"Wir haben im Suff damit angefangen"

Street-Art-Food Festival in Mindelheim: Das Leben als Food-Trucker 

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Mindelheim – Am vergangenen Wochenende reihten sich beim Street-Art-Food Festival auf der Schwabenwiese Food-Trucks aneinander und boten allerlei Exotisches an. Bei Bisonburger, Quesadillas oder spanischen Fleischspießen hatte man die Qual der Wahl. Auf der Bühne zeigten verschiedene Bands mit einer Bandbreite von Rock n‘ Roll bis Kehlkopfgesang ihr musikalisches Talent. Der Wochen KURIER befragte zudem drei Fieranten, wie das Leben eines Food-Truckers aussehe. 

„Was passt besser zu diesem Wetter als der Summertime Blues?“, fragte Michael Kirschner von seiner Band „Steve McCoy and Preacher“ das Publikum. Nur Hartgesottene tanzten vor der Bühne beim einsetzenden Regen weiter. Der Rest suchte unter den Schirmchen der Hörbar Unterschlupf und genoss von dort aus die rockig-peppige Musik.

Das Wetter war wahrlich nicht einladend, doch trotzdem lohnte es sich, bei den Food-Trucks vorbeizuschauen. Auch Kunsthandwerk von Leela Arts und Gemälde von Frank Grabowski hatten sich auf der Schwabenwiese eingefunden.

Ein Spaßfaktor für Groß und Klein war sicherlich das Rodeoreiten auf der Tigerente der AOK. Dort konnte man auch bei einem Gewinnspiel lukrative, regionale Preise gewinnen wie Thermen- oder Skyline Park - Gutscheine.

Als Food-Trucker von Stadt zu Stadt reisen

Es ist freilich kein familienfreundlicher Beruf. Jedes Wochenende reist man in eine andere Stadt, verkauft Nachos oder gefüllte Weizentortillas, sogenannte Quesadillas, an hungrige Bayern, Baden-Württemberger oder Hessen und stellt leere Mägen zufrieden. Jedes Wochenende, von April bis Oktober. Unter der Woche arbeitet Philipp Geuder, Geschäftsführer der „Streetfood Chimps“, in seinem eigenen Friseursalon. Er versucht, seine Zeit zu 50 Prozent seinem Beruf als Friseur, die andere Hälfte seinem Hobby, dem Food-Truck, zu widmen. Doch das Hobby nehme immer mehr Zeit in Anspruch. Unter der Woche nimmt Geuder sich zwei Tage frei. Zeit, die er mit seiner Familie und seinen zwei Kindern verbringt. Seine Freunde hat er mit dabei, denn sein Team im Food-Truck bestehe immer aus den gleichen Leuten. „Für die Familie ist es jedoch schwierig“, gesteht er.

Doch wie hat alles begonnen? „Wir haben im Suff damit angefangen, zu überlegen, ob wir Streetfood anbieten sollen. Das erschien uns einfach“, erzählt der Sigmaringer. Mit „wir“ meint er sich und seinen Geschäftspartner, Tobias Flohr, der ein Jahr in Mexiko studiert hat. „Da gibt es das beste und geilste Streetfood“, schwärmt Geuder. Dann kamen Überlegungen, was die beiden umsetzen könnten. Angefangen haben sie mit Quesadillas. „Die kann man wie einen Burger oder ein Sandwich essen“, sagt Geuder. Beide sind aber keine Köche, denn Flohr hat BWL studiert. Doch man muss auch kein gelernter Koch sein, um leidenschaftlich kochen zu können. „Ohne Affinität für das Kochen, brauchst du so etwas auch nicht zu machen.“ Bereits im dritten Jahr schwärmen sie zu Festivals aus, bieten aber auch Firmencatering an. Ihr Truck fährt jedoch nicht nördlicher als Hessen. „Das ist unsere Grenze. Weiter macht es für uns keinen Sinn“, erklärt der Friseur.

Anders denkt Roland Köster darüber. Der gebürtige Litauer lebt in Berlin, arbeitet in seinem Imbiss in Rathenow und reist mit seinem Burgerstand quer durch Deutschland. Sogar in Helsinki hat er schon seine Bisonburger verkauft. Die Fisch-Art Street-Food GmbH ist dieses Wochenende in sieben Städten präsent, auch Zürich ist mit dabei. Insgesamt kommt die Firma auf 400 Städte, in denen sie schon ihre Burgerpatties gebraten hat. Doch nicht in jeder Stadt bieten sie die gleichen Burger an. Das sei von der Nachfrage her je nach Stadt verschieden. Wie kommt man darauf, Bisonburger herzustellen? „Wir haben erst mit Rind angefangen, dann kam Strauß- und Bisonfleisch hinzu“, erzählt der Berliner. In der Streetfoodbranche muss man sich immer wieder neu erfinden, etwas Ausgefallenes, Exotisches anbieten, um sich von der Masse abzuheben.

Zu den Streetfood-Festivals hat er auch eine kritische Meinung: „Viele Veranstalter versauen es, verlangen zu viel Eintritt, haben keine Bühne und bieten nichts für die Kinder an.“ Der gelernte Hotelfachmann ist schon seit drei Jahren dabei und weiß, wie stressig es zugehen kann. „Man muss mit Hektik und Schnelligkeit umgehen können und darf nichts schleifen lassen.“ Dazu kommt noch, dass bei den 16 Ständen, sechs Trucks sowie einem Segelboot, umgebaut zu einem Stand, Personalmangel herrsche. Dass nicht alles glatt läuft, zeigte sich am Stand auf der Schwabenwiese. „Die haben Schrauben vergessen“, schimpft er. Der ganze Aufbau wurde nur mit Kabelbindern zusammengehalten, was eine wacklige Angelegenheit war. Auch die Arbeitstage sind lang. Mit Auf- und Abbau dauern diese 14 Stunden.

Auch die „Beefträger“ fallen mit ihrem türkisen Truck auf. Tina Herlt aus München hat eine Leidenschaft für gutes Essen und wollte diese zum Beruf machen. Die Quereinsteigerin, die wie Flohr BWL studiert hat, importierte den Truck aus Amerika. Die Küche ließ sie in Deutschland nachträglich noch einbauen. Beim Food-Trucker ist viel „Learning by Doing“, erzählt Herlt. „1.000 Mal probiert und 1.000 Mal ist nichts passiert“, lacht sie. Doch trotz einer „anstrengenden Arbeit“, wie alle zugeben, mache es auch Spaß. 

Julia Böcken

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