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Streetart-Künstler ERWA.ONE stellt in Mindelheims roter Telefonzelle aus

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Von: Regine Glöckner

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In Mindelheim landet „Post aus der Ferne“ aktuell auch im roten Telefonhäuschen; der Landsberger Streetartkünstler ERWA.ONE stellt dort bis Ende des Jahres aus.
In Mindelheim landet „Post aus der Ferne“ aktuell auch im roten Telefonhäuschen; der Landsberger Streetartkünstler ERWA.ONE stellt dort bis Ende des Jahres aus. © Glöckner

Mindelheim – Für Frank Grabowski, den Macher hinter dem Projekt „Art-In-The-Box“ in Mindelheims kleinster Galerie, dem roten „Telephone“-Häuschen an der Maximilianstraße 24, unweit vom Marienplatz hätte es kaum glücklicher laufen können. Während die „amtliche“ Post am Forum dabei ist, sich zu verabschieden, ist die „Post aus der Ferne“ in der Kreisstadt schon angekommen.

Vincent Göhlich, alias ERWA.ONE, der gerade mit dem Landsberger Kultur-Förderpreis für bildende Kunst ausgezeichnete Künstler stellt unter dem „Post“-Motto in dem aus der englischen Partnerstadt Grinstead stammenden Kommunikationskulturhäusl bis Ende des Monats aus: Er postiert darin vor allem Postkarten mit Fotos seines Streetart-Oeuvres vornehmlich aus Paris und anderen Großstädten sowie dem größerformatigen Bild „Vergänglichkeit“, welches als Live-Painting entstanden ist. Reisen durch Erinnerung.

Seit 2018 und vor allem einer Teilnahme am Farbflut-Festival in Lemwerder bei Bremen, fokussiert sich der Autodidakt auf seine Kunst unter dem Pseudonym ERWA.ONE. Im Gespräch mit dem 27-jährigen gebürtigen Augsburger mit so bescheiden höflichem, aber polyglotten Auftreten, wird schnell klar, mit welcher Reflektiertheit er vorgeht, um durch und mit seinen Werken ins Gespräch zu kommen. Und dazu war im Rahmen des Weihnachtsmarktes auch ganz persönlich Gelegenheit: Event im Advent.

In Bonn hat Göhlich übrigens „auch mal Philosophie“ studiert. Und so scheint es (k)ein kurioser Zufall, dass die Bonner Telekom in diesen Wochen die letzten, in Deutschland noch verbliebenen öffentlichen Fernsprecher, „Telefonzellen“ waren das ja schon längst keine mehr, abbaut. Kommunikation verändert (sich) eben und ERWA.ONE fügt ihr neue Dimensionen hinzu. Er beherrscht bravourös Techniken der Streetart, der urbanen Kunst, wobei figurative Ornamentik seine Passion und somit sein Markenzeichen geworden ist. Neben Grafittokunst, die er eher dem Buchstaben verpflichtet sieht. Eigene Methoden hat er entwickelt: Er arbeitet mit von ihm vorgefertigten Schablonen, „meist aus PVC, öfter schon mal aus Tischdeckenmaterial und wegen des einfacheren Transports“. Die dupliziert, reiht, vergrößert er. „Die Fläche gibt die Motive vor, die Gestaltung folgt den Möglichkeiten“. Und alles einem Konzept.

Während seines PR-Studiums in Paris und danach konnte sich ERWA.ONE in Frankreich in vielfältigster Form verwirklichen und künstlerische Intentionen ausleben; manche Werke – gerade auf öffentlichen Flächen oder Gebäuden, sind verblasst, aber die Fotografien, die in der Art Box zu sehen sind, zeugen von deren Expressivität, von seiner komplexen Gestaltungskraft, seinem Ideenreichtum und seiner immensen künstlerischen Kreativität, die mit einer klaren Rationalität einhergeht. ERWA.ONE ist sich der besonderen Herausforderung und der sozialen Verantwortung, Kunst im und aus dem öffentlichen Raum heraus zu gestalten, und so einer gesellschaftlichen Kommunikation Ausdruck zu verleihen, durchaus bewusst.

Durch Adi Hauke, den Ettringer Musiker, mit dem ERWA.ONE in Landsberg am Lech zusammentraf und wo sich eine intensive und inspirierende Jamsession ergab, wurde er auf die Art Box in Mindelheim aufmerksam. Und so kam es zu dieser Ausstellung auf kleinstem Raum, von der er sich aber umso mehr Aufmerksamkeit für sein sonst auffällig-großdimensionales Schaffen erhofft. Und vielleicht das Angebot einer öffentlichen Fläche, etwa neun Quadratmeter, der er per Auftrag gern ein neues Aussehen verleihen würde.

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