Junge Gewinner, rote Verlierer

Stadtratswahl: Generation Fortschritt und ÖDP schaffen Einzug, herbe Verluste bei SPD

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Wenn der neue Bad Wörishofer Stadtrat erstmals tagt, wird sich personell vieles verändert haben. Großer Gewinner der Stadtratswahl war die Generation Fortschritt mit erstmalig vier Mandaten.

Bad Wörishofen – Der nächste Bad Wörishofer Stadtrat hat sein Erscheinungsbild mächtig verändert. Nicht nur, dass sehr viele jüngere Räte in das Gremium einziehen werden, auch bei der Sitzverteilung hat sich viel getan: Während die Generation Fortschritt auf Anhieb vier Mandate erringen konnte, musste die SPD herbe Verluste hinnehmen.

„Das Wahlergebnis hat uns ebenfalls erschüttert“, sagte Stefan Ibel in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Wochen KURIER. Man habe zwar mit Verlusten gerechnet, aber nicht, „dass es so knüppeldick kommen würde“. Lediglich Sybille Dörner, die schon dem aktuellen Stadtrat angehört, wird die SPD im nächsten Kommunalparlament vertreten. Schon die Aufstellung der Mandate hatte der Partei Probleme bereitet; als letzte hatte die SPD ihren Wahlvorschlag eingereicht. Das nun erzielte Ergebnis bewege sich auf der Ebene des örtlichen Landtagswahlergebnisses, resümierte Ibel. Den Trend, die SPD für überflüssig zu halten, gebe es schon länger, so der ehemalige Gymnasiallehrer, der dem Stadtrat seit 1984 angehörte. Eine Mitschuld gibt Ibel dabei der neuen Gruppierung Generation Fortschritt, die „in allen Beständen gewildert hat, aber uns besonders schmerzhaft erwischte“. Auch die Scharade, die Regine Glöckner aufgeführt habe, hätte der Ortsgruppe enorm geschadet, glaubt Ibel. Im Moment sei noch völlig unklar, wie es nun weitergehen soll. „Wir müssen uns erst mal wieder berappeln.“ Tatsächlich mussten alle Fraktionen Einbußen hinnehmen, während die SPD Zweidrittel ihrer Sitze verlor, büßte die CSU 20 Prozent (ebenfalls zwei Sitze) ein. 

Auch die Freien Wähler verloren zwei Sitze im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren. Tatsächlich konnten die Freien Wähler aber „Sitze gewinnen“, nachdem außer Thomas Vögele und Wolfgang Hützler alle anderen Stadträte schon vor der Wahl aus der Fraktion ausgetreten waren. Neu für die Freien Wähler werden nun Paul Gruschkas Tochter Pia und Joachim Nägele in das Gremium einziehen. Abhängig vom Ausgang der Stichwahl wird Paul Gruschka dem nächsten Stadtrat als Mitglied oder Vorsitzender angehören. Ebenso verhält es sich bei der CSU, die mit Stefan Welzel den zweiten Bürgermeisterkandidaten für die Stichwahl stellt. Neben ihm werden wieder Michaela Bahle-Schmid; Ilse Erhard, Ludwig Kreuzer und Josef Kunder sowie Konrad Hölzle angehören, neu sind Hubertus Bader und Christine Waibl. Bei der FDP findet ein Wechsel statt: Künftig gehört Alexandra Wiedemann dem Stadtrat an, sie löst damit Dr. Claus Thiessen ab.

Über eine Verdoppelung der Sitze dürfen sich die Grünen freuen: Neben den bisherigen Stadträten Doris Hofer und Daniel Pflügl schafften Paola Rauscher und Johann Suiter den Einzug ins Stadtparlament. Schon bei der Wahl vor sechs Jahren hatte die Partei drei Sitze errungen, Helmut Vater war nach der Wahl dann zur SPD gewechselt.

Neu im Stadtrat

Mit der ÖDP und der Generation Fortschritt haben erstmals zwei neue Gruppierungen den Einzug in den Stadtrat geschafft. Für die ÖDP wird Ludwig Filser nun mitregieren, neben dem Bürgermeisterkandidaten ­Dominic Kastner vertreten Patrick Maul, Sebastian Dietrich und Christin Nägele die ­Generation Fortschritt. Man habe bei der Kommunalwahl ein sensationelles Ergebnis erzielt, sagte Dominic Kastner. Mit 22 Prozent habe er nur knapp hinter den beiden amtierenden Bürgermeistern gelegen. Dieses Ergebnis sollte man als starkes Signal der Wähler verstehen. „Wir sind stolz auf unsere Leistung und hoffen auf einen Umschwung in der Kommunalpolitik“, sagte Kastner. Denn nun würden „gleich vier Mitglieder zwischen 26 und 29 Jahren in den neuen Stadtrat einziehen“. Man werde diese Chance nutzen und die Kommunalpolitik von Bad Wörishofen in der kommenden Amtsperiode aktiv mitgestalten, sagte Kastner und betonte abermals, dass „wir uns an (Sach)Themen orientieren, nicht jedoch an Parteien“.

Nachdem auch Doris Hofer als Bürgermeisterkandidatin für einen Wechsel in der Verwaltung und an der Rathausspitze angetreten war, bekräftigte die Grünen-Stadträtin vergangene Woche ihren Wunsch nach Wandel und gab ein Statement ab, wonach die Partei nun den derzeitigen Zweiten Bürgermeister Stefan Welzel unterstützen werde. Bei der Wahl 2020 lag die Wahlbeteiligung bei 53 Prozent.

Oliver Sommer

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