauung jedoch nicht angepasst. Zucker, Salz und Hefe sind nicht leicht zu verdauen.“ Wesentlich besser seien deswegen Haferflocken oder spezielles Wasservogelfutter aus dem Fachhandel. Aber: In Maßen.

Als Idee, wie das umzusetzen wäre, schlägt Nelson einen Fütterungsautomaten am Gewässer vor, wie man ihn aus dem Streichelzoo kennt: Per Knopfdruck kommt „eine Hand voll“ geeignetem Futtermittel heraus. Dadurch, dass die Vogelliebhaber etwas dafür zahlen müssten, werde vermutlich auch nicht so viel gekauft und verschwendet, meint Nelson. ­Joachim Buchenau dagegen schlägt etwas Radikaleres vor: „Zur Zeit ist ja das Erlassen von Wasservögelfütterung grundsätzlich den jeweiligen Gemeinden überlassen. Vielleicht wäre es aus Tierschutzgründen doch besser, Wasservogelfütterung ganz generell zu verbieten, um die Tiere und die Gewässer zu schützen.“

Das sei aber gar nicht so einfach, erklärt Angelika Nelson: „Auf der einen Seite ist es ein tolles Naturerlebnis, wenn man die Tiere nah sieht – und sie kommen nur nah ran, wenn sie gefüttert werden. Dieses Erlebnis wegzunehmen, gerade den Stadtkindern, finde ich schade. Auf der anderen Seite verursacht das Füttern Probleme: Viele verschiedene Tiere und auch Tiere derselben Art kommen zusammen. Häufig verursacht das Futterstreit und Stress für die Tiere.“ Zudem entstehe beim Zusammentreffen vieler Wildvögel am selben Fleck ein „Hot-Spot“ – so schreibt es auch das Landratsamt in seiner Allgemeinverfügung zum Fütterungsverbot vom 2. Februar. Dadurch könnten sich Parasiten und Krankheiten eher und schneller ausbreiten.

Ebenfalls problematisch: Durch regelmäßiges Füttern kann es passieren, dass Vögel zutraulich werden und die natürliche Scheu vor Menschen verlieren. Das kann dazu führen, dass sie leichter Opfer werden von Hunden oder dem Straßenverkehr. „Es ist immer gut, wenn Wildtiere den Respekt vor Menschen behalten und Wildtiere bleiben“, sagt Nelson. Sie rät daher dazu, lieber die Tiere zu beobachten. „Der Bezug zur Natur und Vogelwelt ist wichtig“, sagt Nelson. „Allerdings mit Einhaltung bestimmter Regeln.“

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