Ein Buspaar am Tag oder lieber 20 Züge?

Staudenbahn stellt Rahmenbedingungen für Gutachten im Türkheimer Gemeinderat vor

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Auch die Staudenbahn würde vom Ausbau des Türkheimer Bahnhofs durch die DB profitieren. Hier möchte man die Pendler nach Buchloe anschließen.

Türkheim – Im vergangenen Jahr konnte sie 110-jährigen Geburtstag feiern, die Staudenbahn zwischen Ettringen und Türkheim. Wobei die kleine Bahnstrecke das Schicksal so vieler Nebenbahnen teilt, dass sie seit vielen Jahren nicht mehr genutzt werden. Das könnte sich nun ändern, in drei Jahren wird die Staudenbahn den Betrieb zwischen Gessertshausen und Langenneufnach wieder aufnehmen. Und aktuell steht eine Fahrgastzählung für die Strecke bis Türkheim an. Fällt das Gutachten im Sinne der Staudenbahnbetreiber aus, könnte auch dieser Streckenabschnitt reaktiviert werden. Hubert Teichmann von der Firmengruppe Staudenbahn stellte kürzlich die Rahmenbedingungen für das Gutachten und den weiteren Verlauf der Maßnahmen vor. Mit drei Gegenstimmen votierte der Türkheimer Gemeinderat für das Gutachten, das der Landkreis bezahlen wird.

Im Grunde war es eine Information der Gemeinderäte, bei der Hubert Teichmann ein paar Fakten rund um die Bahn und den Istzustand festzurrte und auch mit einigen falschen Vorstellungen aufräumte. Derzeit bedienen 14 Buspaare die Strecke Ettringen-Türkheim unter der Woche, an Samstagen gerade noch eines (also einer hin und einer zurück), an Sonn- und Feiertagen fahren null Busse. Demgegenüber stellte Hubert Teichmann den Gemeinderäten, analog zum Fahrplan Gesserthausen-Langenneufnach, 20 Zugpaare im Stundentakt unter der Woche in Aussicht, am Samstag immerhin noch 19 und an den Sonn- und Feiertagen 15. Für diese erste Strecke, die nun reaktiviert wird, ergab das Fahrgastgutachten den Bedarf, zwar kam man knapp auf die notwendigen 1.000 Fahrgäste, aber immerhin, und das für die eher untergeordnete Strecke, wie Teichmann den Räten erklärte.

Größere Hoffnung verknüpft der Fachmann daher mit der Strecke von und nach Türkheim, insbesondere, nachdem man die Strecke bis Buchloe weiterführen wolle. Denn nur dort erhalten die Pendler Anschluss nach München; was sogar Orte wie Markt Wald wieder attraktiv machen könnte für die in der Landeshauptstadt Arbeitenden. Schon jetzt gibt es Probleme am Bahnhof Buchloe, wo für die Pendler nicht mehr genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Wie angenehm wäre es da für die in Markt Wald, Ettringen oder auch Türkheim Wohnenden, mit dem Zug bis Buchloe fahren zu können.

Türkheim zahlt mit

Teichmann klärte die Gemeinderäte über die Besitzverhältnisse auf, die Gleise gehören samt und sonders seiner Firma bzw. dem Trägerverein. Wenn die Deutsche Bahn, etwa im Bereich Türkheim dort also Güterzüge rollen lässt, muss der ehemalige Monopolist dafür an den Besitzer einen Obolus entrichten; leider allerdings auf Grundlage alter Sätze. Weitere Zuschüsse erhalte der Verein nicht, so Teichmann, man müsse die 42 Kilometer lange Strecke eigenwirtschaftlich betreiben. Deshalb auch würde die Reaktivierung der Strecke die Türkheimer gut eine Million Euro kosten, allerdings über zwölf Jahre. Für diesen Zeitraum würde die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die Strecke und den Verkehr darauf ausschreiben. Während man in Bayern gerade erst mit der Reaktivierung beginnt und auch erste Erfahrungen sammeln kann, feiert die Reaktivierung der Nebenbahnen in Baden Württemberg und Rheinland Pfalz etwa bereits 20-Jähriges. Anstatt, dass die Busse den Verkehr übernehmen, würden sie künftig als Zubringer für die Eisenbahn fungieren, die etwa mit einem guten Dutzend Zugpaaren täglich bis ins Herz Bayerisch-Schwabens, nach Augsburg, fährt.

Doch bevor die Bahn wieder auf der alten Strecke – die Gleise werden regelmäßig instandgehalten – verkehren kann, müssen allerdings Bahnübergänge und Signalanlagen auf Vordermann gebracht und ertüchtigt werden. Dafür veranschlagte der Bahnfachmann gut eine halbe Million Euro, die allerdings zur Hälfte förderfähig ist. Nochmals eine dreiviertel Million Euro werde die Instandsetzung der Bahnsteige kosten, rechnete Teichmann vor – in Summe Investitionen von gut 990.000 Euro. Dabei verwies Teichmann aber auf bereits reaktivierte Strecken, wo die Akzeptanz derartig groß sei, dass man dort mittlerweile die Bahnsteige verlängern müsse, weil die Passagiere sonst nicht mehr in oder aus den Zügen herauskämen. Aber nicht nur, dass man die Investition auf zwölf Jahre sehen müsse, so Teichmann: es sei eine Investition in die Zukunft. Dafür aber sei die Fahrgastprognose, die nun mit dem Gutachten in Auftrag gegeben wird, der erste Schritt. Für einige Gemeinderäte stand allerdings auch die Lärmbelästigung im Mittelpunkt, führen doch die Gleise an einigen neuen Wohngebieten vorbei. Ein Umstand, auf den Teichmann einging und auch zu entkräften suchte.

BEG am Zug

Nach der Zustimmung des Gemeinderates ist nun die BEG am Zug, die das Gutachten anfertigen lässt. Erst danach werden weitere Schritte eingeleitet – oder eben nicht, sollte die Fahrgastprognose negativ ausfallen.

Oliver Sommer

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