Geduld gefragt

Stadt gibt neue Mindelheimer Blühflächen bekannt

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In Mindelheim werden neue Blühflächen angelegt. Bis diese tatsächlich einen bunten Anblick bieten, müssen sich die Bürger aber noch eine Weile gedulden.

Mindelheim – Die Stadt soll mehr Arten mehr Lebensraum ermöglichen. Das ging zuletzt aus einem Antrag der Grünen im Stadtrat hervor. Neue Blühflächen, für die der Landschaftspflegeverband (LPV) aktuell schon den Grundstein legt, als Grünen-Erfolg zu werten, widerstrebt allerdings der SPD. Sie erinnerte daran, das Thema schon 2017 angestoßen zu haben. Und auch Bürgermeister Dr. Stephan Winter stellte klar, die neuen Blühflächen seien keine unmittelbare Reaktion auf das Volksbegehren Artenvielfalt, sondern Teil der Aktivitäten, die die Stadt längst im Rahmen des Naturschutzes unternimmt.

„Das ist keine Aufgabe, die wir erst dieses Jahr erkannt haben“, klärte Winter in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses auf. Seit Jahren schaffe man Ausgleichsflächen, um die „Natur aufzuwerten“ – was das Bayerische Landesamt für Umwelt allerdings auch so einfordert, um neubebaute Flächen bei der Ausweisung von Baugebieten und damit verlorengegangene Natur wiederherzustellen. Dass die Grünen sich Anfang Mai konkret für neue Blühflächen stark gemacht hatten, darauf reagierte Mehmet Yesil (SPD) „ein bisschen irritiert“. Seine Partei habe „den gleichen Antrag“ schon 2017 vorgelegt. „Wir besprechen nochmal das gleiche und jetzt machen wir´s“, meinte Yesil. „Der Umweltschutz ist kein Monopol einiger weniger Parteien.“

Neuer Status

Peter Miller (ÖDP), dessen Partei das Volksbegehren in Bayern initiiert hatte, meinte im Hinblick auf Yesils Aussagen, man habe mit der damaligen Diskussion über Blühflächen noch „Neuland betreten“, jetzt sei der Status ein anderer – unter anderem dadurch, dass das Thema mittlerweile auch in den Medien zu den dominanten zähle.

Unabhängig von der Herkunft des Bestrebens werden nun aber neue, städtische Blühflächen geschaffen. Dabei sei der Umbau von bestehenden Rasenflächen relativ aufwändig, heißt es in der Beschlussvorlage des Umweltausschusses. Denn zunächst müsse die Grasnarbe abgetragen und entsorgt werden. Dann wird mit magerem Subs­trat, beispielsweise Bankettkies, aufgefüllt und später angesät. Wichtig dabei: Man könne nicht einfach an jeder beliebigen Stelle, an der man sich etwas Grün und ein paar Blumen vorstellen könnte, einen Blühstreifen anlegen, erklärte Stadtgärtner Martin Honner. Oftmals müsse man sogar erst testen, ob sich die Fläche eignet.

Gemeinsam mit Uwe Kießling vom Landschaftspflegeverband hat die Stadt nun einige Flächen ausgewählt, auf denen es bald blühen soll. Kosten entstehen dabei keine, denn über den LPV wurden die neuen Flächen in ein Projekt aufgenommen, bei dem mit regional gewonnenem Saatgut Blühwiesen entstehen. Schon Ende Mai hatte Kießling deshalb damit begonnen, Frühblüher abzuernten – weitere Erntearbeiten folgen noch bis September. Bis dahin soll dann auch der Boden vorbereitet sein, um insgesamt 30 Kilogramm Samen auszubringen. Sollten diese durch die Ernte nicht zusammenkommen, müsste sich ein Teil der Flächen noch bis 2020 gedulden.

Geduld ist aber auch auf den Flächen gefragt, auf denen schon dieses Jahr losgelegt wird. „Es muss klar sein, dass es nicht gleich blüht und schön aussieht“, meinte Manfred Salger (CSU). „Das dauert seine Zeit.“

Hier soll es blühen

Folgende Flächen hat die Stadt für neue Blühflächen auserkoren und nun im Umweltausschuss bekanntgegeben:

• Abschnittsweise entlang des Brunnenwegs auf der Nordseite im Bereich der dortigen Bäume (rund 430 Quadratmeter)

• Entlang des Fahrradweges (Alte Mattsieser Straße) Richtung Nassenbeuren auf der Ostseite (rund 750 Quadratmeter)

• Auf der Obstwiese entlang des in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gehweges (Wiederanlage nach Wegebauarbeiten) auf rund 400 Quadratmetern

• Entlang des Heimenegger Wegs bis zur Stillachstraße auf der Westseite (rund 800 Quadratmeter)

• Fläche an der Kläranlage (rund 500 Quadratmeter)

Außerdem werden im Bereich des Bebauungsplanes Mindelheim-Nord von vornherein beidseitig des Kapellenwegs magere Flächen als Blumenwiesen angesät. Ebenso soll eine städtische Brachfläche an der Friedrich-Zoepfl-Straße zur Blühwiese mit Strauchpflanzungen umgestaltet werden.

Marco Tobisch

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