„Süßer die Kassen nie klingeln“

Süße Belohnung: Wie Bad Wörishofen die Kaufkraft in der Stadt halten will

Bad Wörishofen Click Collect
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Tim Hentrich (rechts) und Stefan Welzel mit dem süßen Schatz der Kneippstadt. Über 1.000 Kilogramm Pralinen, Baumkuchen und Marzipan hat die Firma Schwermer zur Verfügung gestellt.
  • Marco Tobisch
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Bad Wörishofen – So wird Einkaufen in Bad Wörishofen zum Genuss: Auf jeden, der den Einzelhandel in Bad Wörishofen und die Gaststätten vor Ort mit einem Kauf von mindestens 50 Euro unterstützt, wartet eine süße Überraschung der Firma Schwermer. Bei einem Pressetermin haben der Wörishofer Wirtschaftsförderer Tim Hentrich und Bürgermeister Stefan Welzel die Aktion „Süßer die Kassen nie klingeln“ vorgestellt. Es gibt Baumkuchen und Pralinés für die Unterstützer der heimischen Wirtschaft. Mehr als 4.000 süße Pakete warten auf ihre Verteilung.

„Wir haben eine gute Kaufkraft in Bad Wörishofen“, sagt Stefan Welzel. Aber es gehe darum, gerade in der aktuellen Situation dafür zu sorgen, dass diese Kaufkraft im Ort auch bleibt und mehr noch, dass die Bürger mit ihrer Kaufkraft aktiv den Einzelhandel vor Ort unterstützen. Erst seit einigen Tagen erlaubt die bayerische Staatsregierung auch in Bayern Click&Collect bzw. Call&Collect: Man kann nach einem Anruf (Call) oder alternativ via Bestellung übers Internet (Click) im Geschäft die gewünschte und bestellte Ware an einem vereinbarte Ort abholen (Collect); analog geht das auch mit dem Essen, das man etwa beim Gasthof Adler, dort weist ein großes Banner auf die Möglichkeit hin, bestellt und dann mit nach Hause nehmen kann. Für die lokale Gastronomie und Handel wie Gewerbe eine Chance, trotz Lockdown im Geschäft zu bleiben mit Rehrücken oder Bio Burger zum Abendessen, dem letzten Bestseller von Tommy Jaud oder Hera Lind; mit der warmen Jacke oder dem schicken Tuch im exklusiven Modehaus. Und mit diesen Geschäften ist das Rathaus, allen voran Bürgermeister Welzel wie auch Tim Hentrich in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsförderer, im Austausch.

Die Innenstadt, wo sich das Gros der betroffenen Einzelhändler findet, sei in der derzeitigen Situation doppelt betroffen, sagt Tim Hentrich. Es fehlten nicht nur die Bürger, die hier normalerweise einkaufen gehen, sondern auch die Gäste, die zur Zeit weder in der Kneippstadt nächtigen noch essen dürfen oder eben hier einkaufen können.

Süßes gegen Quittung

Dabei hätten die Geschäfte und Händler durch die umgesetzten Hygienemaßnahmen ohnehin eine Mehrbelastung. „Die Unternehmen und Gastronomiebetriebe in Bad Wörishofen brauchen dringend unsere Hilfe“, fasst Bürgermeister Welzel zusammen. Um die Kaufkraft am Ort zu halten, vor allem aber auch das Bewusstsein für die Lage des Einzelhandels zu schaffen, kam man im Rathaus auf die Idee der süßen Belohnung: Wer für mindestens 50 Euro Ware oder Essen bestellt und abholt – möglich ist auch, mehrere Beträge und Einkäufe zusammenzuzählen – kann sich bei Vorlage der Quittungen und Rechnungsbelege eine süße Überraschung abholen. Die Abgabe der Kassenzettel und die Ausgabe der Leckereien erfolgt am Seitenfenster der Gästeinformation des Kurhauses. Dort ist auch der „Safe“, wo der süße Schatz gelagert wird. Wer zuerst kommt – die Aktion läuft seit Anfang Februar – hat die freie Auswahl aus über einer Tonne Süßigkeiten. „Wir haben 4.200 Einheiten“, sagt Welzel, wobei es keine Beschränkung gibt, nur einmal Belege einzureichen. Die werden allerdings, so sie nicht benötigt werden, einbehalten; wird der Beleg, für die Steuer etwa, benötigt, wird er gestempelt um eine Doppelnutzung zu vermeiden.

Die süße Belohnung soll auch ein Dank an alle sein, die die lokalen Unternehmer unterstützen. Einen Dank richtet Stefan Welzel dabei auch an Friedrich Plail, den ehemaligen Geschäftsführer der Heidi-Schwermer GmbH. Plail hatte der Stadt die Süßigkeiten zur Verfügung gestellt und alle, erzählt Welzel, hätten anschließend mit angefasst und geholfen, die Pakete ins Lager des Kurtheaters zu schaffen.

Angesichts der Ausgangsbeschränkungen und Infektionsschutzmaßnahmen sei nun Durchhalten angesagt. „Wir dürfen uns den Mut nicht nehmen lassen“, so Stefan Welzel. „Wir sind das Team Bad Wörishofen.“ Das Team wird allerdings noch eine harte Zeit durchlaufen müssen, glaubt Kämmerer Hentrich. „Der Wirtschaftsmotor wird erst langsam anlaufen“, fürchtet Hentrich. Und weiß, dass man die Auswirkungen der Maßnahmen erst später sehen werde. Dafür aber „werden wir die Bremsspuren (des Lockdowns) noch lange sehen“. Umso mehr benötigen nun die Händler und Gastronomen die Hilfe der Bad Wörishofer Bürger, die nun einen, wenn auch kleinen, Anreiz mehr haben, öfter etwas zu bestellen. Rechnungen können montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr eingelöst werden.

Oliver Sommer

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