»Gemalt wie eine Wilde«

Sonderausstellung im Colleg: Heute wäre Hilda Sandtner 100 Jahre alt geworden

+
Hilda Sandtner hat viele Kirchenfenster im Raum Augsburg entworfen.

Mindelheim – Die Sonderausstellung „Hilda.“ portraitiert bis Sonntag, 29. September, in den Museen im Colleg das bewundernswerte Schaffen der mannigfaltigen Persönlichkeit von Hilda Sandtner. Heute, am 27. Juni, wäre Hilda Sandtner 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Geburtstages laden die Museen um 19 Uhr zu einem Sommerabend ins Colleg, bei schönem Wetter in den Colleghof, ein. Nach einem Sektempfang berichten Weggefährten und ehemalige Studenten über die exzentrische Professorin.

In Mindelheim kennt man sie in erster Linie als Stifterin des Textilmuseums. Die Türkheimerin war aber sehr viel mehr als nur eine eigenwillige Kunstsammlerin. Als Künstlerin machte sich die akademische Meisterschülerin und spätere Professorin vor allem in den 1950er und 60er Jahren einen Namen, als sie großformatige Baukunst schuf. Durch den Zweiten Weltkrieg wurden viele Kirchen zerstört, woraufhin „sie großartige Glasfenster aus Mosaik entworfen hat “, sagt Doris Wenzel, Leiterin des Textilmuseums. Sandtner sei schon immer ein sehr religiöser Mensch gewesen.

Das Fundament ihres Schaffens bildete die Grafik. Davon zeugen ihre Entwürfe für Rosen­thal-Porzellan wie auch die zahlreichen Buchillustrationen zu von ihr größtenteils selbst verfassten Büchern. Sandtners große Leidenschaft war das textile Gestalten. Das Sticken erlernte sie von der Pike auf in der Wettenhausener Paramentenstickerei. Mit Techniken wie Batik oder Mola kam sie auf ihren ausgedehnten Weltreisen in Berührung. Von diesen brachte sie die unzähligen Kunstwerke mit, die heute den Grundstock der Sandtner-Stiftung bilden.

Als zwölftes Kind einer Lehrerfamilie hatte sie nie viel Geld gehabt. Daher waren ihre Mischtechniken sehr verschieden. Mal arbeitete sie mit Wachs, mal mit Wasserfarben – und wenn diese aus waren, mit Kuli. „Sie hat auf alles draufgezeichnet und gemalt wie eine Wilde. Mit der Zeit ihres Lebens hat sie sich künstlerisch weiterentwickelt“, sagt Welzel über die 2006 verstorbene Künstlerin. Vom Natürlichen wurden ihre Bilder immer abstrakter.

Nach ihrer Ausbildung für Lehramt war sie „total unglücklich“, sodass sie ein Studium an der Kunsthochschule in München anschloss, um dort ihr künstlerisches Talent zu fördern. Die emanzipierte Frau sammelte zahlreiche Muster, wofür sie ihr ganzes Geld ausgab. Diese Sammlung war aber nicht für sie selbst bestimmt, sondern vielmehr für ihre Schüler der Pädagogischen Hochschule Augsburg. Dort unterrichtete die Dozentin später Kunstpädagogik. „Man hat Kunst durch Kopieren gelernt. Aber das macht nicht glücklich“, weiß Welzel, die zusammen mit Friederike Haber die Sonderausstellung führt. Vielmehr müsse man sich selbst ausprobieren, was Sandtner auch gemacht habe.

Die gemalten Kirchenfenster, Monotypien, Schriftgüter, Textilien und Zeichnungen sind jedoch alles nur Leihgaben und müssen nach der Sonderausstellung wieder nach Gempfing am Lech zurückgebracht werden. 

Julia Böcken

Auch interessant

Meistgelesen

Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Mindelheim: 5G-Initiative demonstriert „Antennen-Wald“ vor dem Forum
Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
Bad Wörishofen: Kurpark-Leuchten wird bis Mitte Juni verlängert
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
UPM Ettringen: Erste 18 Mitarbeiter in Werksarztpraxis geimpft
Kirchheims Bürgermeisterin Susanne Fischer spricht über ihr erstes Amtsjahr
Kirchheims Bürgermeisterin Susanne Fischer spricht über ihr erstes Amtsjahr

Kommentare