Sich vor Ort ein Bild gemacht

Im Rahmen einer Informations­fahrt machten sich die Grünen aus dem Landkreis ein Bild von Konzepten zur Nahwärme. Unser Bild zeigt (von links): Markus Königsdorfer (Kreisvorsitzen­der), Ernst Miller (Vorstand der Nah­wärme Oberopfingen) und Rudolf Mendle (Grünen Orts­gruppe Türkheim). Foto: wk

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nfofahrt der Grünen zu Biogasanlagen Unterallgäu (wk): Um sich den drängenden Fragen im Hinblick auf Sinn und Nutzen aber auch der Probleme von Biogasanlagen besser stellen zu können, unternahmen Mitglieder der Kreisgruppe von Bündnis 90/Die Grünen mehrere Informationsfahrten. Maßgeblich für die positive Funktion von Biogasanlagen ist es nach ihrer Meinung, dass ein umweltverträgliches Gesamtkonzept, das u.a. eine sinnvolle Wärmenutzung beinhaltet, vorliegen muss. Aus diesem Grund wurden zwei ganz unterschiedliche Biogas-Anlagen in der Region besucht, um sich vor Ort ein Bild machen zu können. Die Infofahrt führte einmal im Rahmen einer e-tour unter Nutzung eines E-mobiles nach Oberopfingen. In diesem Ortsteil von Kirchdorf a.d. Iller wurde ein richtungweisendes Nah-wärmenetz mit einer Leitungslänge von etwa 4.600 Metern errichtet. Bis zur Nutzung als Heizquelle wurde die Wärmeleistung eines unweit des Ortes gelegenen von 14 ortsansässigen Landwirten betriebenen Biogas-Kraftwerks einerseits ungenutzt in die Luft geblasen, andererseits wurde gleichzeitig eine ganze Wohnsiedlung mit einzelnen Ölheizungen beheizt. Das war nach Meinung einiger umweltbewusster Oberopfingen nicht nur teuer, sondern auch eine umweltschädliche Verschwendung. Um dem gegenzusteuern, haben sie unter maßgeblicher Führung zweier aktiver Senioren eine Genossenschaft gegründet, mit dem Ziel ein Nahwärmenetz zur Nutzung der Bio-Wärme zu errichten. Die 80 Mitglieder haben sich in kurzer Zeit an die Planung und Umsetzung gemacht. Im Frühjahr 2010 konnte das Heizsystem unter Nutzung von bei der Biogasstromproduktion anfallenden Abwärme in Be-trieb genommen werden. Gegenwärtig werden 86 Häuser mit dem 75 Grad heißen Wasser von der mit 1 Megawatt leistungsstarken Biogas-Anlage versorgt. Von dieser einmaligen Investition profitieren nun sowohl die Kraftwerksbetreiber durch die zusätzlichen Einnahmen als auch die Hausbesitzer durch die wesentlich günstigeren und umweltverträglich verursachten Heizkosten. Die Umwelt wird entlastet durch die Einsparung von 200.000 Litern Heizöl und des daraus entstehenden CO2. Zustimmung fand trotz aller Problematik – Stichwort intensive Rinderhaltung - auch die Tatsache, dass über 60 Prozent Gülle zur »Fütterung« der Biogasanlage Verwendung finden. Das Projekt wurde ermöglicht durch das große Engagement der beiden Vorstände der Genossenschaft mit über 1.500 ehrenamtlich geleisteten Stunden für die Planung, Genehmigungen, Koordination und die spätere Überwachung der Bauarbeiten. Es ist auch geplant in Zukunft ein weiteres Wohngebiet anzuschließen. Bemerkenswert war auch die Tatsache, dass das Land Baden Württemberg dieses Projekt durch Fördergelder in nicht unerheblicher Höhe bezuschusst hatte. Während einer weiteren Erkundungstour auf dem Gebiet der erneuerbaren Energie wurde eine Anlage im Landkreis Unterallgäu besichtigt. Diese liegt südwestlich von Erkheim und wird von drei ortsansässigen Erkheimer Landwirten betrieben. Sie wurde 2005 mit einer Leistung von 350 Kilowatt zur Stromerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen, zunächst aber ohne Nutzung der entstehenden Wärme, errichtet. Dieser nicht optimale Zustand ließ die drei Betreiber nicht ruhen, und so wurde im Jahre 2009 eine Nahwärmeleitung nach Erkheim mit Anbindung von derzeit 39 Häusern realisiert. Im Gegensatz zu Oberopfingen, wo das Leitungssystem genossenschaftlich finanziert wurde, wurde dies in Erkheim von den Betreibern der Biogasanlage geplant, gebaut und finanziert. Die Heizkosten orientieren sich am Ölpreis, bleiben aber in einem für die Abnehmer der Heizwärme sich rechnenden Rahmen. Da im Sommer der Wärmebedarf der Wohnhäuser im Wesentlichen für die Brauchwasserbereitung nicht so groß ist, kann mit der Abwärme dann auch das Freibad mit beheizt werden. Kritisch wurde u.a. auch die Frage der Rohstoffe diskutiert. In Erkheim werden neben 70 Hektar Mais und andere Getreidesorten auch 100 Hektar Grünland bewirtschaftet, um die Anlage zu versorgen. Der Anteil von Mais von unter 50 Prozent wurde positiv beurteilt. Interessant auch die Tatsache, dass die anfallende Biomasse zur 100-prozentigen Versorgung mit Nährstoffen genutzt werden kann. Ein weiterer für die Anlage in Erkheim sprechender Aspekt, dass alle Flächen sich im Umkreis von 3 Kilometer befinden und so umweltverträgliche kurze Wege gewährleistet sind, wurde positiv bewertet. Für die Zukunft ist die Errichtung einer Hackschnitzelheizung geplant, um für die Spitzenlast im Winter zusätzliche Reserven zu haben und so das Wärmenetz ganz-jährig besser auslasten zu können. Nach Meinung der Grünen zeigen die beiden so unterschiedlichen Anlagen wie eine Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie trotz zahlreicher offener Fragen zur Versorgung mit erneuerbaren Energien vor Ort und zum Nutzen der Region offenbar erfolgreich gelingen kann.

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