Mit "Kopf, Herz und Hand" viel erreichen

„Tag der offenen Tür“ in der Mindelheimer Mittelschule: Schüler zeigen praktische Arbeiten

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Mindelheim – „Auf viele Türen kann man im Leben treffen. Man soll sie beachten, um zu schauen, was sich dahinter verbirgt“, leitete Schuldirektorin der Mittelschule, Ute Wolfram, den „Tag der offenen Tür“ ein. Mit „Kopf, Herz und Hand“, konnten Schüler Radiergummis selber herstellen oder Osterhasen aus Holz oder Papier basteln.

Christos Georgiadis, Bezirksschülersprecher von Schwaben, saß früher auch mal beim „Tag der offenen Tür“ vor der Bühne und blickte zu den Schülern hoch, die ihr Talent zum Besten gaben. „Ich wollte auch so selbstbewusst auf der Bühne stehen und Witze machen“, erinnerte er sich. Nun tat er genau das und sang vor dem Publikum das Lied „You Let Me Walk Alone“ von Michael Schulte.

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand steht im Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit. Die individuelle Förderung ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagte Wolfram. Es sei ganz wichtig, dass die Schüler Gelegenheit haben, Selbstvertrauen zu entwickeln. Um das Selbstbewusstsein der Schüler zu stärken, bietet der Förderverein der Mittelschule außerschulische Kurse an, beispielsweise ein Kommunikations-, Sprach-, Bewerbungs- und Persönlichkeitstraining, damit die Schüler sicherer auftreten.

Durch das vom Kultusministerium zugetragene Profil Inklusion bringe Wolfram die Unterrichtsentwicklung voran. In der Schule herrsche ein gutes Mitein­ander, bei dem die Menschenwürde bewahrt werde. Man solle nicht vergessen, das „Herz am rechten Fleck zu haben“, und „egal welche Religion oder Hautfarbe willkommen heißen“, wünscht sich Wolfram.

Die Mittelschule zeichnet sich durch viele berufsorientierende Maßnahmen aus, wie zum Beispiel die Baurallye mit der Firma Riebel, damit die „Schüler bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet“ werden. Ab der siebten Klasse gibt es Wahlfächer in Technik, Wirtschaft oder Soziales, sodass die Kinder schon frühzeitig praktische und richtungsweisende Erfahrungen sammeln können.

An der Mittelschule kann man nicht nur den Hauptschulabschluss erlangen, sondern auch die Mittlere Reife durch den M-Zweig sowie einen qualifizierenden mittleren Abschluss, der die Möglichkeit bietet, ein Fachabitur dranzuhängen. „Mit dem Abschluss stehen viele Wege offen“, sagte Wolfram. Dieser Schulzweig sei ein „hervorragender Einstieg in die Schullaufbahn“, weiß auch Bürgermeister Dr. Stephan Winter: „Die Mittelschule eröffnet alle Wege, von einer Ausbildung bis zum Studium. Kein Abschluss ohne Anschluss“, darauf werde in Bayern viel Wert gelegt, weiß Winter. In der Mittelschule werden Stärken gefördert und das gute Klima sorge dafür, dass Kinder ihre Neigungen ausleben können.

Elternbeiratsvorsitzender Gerhard Reichert betonte, dass das „Kind gemäß seinen Fähigkeiten, eine gute schulische und praxisorientierte Entwicklung nehmen kann.“ Er bedauerte, dass die Mittelschulen in der Gesellschaft und Öffentlichkeit nicht so wertgeschätzt werden, wie sie es verdient hätten. „Nicht jedes Kind muss auf ein Gymnasium oder Realschule“, sagte Reichert. Die Mittelschüler seien heute gefragte Schulabgänger für das Handwerk oder der Industrie. Dabei fungiere die Mittelschule als „Sprungbrett für die berufliche Weiterbildung.“ Heutzutage benötige man „Praktiker und nicht nur studierte Theoretiker.“

Die Klassen hatten sich für den „Tag der offenen Tür“ einiges zum Thema Ostern einfallen lassen. Bei der Klasse 6b konnte man Osterhasen in Form eines Origami basteln. Die 6c bot Spiegel- und Faltknobeleien an. Radiergummis durch Formen und Kneten selber herstellen, konnte man in der 6a. Die Technikergruppe präsentierte ihre Werkstücke. Lukas Jeschke, Florian Immerts, Richard Kraus und Leon Wagner aus der 10aM stellten ihren automatischen Getränkeausschenker vor. Eine Bohrmaschine kurbelt eine Gewindestange an, die wiederum die Flüssigkeit der Flasche in ein Becher kippt. Das System haben sich die Technikschüler vom Bobbycar abgeschaut. Nur drei Schuleinheiten hatten sie dafür Zeit.

Johannes Riedele, Dennis Deummler und Tobias Hofmann aus der zehnten Klasse haben einen Nussknacker aus mehreren Spritzen gebaut, die mit Wasser befüllt werden. Durch den Druck, wenn Wasser in die Spritzen gefüllt wird, arbeitet die Presse und drückt die Walnuss platt. Zudem konnte man dort einen kleinen Osterhasen aus zwei Holzkugeln und Ohren aus Draht bauen.

Osterhasengesichter nähte man bei der Wirtschaftsgruppe. Die Sozialgruppe stellte in der neuen Schulküche ihre selbst gedeckten Tische vor. Die dritte Schülersprecherin Juliette  ­Kajp zeigte den Besuchern ihr kostenloses Mittwochs-Frühstück im Bistro. Sie ist für die gesunde Mahlzeit am Morgen verantwortlich. „Mir macht das Spaß“, sagte die Schülerin. Die 5c führte ein Theaterstück vor und bei der 5a konnte man sein Wissen auf die Probe stellen. Zu gewinnen gab es Eisgutscheine.

Angst, dass aufgrund der Einführung der sechsten Klasse in der Wirtschaftsschule Bad Wörishofen, ihr die Schüler abhanden gehen, hat Wolfram nicht. Das Problem vermutet sie eher bei den Schulen in Bad Wörishofen. In der Mittelschule Mindelheim bekäme man weiterhin die Klassen voll. Dass ihre Schüler auf die Wirtschaftsschule wechseln sei die Ausnahme.

Dagegen verlassen 30 bis 40 Prozent ihrer Schüler die Schule mit einem mittleren Schulabschluss. „Nach der Schule hat man super Angebote für eine Ausbildung. Die Schüler werden händeringend von den Unternehmen gesucht, die eine praktische Voraussetzung wollen“, weiß Wolfram.

Auch die Firma Grob war durch Peter Geyer, Ausbilder für Industriemechaniker, vertreten. Viele machen auch erst die Lehre und dann ein Studium, sagte Geyer. „Die Anzahl für ein duales Studium ist gestiegen.“ Bei Wolfram würden aber nach wie vor mehr Schüler eine Ausbildung nach ihrem Abschluss machen.

Bei Grob habe man in den letzten zwei Jahren über 100 Auszubildende eingestellt, berichtete Geyer. Zwar findet Grob weiterhin genügend Azubis, doch „wir merken es auch, dass die Bewerbungszahlen zurückgehen.“ Geyer schätzt, das sich 20 Prozent weniger bewerben. Er sehe den Grund, warum viele Schüler studieren gehen, bei den Eltern. „Die Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder“ und das sei ein Studium. Hier im ländlichen Bereich sei die Studierquote aber noch nicht so hoch. „Viele Eltern drängen auf ein Studium, doch das haut nicht hin. Nicht jeder kann studieren“, sagte Geyer.

Julia Böcken

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