Nach Gesprächen mit potenziellen Investoren

Standort wird aufgegeben: Keine Zukunft für Schwermer in Bad Wörishofen

+
Zuletzt gab es dank potentieller Investoren noch Hoffnung, nun aber steht fest: HEIDI Chocolat Schwermer GmbH hat in der Kneippstadt keine Zukunft.

Bad Wörishofen – Nach einer Gnadenfrist für die Traditionsmarke Schwermer steht jetzt fest, dass der Betrieb in Bad Wörishofen nicht weitergeführt wird. Schon Ende vergangener Woche hatte der Geschäftsführer der HEIDI Chocolat Schwermer GmbH, Friedrich Plail, die Mitarbeiter im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung über das Aus informiert. Derzeit laufen noch Verhandlungen über den Erwerb der Marke.

„Der potentielle Investor hat mir heute mitgeteilt, dass nach intensiver Prüfung aller Unterlagen und der Abwägung aller Chancen und Risiken entschieden wurde, den Betrieb am aktuellen Standort in Bad Wörishofen nicht weiterzuführen.“ Mit diesem einleitenden Satz berichtete Friedrich Plail noch am Freitag vergangener Woche vom Ende der Gespräche mit dem potenziellen Investor. Hatte der Wochen KURIER schon vor Wochen berichtet, dass es eine Gnadenfrist für die Traditionsmarke gibt, so ist nun das Aus für Schwermer in Bad Wörishofen besiegelt.

Mitte September ließ die Nachricht, dass Schwermer zum Ende des Jahres schließen würde, aufhorchen. 1894 im heutigen Kaliningrad (Königsberg) von Confiseur Henry Schwermer gegründet, übersiedelte das Traditionsunternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bad Wörishofen und begann in der Gartenstadt, am heutigen Standort, mit der Produktion von geflämmten Marzipan, Pralinés und den schon bei der Pariser Weltausstellung mit der Goldmedaille ausgezeichneten Baumkuchen. 2017 verkaufte der Urenkel des Firmengründers, Peter Stiel, das Familienunternehmen an die Schweizer HEIDI Chocolat; davon unberührt blieb das Café mit Confiserie Schwermer. Doch die Produkte der HEIDI Chocolat Schwermer GmbH fanden nicht den erwarteten Zuspruch, drei Jahre in Folge mussten die Besitzer beträchtliche Summen zuschießen, um die hohen Verluste auszugleichen und damit den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Noch einmal bekam die Firma eine Chance: Mit harten Einschnitten, wie Plail glaubte, sollte sie wieder fit werden. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte den Neustart. „Ein oder zwei Quartale mehr und wir hätten zeigen können, dass das Konzept tragfähig ist“, sagte Plail im September gegenüber dem Wochen KURIER.

Nicht betriebswirtschaftlich

Da stand Plail schon in Verhandlungen mit möglichen Investoren, Ende September dann meldete sich ein weiterer Interessent. In diesen Tagen, so hatte Plail vermutet, hätte das Ergebnis der Evaluation vorliegen sollen. Tatsächlich ging es dann doch schneller. „Nach Abwägung aller Chancen und Risiken betreffend eine Weiterführung des Betriebes an einem neuen Standort in Bad Wörishofen“, habe sich der potenzielle Investor dagegen entschieden, schreibt Plail. „Sowohl die notwendigen hohen Investitionen“, so sei eine Gebäudesanierung unumgänglich um den aktuellen Anforderungen der Lebensmittelproduktion zu entsprechen, „als auch die Errichtungskosten eines neuen Standortes in Bad Wörishofen stehen leider in keinem betriebswirtschaftlich vernünftigen Verhältnis zu den erwarteten Umsätzen und Erträgen“, heißt es in der Mitteilung Plails.

Abfindung für Mitarbeiter

Damit ist das Schicksal der verbliebenen 44 Mitarbeiter nun auch besiegelt. Man werde diesen zum Ende des Monats kündigen, bedauert Plail und sie, entsprechend der individuellen Kündigungsfristen, aufgrund der Betriebszugehörigkeit bis zu diesem Zeitpunkt weiter beschäftigen und auch bezahlen. Darüber hinaus werde es, wie bereits mit dem Eigentümer vereinbart, eine freiwillige Abfindungszahlung für die Belegschaft geben, um die negativen monetären Auswirkungen für die Belegschaft etwas zu mildern. Man sei auch in Kontakt mit der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen sowie Unternehmen im Landkreis Unterallgäu, um für die Belegschaft einen möglichst nahtlosen Übergang zu einem neuen Beschäftigungsverhältnis zu erleichtern, erklärt Plail.

Während es für den Produktionsstandort Bad Wörishofen keine Zukunft gibt, könnte der Vertrieb der Schwermer-Produkte aber sehr wohl von hier aus weiterlaufen. Denn der bislang nicht genannte Investor sei, schreibt Plail, „sehr wohl am Erwerb der Marke, Rezepte, Produktionsanlagen und Kundenbeziehungen interessiert“. In diesem Zusammenhang werde man ab dieser Woche Gespräche aufnehmen, „wie und in welchem Zeitraum ein Erwerb stattfinden könnte“. Um das Risiko des Verlustes der Kundenbeziehungen so gering wie möglich zu halten, habe man einen sehr straffen Verhandlungszeitraum festgelegt, um sehr rasch zu einer Entscheidung und Vereinbarung zu kommen. Sollte es zu einer Einigung zwischen dem potentiellen Investor und dem Eigentümer, der HEIDI Chocolat Schwermer GmbH kommen, „dann wird die Produktion der Schwermer-Artikel in einen der bereits vorhandenen Produktionsstandorten des potentiellen Investors integriert, der Vertrieb soll auch in Zukunft aus Bad Wörishofen erfolgen“, sagt Plail.

Wie lang noch verkauft wird

Noch sei nicht absehbar, zu welchem Zeitpunkt der Fabrikverkauf eingestellt wird, das hängt auch vom Produk­tionsende ab. Plail abschließend: „Wenn die Waren für den Fabrikverkauf bereits vor dem 31. Dezember ausgehen, dann müssen wir den Verkauf entsprechend vorher einstellen.“ Definitiv Ende kommender Woche wird bereits die Baumkuchen-Produktion auf den beiden noch von Firmenchef Stiel konstruierten Maschinen eingestellt.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Keine Gäste, kaum Einnahmen: Was Bad Wörishofer Händler über den Lockdown sagen
Keine Gäste, kaum Einnahmen: Was Bad Wörishofer Händler über den Lockdown sagen
Negativtests: Warum das Unterallgäuer Gesundheitsamt nicht anruft
Negativtests: Warum das Unterallgäuer Gesundheitsamt nicht anruft
Mindelheim: Mittagessen in städtischen Kitas und in der Grundschule wird teurer
Mindelheim: Mittagessen in städtischen Kitas und in der Grundschule wird teurer
Schwermer: Geschäftsführer Plail spricht über Firmenschließung und Investorsuche
Schwermer: Geschäftsführer Plail spricht über Firmenschließung und Investorsuche

Kommentare